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Marburg Das bange Warten
Marburg Das bange Warten
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08:58 28.04.2020
Ein Blick in ein Becken des Freibads im Aquamar Marburg. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Marburg

Der Mai steht vor der Tür und die Freibad-Betreiber bereiten sich auf die Öffnung der Bäder vor. Alles wie immer. Nein, nicht ganz. Sie bereiten sich zwar vor, aber sie wissen gar nicht, wann beziehungsweise ob sie überhaupt in dieser Saison grünes Licht zur Öffnung bekommen. Warum das? Natürlich wegen Corona.

In der Regel beginnt die Saison im Mai. Darauf wird im Aquamar in Marburg auch hingearbeitet, bestätigt Rolf Klinge, zuständiger Fachdienstleiter. Doch dieses Mal tatsächlich mit dem Wissen, dass man eigentlich nichts weiß. Das Wetter kann noch so schön sein, alles wird sich der Corona-Pandemie unterordnen müssen. Bisher sei das Thema Freibäder bei Besprechungen auf höheren Ebenen ausgeklammert geblieben. Klinge will das nicht als Kritik verstanden wissen, er weiß ja selbst, dass derzeit wohl kaum jemand ruhigen Gewissens sagen kann, dass Bäder zum Tag X geöffnet werden können. „Wir müssen uns gedulden und uns danach richten, was uns das Land vorgibt“, so Klinge. So sieht das Michael Emmerich, Bürgermeister der Stadt Rauschenberg, die ein Freibad betreibt, auch. „Wir werden alles so weit vorbereiten, dass die Saison Ende Mai bei uns starten kann. Aber ich gehe mal davon aus, dass der Zeitpunkt verfrüht ist. Derzeit ruhen die Hoffnungen noch auf einer verkürzten Saison, aber natürlich richten wir uns danach, was gefahrlos möglich ist und was nicht“, macht Emmerich deutlich. Und was passiert am See, im Seepark Weimar bei Niederweimar? „Wir müssen hoffen und dann im Rahmen der Möglichkeiten agieren“, sagt Betreiber Günter Gerkau. Er setzt auf die Weitläufigkeit des Geländes. Vielleicht sei es irgendwann möglich, zwischen 200 und 300 Menschen auf das Gelände zu lassen, also deutlich weniger als möglich wäre. Auch hofft Gerkau, dass er bald verschiedene Attraktionen anbieten kann, natürlich immer unter Einhaltung der Vorgaben. Wer beispielsweise Wasserski fahren möchte, könnte schon von zu Hause aus Termine buchen und dann vor Ort über einen separaten Eingang kommen, so dass praktisch keine nennenswerte Begegnung mit anderen Menschen nötig ist. Dasselbe Vorgehen könnte für den Aquapark gelten.“ Ab Montag soll über den Individualsport gesprochen werden, da werden wir uns natürlich genau informieren“, sagt Gerkau, der an der Ronneburg noch eine Gleitschirmschule betreibt. Er kann sich vorstellen, dass er dort schon bald starten kann, weil dort der Mindestabstand gewahrt werden kann. Zurück zum See: Die Gastronomie hält sich dort wenigstens mit Essen „To Go“ über Wasser. So weit Gerkau das beurteilen kann, werde das Angebot auch gut genutzt. Am See sitzen kann natürlich niemand. Das Gelände ist geschlossen. Es wird ein schwieriges Jahr, denn der Seepark muss praktisch in vier Monaten das erwirtschaften, das benötigt wird, um ein Jahr davon leben zu können.

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In Stadtallendorf sind auch viele vorbereitende Arbeiten so wie immer erledigt worden, ganz nach den Vorgaben der Verkehrssicherungspflicht, sagt Giselher Pontow, Chef der Stadtwerke. Will heißen, aus den Bäumen auf dem Gelände wurde das Totholz geschnitten und die Spielgeräte wurden entsprechend gewartet. Jetzt werde aber mehr oder weniger abgewartet. Das Wasser ist noch nicht ausgetauscht, die Grundreinigung des Beckens so noch nicht in Angriff genommen worden. „Wir haben schließlich auch noch ein Hallenbad, das derzeit geschlossen ist, aber auch wenn wir alles bis auf ein Minimum, sprich Notbetrieb runtergefahren haben, Fix-Kosten verursacht, ohne dass wir Einnahmen verzeichnen“, sagt Pontow. So dürfen beispielsweise die Filter vom Whirlpool nicht trocken laufen und die Duschen springen all 15 Minuten kurz an, damit es dort zu keiner Verkeimung kommen kann. Pontow kann sich vorstellen, dass die Liegewiese leicht genutzt werden kann, weil dort die Abstandsregelungen leicht umzusetzen seien.

Doch bleibe das Risiko Wasserbecken. Auch wenn das Chlor im Wasser Bakterien und Viren verlässlich inaktiviert, auch das Coronavirus, könnte es dort räumlich gesehen eng werden. Und selbst wenn es vom Bund oder Land grünes Licht geben sollte, müsste dann noch eine kommunalpolitische Entscheidung her, einmal mit Blick auf die Gesundheitsvorsorge und zum anderen auf den Gesamthaushalt, denn die weiteren Arbeiten zur Öffnung des Freibades werden zunächst einmal weitere Kosten verursachen, die neben dem Hallenbad-Minus auch gedeckt werden müssen.

Von Götz Schaub

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