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Marburg „Solides Wachstum in herausforderndem Jahr“
Marburg „Solides Wachstum in herausforderndem Jahr“
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18:58 30.01.2021
Ist mit der Bilanz zufrieden: Der Vorstand der VR Bank Lahn-Dill mit Klaus-Dieter Theis (von links), Ralph-Uwe Orth, Klaus Königs (Sprecher), Christof Schwehn, Steffen Simmer und Armin Wickel.
Ist mit der Bilanz zufrieden: Der Vorstand der VR Bank Lahn-Dill mit Klaus-Dieter Theis (von links), Ralph-Uwe Orth, Klaus Königs (Sprecher), Christof Schwehn, Steffen Simmer und Armin Wickel. Quelle: Foto: Katharina Weber
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Biedenkopf

Das Corona-Jahr hat auch die VR Bank Lahn-Dill vor große Herausforderungen gestellt, „und die Pandemie wird uns auch dieses Jahr und darüber hinaus beschäftigen“, ist sich Klaus Königs, Vorstandssprecher der Bank, sicher. Dennoch hat die Bank ihre Bilanzsumme kräftig gesteigert – um 9,5 Prozent oder 184 Millionen Euro auf 2,12 Milliarden Euro. „Der wesentliche Indikator ist für uns das betreute Kundenvolumen“, sagt Königs – und das ist binnen Jahresfrist auf 4,2 Milliarden Euro angestiegen. „Wir reden hier von einem Zuwachs in Höhe von 275 Millionen Euro“, so Königs. Getragen wurde das Geschäft stark von der gesteigerten Nachfrage nach Wertpapieren, „dort haben wir eine Steigerung um 61 Millionen Euro“, sagt der Vorstandssprecher.

Zahlreiche Filialen hätten vergangenes Jahr pandemiebedingt geschlossen werden müssen, „und einige werden auch geschlossen bleiben“, sagt Königs. Die Schließungen seien vorher schon beschlossen gewesen, weil die Leistungen der Filialen von in der Nähe liegenden Beratungscentern gebündelt werden sollen – „Corona hat diese Entwicklung lediglich beschleunigt“, sagt Königs. Denn die Krise habe gezeigt: „Der Beratungsbedarf ist weiterhin immens hoch.“ Um Kontakte zu minimieren, hat die Bank ihre digitales Beratungsangebot – inklusive beispielsweise Video-Chats – ausgebaut.

„Wir wollen uns zu einer persönlich-digitalen Regionalbank transformieren“, erläutert der Vorstandssprecher. Denn das Kundenverhalten habe sich während der Pandemie deutlich zugunsten digitaler Serviceleistungen verändert. „Online-Banking wird mittlerweile von allen Altersgruppen genutzt“, so Königs, „und auch das kontaktlose Bezahlen hat immens zugenommen“: Habe es vor Corona durchschnittlich rund 50 000 kontaktlose Transaktionen an Kartenterminals gegeben, habe sich die Zahl in den ersten Monaten des vergangenen Jahres verdoppelt.

Geprägt gewesen sei das Geschäftsjahr auch durch die Beantragung beispielsweise von Corona-Hilfskrediten über die KfW in Höhe von 42 Millionen Euro. „Wir haben in unserer Region eine sehr starke Realwirtschaft, die in der Krise auf uns Regionalbanken angewiesen ist.“ Für die sei man ein verlässlicher Partner. Und um zu helfen, habe die Bank mit Kunden 855 Tilgungs- und Ratenaussetzungen vereinbart. Corona-bedingte Kreditausfälle seien durch die solide Aufstellung der Unternehmen bislang ausgeblieben.

Insgesamt ist das Kreditgeschäft um 46 Millionen Euro auf nahezu 1,5 Milliarden Euro gewachsen. 298 Millionen Euro an neuen Krediten hat die VR Bank vergangenes Jahr vergeben – 27 Millionen Euro mehr, als ein Jahr zuvor. „Hinzu kommen noch rund 60 Millionen Euro von Instituten im Verbund“, so Königs.

„Mit dem Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr sind wir zufrieden“, sagte Königs. Durch die langanhaltende Niedrigzinsphase sei das Zinsergebnis nachhaltig rückläufig – es sank auf 30,2 Millionen Euro. „An der Zinspolitik der EZB wird sich auch langfristig nichts ändern“, so Königs. Gleichzeitig sei das Provisionsergebnis auf 16 Millionen Euro gestiegen. Dabei verdient die Bank nicht nur am Aktiengeschäft – sondern auch an der gestiegenen Zahl der Kartenzahlungen, „je nach Kontomodell“, wie Königs erläutert. Das Ergebnis vor Bewertung liegt bei 14,6 Millionen Euro.

Und was bringt dieses Jahr? „Die globalen Risiken durch die Corona-Pandemie sind auch im Auftragseingang und der Ertragskraft unserer heimischen Wirtschaft erkennbar“, so Königs. Ist denn mit einer erhöhten Zahl an Insolvenzen zu rechnen? „Es wird welche geben, aber eine Risikoabschätzung kann man jetzt noch nicht geben. Denn wir kennen ja noch keine Ergebnisse der Unternehmen“, sagt Königs. „Im Moment ist nichts erkennbar.“

Einen Dividendenvorschlag nennt Königs noch nicht. „Wir haben vergangenes Jahr eine Dividende von 5 Prozent ausgeschüttet, obwohl die Aufsicht den Banken nahegelegt hatte, keine Dividende zu zahlen, um die Eigenkapitalbasis zu stärken.“ Die liegt bei der VR Bank Lahn-Dill bei 248 Millionen Euro oder 19,35 Prozent. „Wir wollen auch dieses Jahr wieder eine Dividende ausschütten – das werden wir empfehlen“, aber eine Höhe stehe nicht fest.

Von Andreas Schmidt

Wesentliche Kennzahlen

  • Die Bilanzsumme der VR Bank Lahn-Dill stieg binnen Jahresfrist um 184 Millionen Euro oder 9,5 Prozent auf 2,12 Milliarden Euro.
  • Auch das betreute Kundenvolumen hat kräftig zugelegt – um 275 Millionen Euro oder 7 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro.
  • Das Kundenkreditvolumen stieg auf 1,47 Milliarden Euro, legte binnen Jahresfrist um 46 Millionen Euro oder 3,2 Prozent zu.
  • Gestiegen sind auch die Einlagen – und zwar um 229 Millionen Euro oder 9,2 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro.
  • Das Zinsergebnis war indes rückläufig – es fiel auf 30,2 Millionen Euro im Vergleich zu 32 Millionen Euro im Vorjahr.
  • Das Provisionsergebnis stieg jedoch von 15,56 Millionen Euro auf 16 Millionen Euro.
  • Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit stieg binnen Jahresfrist von 12,43 Millionen Euro auf 14,6 Millionen Euro.
30.01.2021
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