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Marburg Betreiber in Marburg: Schaffen 90 Schnelltests pro Stunde
Marburg Betreiber in Marburg: Schaffen 90 Schnelltests pro Stunde
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09:58 21.12.2020
Am Aquamar in Marburg steht ein privates Corona-Schnelltestcenter.
Am Aquamar in Marburg steht ein privates Corona-Schnelltestcenter. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Mit Steuergeld-Hilfe zum privaten Schnelltest: Die Stadt Marburg teilfinanziert jedem Stadtbewohner bis zum Jahresende einen Corona-Schnelltest – auch im Ende vergangener Woche aufgebauten Testzentrum am Aquamar. Jeder Marburger bekommt nach Angaben des Magistrats einen um 15 Euro rabattierten Preis.

Wie der Zentrumsbetreiber auf OP-Anfrage mitteilt, ist das ein bundesweit bisher wohl einmaliger Schritt. Man verlange pro Test 40 Euro. Wie der Betreiber, der in den Containern nach eigenen Angaben vor allem Medizinstudenten einsetzt, sagt, können in Marburg stündlich bis zu 90 Tests durchgeführt und – binnen 15 Minuten – ausgewertet werden.

Länger dauert es bei den Hausärzten auch nicht, preislich bewegen sich die Kosten für einen Schnelltest – das ist für private Zwecke keine Versicherungsleistung – im ganzen Landkreis ebenfalls zwischen 30 und 50 Euro.

Der Zentrumsbetreiber wirbt damit, dass man in den Containern eben ausschließlich Tests durchführe, es im Gegensatz zu einigen Praxen keine längeren Wartezeiten oder gar Auslastungsprobleme gebe. Etwas, das Hausärzte in Marburg und Umgebung so pauschal nicht bestätigen. „Wenn nicht gerade ein ganzes Lehrerkollegium kommt, klappt es auch in Praxen ganz gut“ sagt ein Marburger Mediziner auf OP-Anfrage.

Bezahlt werden soll der kommunale Schnelltest-Anteil jedenfalls aus den Resten des Stadtgeld-Gutscheins, das Geld, das im Sommer nicht eingelöst worden ist. Es sind mehrere Hunderttausend Euro.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sagte, dass man seitens des Magistrats darauf setze, dass vor allem Menschen mit wenig Geld – allen voran Stadtpassinhaber – die Co-Finanzierung für einen Test kurz vor den Weihnachtsfeiertagen nutzen. Registrierung ja, Einkommensüberprüfung nein: Ein Check der Bedürftigkeit sei dabei nicht möglich. „Wir vertrauen auf die in Marburg übliche Solidarität“, sagt Spies.

Gruppe der OB-Kandidaten lehnt das Vorgehen ab

Aus der Riege der anderen Oberbürgermeister-Kandidaten (mit Ausnahme von Linken-Politikerin Renate Bastian) wird Kritik an dem Vorgehen laut. Die Ankündigung, dass zwar nur Stadtpassinhaber das Rabattangebot in Anspruch nehmen sollen, die Bedürftigkeit aber nicht kontrolliert werde, „verwirrt“, heißt es von Nadine Bernshausen (Grüne), Dirk Bamberger (CDU), Michael Selinka (FDP) und Andrea Suntheim-Pichler (BfM).

Mit dem Rabattangebot „ruft der OB dazu auf, das Gebot der Stunde, sich nämlich besser nicht zu treffen, zu ignorieren“, sagt Suntheim-Pichler. Spies entgegnet, dass das Zuhausebleiben Priorität haben solle, man seitens der Stadtspitze auch entsprechend appelliere.

Trotzdem gebe es für manche Marburger eben emotionale Gründe, die Weihnachtszeit unbedingt im Kreis von Verwandtschaft verbringen zu wollen. „Dann ist es immer noch besser, vorher kurzfristig einen Schnelltest zu machen, um keine unerkannte, symptomfreie Infektion weiterzugeben. Am Geld darf das nicht scheitern“, sagt er.

„Sinnvoll wäre es, Risikogruppen und Risikoeinrichtungen gezielt zu testen“, entgegnen Bamberger und Bernshausen. Dass im privat betriebenen Testzentrum besonders gefährdete Personen vorrangig und gezielt getestet würden, sei aber nicht zu erkennen, heißt es von ihnen.

Das privat betriebene Corona-Testzentrum werfe laut der OB-Kandidaten-Gruppe ohnehin grundsätzlich einige Fragen auf – wie wurde der Betreiber ausgesucht und wie sieht die städtische Finanzierung genau aus? Man wolle seitens des Magistrats mit der Kooperation mit dem Aquamar-Testzentrum offenbar vor allem „den Eindruck erwecken, es würde etwas getan“, sagt Selinka im Hinblick auf den Aspekt des Marburger „Anti-Corona“-Wegs.

Auch die Regelung zur rabattierten Nutzung von Taxen sei „intransparent“. Sowohl die Altersgrenze als auch die sonstige Abgrenzung von Risikogruppen sei derzeit „nicht nachvollziehbar. So bleiben Betroffene im Ungewissen“, sagen Bernshausen und Bamberger.

Von Björn Wisker

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