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Marburg Polizei warnt vor neuen Betrugsmaschen
Marburg Polizei warnt vor neuen Betrugsmaschen
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10:00 28.03.2022
Die Tochter schreibt über eine unbekannte Nummer eine Kurznachricht aufs Smartphone, ohne einen Namen anzugeben. Dahinter kann auch ein Betrugsversuch stecken.
Die Tochter schreibt über eine unbekannte Nummer eine Kurznachricht aufs Smartphone, ohne einen Namen anzugeben. Dahinter kann auch ein Betrugsversuch stecken. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

„Hallo Mama, ich habe ein neues Handy, das ist meine neue Nummer.“ Solche Kurznachrichten auf dem Smartphone dürften sicher viele kennen. Noch ein lachendes Smiley darunter gesetzt und fertig. Nur der Name fehlt. Wird man da als Elternteil oder als Großeltern sofort stutzig? Gerade wenn man nur ein Kind oder Enkel hat?

Vielleicht nicht unbedingt – und genau darauf zielen Betrüger mit dieser Betrugsmasche ab. Die Rede ist quasi vom Enkeltrick 2.0 – denn mittlerweile hat sich diese bekannte Masche des falschen Enkelkindes, das Geld braucht, ebenso weiter entwickelt wie das technische Verständnis von Senioren.

Nur zielt die angepasste Abzocke-Technik statt auf das Festnetz auf Smartphones und Messenger-Dienste ab, die auch Senioren immer mehr nutzen. Und dort tauchen dann solche Nachrichten auf. Natürlich ohne Namen des Kindes, denn den kennt der Betrüger (noch) nicht. Dafür die Eltern oder Großeltern, die sich vielleicht nichts dabei denken und die fremde Nummer gedankenlos abspeichern. Wer hier nicht aufpasst, kann schnell zum Opfer werden, wenn der falsche Absender dann später anruft, um den angeblichen Angehörigen Geld abzuluchsen.

Ein Kind oder Enkelkind schreibt angeblich über eine unbekannte Nummer eine Kurznachricht aufs Smartphone, ohne einen Namen anzugeben. Dahinter kann auch ein Betrugsversuch stecken. Quelle: Foto: Ina Tannert

Solche und ähnliche Betrugsmaschen sind an der Tagesordnung, die Polizei warnt immer wieder eindringlich davor: „Auf solche Anrufe sollte man nicht eingehen, im Zweifel legen Sie auf“, betont Polizeihauptkommissarin Sylvia Jacob, die kriminalpolizeiliche Beraterin für den Wetteraukreis.

Sie berichtet vergangene Woche während der ersten digitalen Präventionsmesse der Polizei Mittelhessen über diverse betrügerische Strategien. Zahlreiche Besucher informieren sich dort in verschiedenen virtuellen Messeräumen über die Polizeiarbeit und relevante Schwerpunkte, wie die Prävention vor Betrugsversuchen.

Wenn die „Polizei“ an der Tür klingelt

Der Tipp der Expertin bei unserem Beispiel: Zuallererst die Identität des Anrufers eindeutig klären, etwa die alte Nummer des vermeintlichen Verwandten anrufen oder sich bei anderen rückversichern, ob diese neue Nummer bekannt ist. Sie rät dazu, mit der Familie für solche Fälle klare Verhaltensregeln zu vereinbaren, etwa eine Art Codewort oder den Anrufer mit einem Namen anzusprechen, den es definitiv nicht in der Sippschaft gibt. Betrüger finden sich aber nicht nur am Telefon, sondern können auch vor der eigenen Haustür auftauchen, macht Jacob deutlich: Der Polizei sind hier etwa Fälle von falschen Wasserwerkern bekannt, die den Bewohnern das Blaue vom Himmel herab lügen und erzählen, nebenan gebe es einen Wasserrohrbruch – also müsse man nun unbedingt an den Hauptwasserhahn der Nachbarn.

Der ist häufig im Keller zu finden. Während der eine „Handwerker“ mit dem Hausbesitzer dorthin geht, diesen quasi aus dem Verkehr zieht, durchsucht der Kollege unbemerkt das Haus und klaut, was an Wertgegenständen zu finden ist. „Lassen sie keine Fremden in Ihre Wohnung und sich auch nicht unter Druck setzen“, rät die Kriminalhauptkommissarin in solchen Fällen. Mal davon abgesehen, dass bei diesem Beispiel der Nachbar-Anschluss gar keine Rolle spielt, würden die Stadtwerke oder andere Grundversorger einen Besuch vorher ankündigen.

So sieht der echte Dienstausweis für die hessische Polizei aus. Quelle: Foto: Arne Dedert

Von einer angeblichen Amtsperson an der Tür, etwa von der Polizei, sollte man sich zudem immer einen Ausweis zeigen lassen. Oder man kann sich einen Polizei-Besuch über die Nummer 110 bestätigen lassen. Grundsätzlich gelte bei jeder Betrugsmasche misstrauisch zu bleiben und lieber einmal mehr nachzufragen, um sich abzusichern, als einem Betrüger auf den Leim zu gehen.

Ein Betrugsverdacht kann direkt beider Polizei (die Polizei Marburg ist unter 0 64 21 / 40 60 erreichbar) oder online über die Online-Wache gemeldet werden: https://onlinewache.polizei.hessen.de/ow/Onlinewache/

Von Ina Tannert