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Marburg Kombination aus Entspannung und Wissen
Marburg Kombination aus Entspannung und Wissen
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18:59 19.04.2020
Wer Angehörige pflegt, vergisst oft sich selbst. Betroffenen soll ein Angebot von Volkshochschule und Landkreis helfen. Quelle: Oliver Berg/dpa/Symbolfoto
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Marburg

Der erste Bildungsurlaub für pflegende Angehörige an der Volkshochschule Marburg in Zusammenarbeit mit dem Landkreis war ein voller Erfolg. Das jedenfalls sagen sowohl die Referentinnen als auch die Teilnehmerinnen aus Stadt und Landkreis.

Neun hatten sich für die Woche im Januar angemeldet und waren sich am Freitag einig: „Der Kurs ist Gold wert.“ Denn ohne großen Reiseaufwand lernten sie viel Wissenswertes über die Pflege zu Hause, aber auch wie sie sich selbst vor Überforderung schützen können und trotz Doppelbelastung auch entspannen können.

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Aber das Wichtigste war: Alle Teilnehmerinnen haben durch die Gruppe festgestellt, dass sie nicht alleine sind. „Beeindruckend war die besondere Qualität des Austausches in der Gruppe. Das können wir sonst nicht so bieten“, resümiert Ulrike Lux vom Pflegebüro Marburg. Zusammen mit Kursleiterin und Gesundheitsmanagerin Manuela Brehmen war sie eine der Referentinnen.

Ein Blick nach Gießen brachte die Idee

Im Rahmen des zweiten Aktionsplanes der EU-Charta hatte es eine Umfrage im Pflegebüro gegeben, was sich pflegende Angehörige für konkrete Unterstützung wünschen. Dabei sei immer wieder der Wunsch nach mehr Informationen, mehr Beratung und Begleitung sowie nach Entlastungsmöglichkeiten und der besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf geäußert worden.

Durch einen Blick nach Gießen kam die Idee, all das im Rahmen eines Bildungsurlaubes anzubieten. Denn dort gibt es das Angebot schon länger.

Durch die Leiterin der Marburger Volkshochschule, Cordula Schlichte, war der Kontakt nach Gießen schnell hergestellt – sie hat vorher dort gearbeitet – und auch das Konzept war schnell entwickelt. Ulrike Lux nennt es „eine charmante Kombination aus Entspannungstraining sowie der Vermittlung von Wissen über die Pflege und alles was dazugehört“.

Ulrike Lux vom Pflegestützpunkt der Stadt Marburg. Quelle: privat

Genau diese Mischung aus fachlichen Einheiten und dem Erlernen von Stressbewältigungstechniken hat auch die Teilnehmerinnen überzeugt. „Pflegende Angehörige vergessen sich oft selbst“, weiß Manuela Brehmen aus ihrer Erfahrung als Gesundheitscoach. „Nein“ zu sagen würde vor allem Frauen schwerfallen.

Dabei ist genau das wichtig, denn Pflege ist auch immer sehr emotionsbehaftet. „Die eigenen Kraftquellen finden und nutzen, das war auch ein Kernpunkt der Woche“, so die Kursleiterin, die als Yoga-Lehrerin genügend Tipps für die Frauen parat hatte, die alle so um die 50 Jahre alt waren.

„Es ist nicht egoistisch, sich Hilfe zu holen“

Ein weiterer wichtiger Punkt war: Berührungsängste abbauen, wenn es um Hilfe geht. Deswegen besuchte der Kurs auch das Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt (BiP) Am Grün. Dort finden pflegende Angehörige aus Stadt und Landkreis Ansprechpartner für alle möglichen Hilfsangebote sowie Unterstützung bei den Anträgen.

„Jetzt haben sie alle schon mal die Beraterinnen kennengelernt. Denn es ist überhaupt nicht egoistisch, sich Hilfe zu holen oder einen Heimplatz zu suchen“, betont Ulrike Lux. „Manchmal ist Abstand sogar besser für das zwischenmenschliche Verhältnis“, weiß sie aus Erfahrung.

Es gibt weitere Pläne

Aufgrund des positiven Fazits wird es wohl auch zukünftig das Angebot des Bildungsurlaubes an der Volkshochschule geben. Darin sind sich alle einig, vor allem auch Laura Griese, Referentin der EU-Charta bei der Stadt Marburg.

Sie lobt die gute Zusammenarbeit mit der Volkshochschule sowie die gute Kombination von Wissen und Entspannung. Und es gibt bereits weitere Pläne. Schon während der Premieren-Woche hat es eine Umfrage unter den Teilnehmerinnen gegeben bezüglich Sport- und Bewegungsangeboten im Rahmen eines Bildungsurlaubs. Die Auswertung läuft derzeit.

Bildungsurlaub

Bildungsurlaub – das ist der gesetzlich verbriefte Anspruch auf Weiterbildung für Arbeitnehmer während der Arbeitszeit. Vielen noch nicht bekannt und darum noch wenig genutzt ist das Recht, anerkannte Seminare während der Arbeitszeit zu besuchen und sich dafür bis zu fünf Tage beurlauben zu lassen. Die Seminarkosten müssen in der Regel selbst übernommen werden, viele Arbeitgeber geben aber auch Zuschüsse oder zahlen komplett.

Von Katja Peters

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