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Marburg Impfstoff-Produktion in Marburg soll bald starten
Marburg Impfstoff-Produktion in Marburg soll bald starten
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20:10 28.12.2020
Gebäude von Biontech am Standort Marburg. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

In wenigen Wochen soll auch in Marburg die Produktion des Corona-Impfstoffs beginnen – davon geht zumindest Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aus. Er verwies im ZDF-„Morgenmagazin“ auf eine Produktionsanlage der Schweizer Pharmafirma Novartis in Marburg, die vom Mainzer Unternehmen Biontech übernommen wurde (die OP berichtete). „Ziel ist, noch im Februar/März dort auch eine Produktion möglich zu machen. Und das würde die Menge enorm erhöhen“, sagte Spahn.

Nach Angaben von Biontech sind in Marburg einige Umstellungen nötig, bevor es auch dort mit der Produktion des Covid-19-Impfstoffs losgehen kann. Forderungen nach mehr Tempo wies Spahn zurück. Die Herstellung von Impfstoffen sei überaus anspruchsvoll, sie könne nicht in drei oder vier Wochen beliebig hochgefahren werden. „Das braucht Vorlauf, und das ist in Vorbereitung in Marburg“, betonte er.

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Mitte September hatte Biontech den Novartis-Standort übernommen, um die Herstellungskapazitäten im Hinblick auf den Corona-Impfstoff zu erweitern. Biontech-Finanzvorstand Dr. Sierk Poetting sagte, durch die Übernahme wolle man „eine der größten Messenger-RNA-Produktionsstätten in Deutschland und Europa“ werden. Poetting versicherte im September, man arbeite eng mit Novartis zusammen, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen und „sofort anfangen“ zu können, den Corona-Impfstoff in Marburg herzustellen.

Ziel: 250 Millionen Impfdosen bis Mitte 2021

Dazu müsse die bestehende Novartis-Anlage sukzessive „voll ausgebaut und hochgefahren“ werden – Ziel sei es, ab dem kommenden Jahr 750 Millionen Impfstoff-Dosen jährlich zur Verfügung zu stellen. „250 Millionen Dosen wollen wir bereits im ersten Halbjahr 2021 produzieren“, so Poetting.

Der Novartis-Standort Marburg biete dafür beste Bedingungen: „Die Site ist voll ausgestattet zur Herstellung rekombinanter Proteine und für die Zell- und Gentherapie – wir können quasi direkt einziehen und mit den 300 hoch qualifizierten Mitarbeitern den Impfstoff hier produzieren“, sagte er. Und: Man liege bestens im Zeitplan, bestätigte Jasmina Alatovic, Director External Communications: „Wir wollen planmäßig mit der Produktion im Februar beginnen.“

Für Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) steht fest: „Der Impfstoff gegen Covid-19, der auch in Marburg produziert werden soll, wird in dieser globalen Pandemie in der ganzen Welt helfen.“ Es freue ihn sehr, dass Marburg zum Kampf gegen die Corona-Pandemie einen so wichtigen Beitrag leiste, erläuterte der OB auf OP-Anfrage.

„Zum einen stehen wir als Stadt damit in der Tradition Emil von Behrings, der das Diphtherie-Serum entdeckte und in Marburg die Impfstoffproduktion startete. Zum anderen ist es uns im Geiste der Heiligen Elisabeth und als soziales Herz Deutschlands ein Grundanliegen, kranken Menschen zu helfen und unsere Mitmenschen zu schützen“, so Spies. Die Stadtverwaltung werde dazu ebenfalls einen Beitrag leisten – und zwar, „indem wir dem Unternehmen und seinen Mitarbeitenden bestmögliche Unterstützung und eine gute Infrastruktur bieten. Mit dem Masterplan Behringwerke hat die Stadtverordnetenversammlung eine wichtige Grundlage für die besondere Aufgabe Marburgs für die Zukunft gelegt“, verdeutlicht der Oberbürgermeisster

Auch Landrätin Kirsten Fründt sagte auf OP-Anfrage, sie freue sich, wenn vom Pharmastandort Marburg-Biedenkopf zur Überwindung der Covid-Pandemie ein wichtiger Beitrag geleistet werde: „Der Landkreis ist ein deutschland- und europaweit wichtiger Industrie-Standort“, betonte sie und verwies darauf, dass der Landkreis auch als Arbeits- und Wohnregion interessanter werde. Die überregionale Berichterstattung über Biontech trage dazu bei, dass der Pharma-Standort Marburg-Biedenkopf insgesamt gestärkt und zukunftssicherer werde. Dass aber die Rettung aus der globalen Krise allein von Marburg abhängig sei, glaubt Fründt freilich nicht. „So wie die Pandemie global ist, so werden auch deren Überwindung und die Impfung derjenigen Menschen weltweit, die sich impfen lassen wollen – und ich hoffe, das werden möglichst viele sein – eine globale Aufgabe sein. Wir leben in der einen Welt – das wird uns heute wirklich sehr bewusst.“

Weitere Kandidaten sind auf dem Weg der Zulassung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet indes „in den ersten Januartagen“ mit der Zulassung des Impfstoffs von US-Hersteller Moderna, wie er im Interview mit der „Bayern 2-radioWelt“ des Bayerischen Rundfunks deutlich machte. Zwei bis drei weitere Kandidaten seien auf dem Weg in die Zulassung, fügte er hinzu und bekräftigte erneut das Ziel, bis zum Sommer jedem Bürger ein Impfangebot machen zu können. „Weihnachten nächstes Jahr soll wieder normal werden können.“

Für die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind dem Gesundheitsministerium zufolge insgesamt 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Mit je zwei nötigen Dosen ließen sich so rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen – bei 83 Millionen Einwohnern in Deutschland.

Von Andreas Schmidt, Nadine Weigel und unserer Agentur

28.12.2020
29.12.2020