Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg CSL fährt erneut einen Rekordgewinn ein
Marburg CSL fährt erneut einen Rekordgewinn ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:55 20.08.2020
Der Standort Görzhausen wächst – auch durch CSL Behring: Links das „Office of the Future", rechts der Neubau für Forschung und Entwicklung.
Der Standort Görzhausen wächst – auch durch CSL Behring: Links das „Office of the Future", rechts der Neubau für Forschung und Entwicklung. Quelle: privat
Anzeige
Marburg

Die Corona-Krise scheint CSL nichts anhaben zu können: Am Mittwoch veröffentlichte das Unternehmen seine Jahresbilanz – alle Indikatoren zeigen weiter nach oben. Demnach hat CSL Limited, der Mutterkonzern der Marburger CSL Behring GmbH, im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz in Höhe von 8,938 Milliarden US-Dollar eingefahren – ein Plus von 9 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr.

Die Erträge vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Finanzierungsaufwendungen (EBITDA) lagen bei gut 3,3 Milliarden US-Dollar und somit 15 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor. Somit bleibt unterm Strich ein Gewinn nach Steuern in Höhe von 2,247 Milliarden US-Dollar – eine Steigerung um 17 Prozent zum Vorjahr, als der Gewinn bei gut 2,2 Milliarden US-Dollar lag.

Paul Perreault, CEO der CSL-Gruppe, betonte, dass das Unternehmen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie mit den damit einhergehenden „komplexen und unerwarteten Herausforderungen“ ein „herausragendes Ergebnis“ erzielt habe.

Covid-19 habe jedoch nicht nur für die Angestellten, sondern auch für Teile der Lieferantenkette und auch auf die Plasmaspenden einen erheblichen Einfluss gehabt. Da jedoch auch während der Pandemie die Nachfrage nach CSL-Präparaten unvermindert hoch gewesen sei, seien die Plasma-Sammelzentren geöffnet geblieben – um die Produkte, die auf gewonnenem Blutplasma basieren, weiter in ausreichendem Maße herstellen zu können.

Analysten hatten im Vorfeld der Bilanz bereits darauf hingewiesen, dass die Gewinnung von Plasma ein „marktentscheidender Faktor“ für das weitere Wachstum von CSL bedeute.

Neue Plasma-Zentren sollen entstehen

Michael Schröder, Geschäftsführer und Standortleiter von CSL Marburg, erläuterte im OP-Gespräch, dass CSL diesem Umstand durchaus Rechnung trage. „Im vergangenen Jahr wurden in den USA rund 40 Plasma-Zentren eröffnen, und diesen Wachstumskurs wollen wir weiter fortsetzen“, sagte Schröder. Er zeigte sich mit den Zahlen, zu denen Marburg mit gut einem Drittel beigetragen habe, ebenfalls „äußerst zufrieden“ und dankte vor allem den Mitarbeitern. „Wir haben in der Corona-Krise bewiesen, dass wir zwar ein Kreuzfahrtschiff sind, aber dennoch immer noch gut Kurskorrekturen vornehmen können – zwar nicht ganz so wie ein Schnellboot. Aber unsere Mannschaft hat auf alle Anforderungen jederzeit hervorragend reagiert.“

Alle hätten „an einem Strang und in die gleiche Richtung“ gezogen – das habe dazu geführt, „auch in diesem Jahr dieses hervorragende Ergebnis“ zu erzielen. Die Zahlen sprächen für sich, „wir haben die Ziele übererfüllt“.

Sorge vor zweitem Lockdown

Sorge bereitet Schröder, dass die Infektionszahlen wieder steigen. „Wir waren im Landkreis für das RKI lange ein heller Fleck – aber mit den steigenden Zahlen wird es etwas dunkler in der Schattierung.“ Niemand wisse, ob es nicht wieder einen neuen Lockdown geben werde – „wird es dann nur auf lokaler Ebene ablaufen oder gar deutschlandweit – und wie schaut es mit der weltweiten Situation aus? Das kann niemand sagen“, so Schröder. Daher blicke die Unternehmensgruppe mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.

Das führe auch dazu, dass der Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr „mit einer recht breiten Marge angegeben ist“, erläuterte Finanzvorstand Wolfgang Thiel. So gehe man für die gesamte Gruppe von einem Netto-Gewinn zwischen 2,1 und 2,265 Milliarden US-Dollar aus, was einer Wachstumsrate von acht Prozent entspreche.

Corona-Präparate in Entwicklung

Fortschritte gebe es allerdings bei Forschung und Entwicklung, was den Einsatz gegen Corona angeht, „da sind wir ja auch sehr aktiv“, so Michael Schröder. So ist CSL einer der Mitgründer der „CoVIg-19-Allianz“, in der sich weltweit Plasma-Unternehmen zusammengeschlossen haben, um ein Medikament gegen Covid-19 zu entwickeln. „Das Präparat ist aktuell bereits in einer klinischen Studie und wird Patienten verabreicht“, sagt Schröder – und das schon seit Ende Juli.

Zudem arbeitet CSL mit der Universität Queensland an einem Impfstoff. „Und bei uns schon vorhandene Entwicklungsprodukte werden gerade in klinischen Studien darauf getestet, ob sie eine positive Wirkung bei der Behandlung von Covid-19-Patienten haben“, erläutert Schröder.

Von Andreas Schmidt