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Marburg Himmelsteiche für die Moosjungfer
Marburg Himmelsteiche für die Moosjungfer
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10:58 21.11.2020
Forst-Anwärterin Juliana Dienst und Bauerbachs Revierleiter Christian Korff schauen nach den neu angelegten Himmelsteichen. Quelle: Katja Peters
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Bauerbach

Was jetzt noch wie eine Mondlandschaft aussieht soll in etwa zwei Jahren ein gut besuchtes Biotop vor allem für die Große Moosjungfer sein. Auf einer Fläche von knapp einem halben Hektar im Wald von Bauerbach, unterhalb vom Katharinengraben, entsteht derzeit ein sogenannter Himmelsteich.

Auf dem Gelände standen mal Fichten, die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen waren. „Durch die Standortkartierung ist herausgekommen, dass das Gebiet einen hohen Tonanteil hat und damit wechselfeucht ist – ideale Bedingungen für ein Biotop“, erklärt Revierleiter Christian Korff beim OP-Besuch.

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Das Forstamt Kirchhain hat eine Art Patenschaft für die seltene Libellenart übernommen. „Sie war hier schon mal heimisch. Aufgrund der Trockenheit sind ihre Lebensräume aber verschwunden. Das wollen wir wieder ändern“, so der Förster, der noch ergänzt: „Und wenn wir was haben, dann Fläche.“

Denn die Große Moosjungfer benötigt für ihre optimale Entwicklung Teichgrößen von mindestens 100 Quadratmetern. Himmels-Teiche heißen die Biotope übrigens deswegen, weil sie keinen Anschluss an Seen oder Fließgewässer haben. Sie füllen sich nach und nach mit Regen- oder Grundwasser. „Wichtig ist, dass sie nicht so tief sind“, erklärt Christian Korff und zeigt auf die tiefste Stelle. „1,20 Meter ist das Maximum.“

Wildschweine stören

Zwei Jahre wird es dauern, bis das Biotop perfekte Bedingungen für die Große Moosjungfer hat. Sie bevorzugt Gewässer mit einer reichhaltigen Ausstattung unterschiedlicher, jedoch nicht zu dichter Pflanzenbestände. Die wärmebedürftige Art mag durch Torf oder Huminstoffe dunkel gefärbtes warmes Wasser.

„Manchmal nutzen Wildschweine das Biotop auch zum Suhlen. Dann ist das Wasser zu dunkel und der Nachwuchs kann die Nahrung nicht mehr jagen“, weiß der Revierleiter. Also gilt es, dieses zu vermeiden. Genauso wie Versandung oder das Zuwachsen. „Dagegen arbeiten wir natürlich an.“

Die seltene Libellenart „Große Moosjungfer“ soll im Revier Bauerbach wieder heimisch werden. Deswegen wurden dort jetzt fünf Himmelsteiche angelegt. Quelle: privat

Denn neben der Libelle sollen sich auch Molche, Amphibien und weitere Insekten dort ansiedeln. Das könnte bedeuten, dass das Biotop auch andere Tiere anlockt, wie beispielsweise den Schwarzstorch oder den Graureiher. „Je mehr Strukturvielfalt umso mehr Artenvielfalt“, sagt Christian Korff, in dessen Revier insgesamt fünf solcher Biotope in der vergangenen Woche angelegt wurden. Drei im Bereich zwischen Cappel und der Klinik Sonnenblick sowie zwei zwischen den Lahnbergen und Cölbe.

Die Form der Teiche variieren von Standort zu Standort. Je mehr Einbuchtungen sie aufweisen desto besser. Die Randzonen der Teiche sind daher flach auslaufend angelegt, damit beispielsweise die Amphibien leicht ein- und auswechseln können. Angepflanzt wird nichts. „Erle, Birke und Kiefer sähen sich selbst aus, genauso wie die Weide, Ginster oder das Heidekraut“, weiß der Fachmann, der zusammen mit der Forstanwärterin Juliana Dienst die Umsetzung begleitet hat.

Denn die Finanzierung lief über das Regierungspräsidium Gießen, die Umsetzung mit der Begleitung der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Marburg. „Hier im Forstamt Kirchhain kümmern wir uns um die Große Moosjungfer, in anderen Forstämtern werden stattdessen Nisthilfen für den Schwarzstorch aufgestellt oder Ameisen umgesiedelt. Jedes Forstamt hat seinen eigenen Arten-Schwerpunkt aufgrund der Lage und der Topografie“, erklärt Christian Korff und hofft, dass seine „Trittstein-Biotope“ auch angenommen werden.

Von Katja Peters

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