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Marburg Zehn Jahre alles unter einem Dach
Marburg Zehn Jahre alles unter einem Dach
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12:56 06.07.2020
Zum zehnjährigen Bestehen des BiP Am Grün gab es eine kleine Feierstunde. Quelle: Katja Peters
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Marburg

„Netzwerke tun gut. Aber nur selten haben sie ein eigenes Haus“, sagt Landrätin Kirsten Fründt. „Im hessischen Vergleich ist das Zentrum eine Ausnahme und dennoch ein wunderbares Angebot, das noch mehr Menschen nutzen könnten. Für den Landkreis ist es jedenfalls eine unglaubliche Bereicherung.“

Gemeint hat sie damit das Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt (BiP) Am Grün in Marburg. Das feierte kürzlich sein zehnjähriges Bestehen mit einer corona-konformen Feierstunde.

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„Eigentlich war eine große Feier geplant“, sagte Dr. Petra Engel, die den zehnten Geburtstag eröffnete und auch einen kurzen Rückblick gab. „Unüberbrückbares wurde hier zusammen geführt.“ Auch auf die Zusammenarbeit von Kreis- und Stadtverwaltung wäre nicht überall so selbstverständlich wie an diesem Ort.

Genauso vielfältig wie die Zielgruppen wären im BiP auch die Anbieter und Träger. „Von einem Nebeneinander wurde über die Jahre ein Miteinander, aus Verwalten ein Gestalten.“

Freie Träger arbeiten im Beratungszentrum mit

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spiel lobte die Zusammenführung der Unterstützungsangebote. „Das ist so gut gelungen, dass Menschen aus Japan kommen und gucken, wie man das macht.“ Die zentrale Lage in der ehemaligen Bankfiliale Am Grün sei damals gut gewählt worden und habe sich bis heute bewährt. Durch die Kooperation der unterschiedlichen Träger sei der Ort „zu einem Ort der Nachhaltigkeit geworden. Wir machen das für die Menschen, die hier in der Stadt leben“, betonte Spies noch einmal.

„Sie orientieren sich an der Sache und nicht daran, wer von wem bezahlt wird.“ Er stellte heraus, dass es um die Betroffenen gehe und nicht um die „Genügsamkeit der Verwaltung“. Schließlich hat die Stadt extra einen neuen Fachdienst ins Leben gerufen – den Fachdienst Altenplanung, den Petra Engel leitet.

Würdigung für Ex-Landrat Fischbach

Durch die Beteiligung des Landkreises konnten in der Folge Bundesmittel für weitere Projekte investiert werden. „Das ist für einen Flächenlandkreis sehr sinnvoll“, so die Landrätin, die aber auch davon sprach, dass „der Sand, der sich immer mal wieder im Getriebe befand, beiseite geräumt wurde und jetzt ein nachhaltiges Komplettprogramm entstanden ist.“

In diesem Zusammenhang lobte sie die Arbeit ihres Vorgängers Robert Fischbach (CDU) und auch des Spies-Vorgängers Egon Vaupel (SPD). „Wir können heute ernten, was unsere Vorgänger angefangen haben.“ Sie betonte auch noch einmal, dass beide Geldgeber nach wie vor offen für weitere Projekte sind.

Freiwilligenagentur vermittelt

Zentrale Bestandteile des BiP sind für die Stadt das Pflegebüro, die Altenhilfe und die Altenplanung sowie der Pflegestützpunkt des Landkreises. Der Marburger Verein für Selbstbestimmung war mit Werner Englert bereits Mitinitiator und von Beginn an dabei. Zur Vielfalt des „Gut Älterwerden“ gehört die Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf, die als weiterer freier Träger für das Beratungszentrum gewonnen werden konnte.

Nicht wegzudenken aus dem BiP ist die Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf mit vielen Verbindungen zu den Aufgaben der anderen BiP-Träger, Engagierten und Hilfe suchenden Menschen von Jung bis Alt. Im Lauf der Jahre kamen Selbsthilfevereine mit regelmäßigen Sprechstunden hinzu.

Austausch in trägerübergreifenden Teams

Auch der Seniorenbeirat bietet im BiP monatliche Sprechstunden an. Unabhängig, kostenfrei und kooperativ bietet das BiP Information und Beratung zu freiwilligem Engagement, rechtlicher Betreuung, „Gut Älterwerden“ in der Region, Wohnen im Alter, Pflege, Vorsorgevollmacht und Demenz. Ziel ist eine umfassende Beratung mit kurzen Wegen für Ratsuchende durch viele Anlaufstellen unter einem Dach.

Ratsuchende werden im vertraulichen Gespräch umfassend informiert, damit sie die für sich und alle an ihrer Situation Beteiligten besten Wege und Lösungen finden können. Alle im BiP arbeiten eng zusammen und stehen in regelmäßigem Kontakt und Fachaustausch, Mitarbeiter verschiedener Träger informieren, wenn nötig und gewünscht, auch in trägerübergreifenden Teams.

Zentrum ist auch ein Ort der Kultur

Das die Zusammenarbeit nicht nur bei der Beratung von Hilfesuchenden funktioniert, hat sich auch während der Corona-Pandemie gezeigt. „Ältere wie jüngere Menschen haben sich mit ihren Fragen an das Beratungszentrum gewandt, weil sie plötzlich mit den Herausforderungen des Alltags nicht mehr zurechtkamen beziehungsweise gerne helfen wollten. Umgehend haben die Freien Träger des BiP gemeinsam mit der Stadt Marburg eine Telefonhotline, Corona-Hilfe’ eingerichtet, die Unterstützungssuchende und Hilfeanbietende unkompliziert zusammenbringt“, berichtete Petra Engel.

Und noch etwas ist das Beratungszentrum Am Grün: Es ist ein Ort für Kunst und Kultur und bietet mit regelmäßigen Ausstellungen einen niedrigschwelligen Zugang zu Bildern und Figuren. „Das ist eine Form der Teilhabe, denn die meisten Aussteller sind Menschen mit Beeinträchtigungen. Aber wir wollen inklusiv handeln, vor allem auch für die vielen Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt“, sagte Dr. Anna Stach, Geschäftsführerin des Marburger Vereins für Selbstbestimmung und Betreuung, zum Abschluss der Feierstunde.

Von Katja Peters

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