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Marburg Von Marburg per Raumschiff zum Mars
Marburg Von Marburg per Raumschiff zum Mars
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00:17 29.01.2019
Im Juni 2018 eröffnete der Abenteuerraum unter dem Titel: „Der Flug zum Mars“. Quelle: Tobias Kunz
Marburg

Warum so eine Tragödie, wie sie in einem polnischen Escape Room kürzlich passierte, in Marburg ausgeschlossen ist, erklärten die Betreiber von „The Key“ der OP. Natürlich waren sie geschockt, als sie von dem Drama in Polen erfahren hatten. Dort starben fünf Mädchen in einem Escape Room, nachdem in einem Vorraum Feuer ausgebrochen war. Die Jugendlichen konnten nicht flüchten, weil die Tür abgeschlossen und die Fenster vernagelt gewesen sein sollen.

„Das ist bei uns unvorstellbar. Wir schließen keine Türen ab!“, betont Matthias Link, der zusammen mit seiner Schwester Maria und Stefanie Kaib den Escape Room „The Key“ in Marburg betreibt, beim OP-Besuch. „Jeder Spieler kann zu jeder Zeit den Raum verlassen“, ergänzt Stefanie Kaib, die auch nochmal auf die Fluchtweg-Schilder über der Tür der Abenteuerräume hinweist. Zudem habe jeder der beiden Spielräume noch einen zweiten Fluchtweg.

Die Fenster sind zwar abgedeckt, können aber jederzeit zum Verlassen genutzt werden, da sich „The Key“ im Erdgeschoss befindet. „Und selbstverständlich hängen überall Feuerlöscher und an den Decken Rauchmelder. Die Brandschutzabnahme war dementsprechend umfangreich“, sagt Matthias Link.

In Marburg sind die beiden Räume auch bei Weitem nicht so klein wie in Polen. Und es werden auch nicht die Türklinken abgebaut. Die Besucher werden von den Spielleitern, die in einem Extra-Raum sitzen, über Kameras beobachtet. „So können wir nicht nur im Katastrophenfall reagieren, sondern auch bei allen anderen Vorkommnissen“, erklärt Maria Link und fügt hinzu: „Normalerweise gibt der Spielleiter eigentlich nur Tipps, wenn die Spielgruppe nicht mehr weiter weiß.“

In den zwei Jahren des Bestehens habe es noch keinen Spieler gegeben, der zwischendurch abgebrochen hat. „Bei Leuten mit Platzangst hilft das Wissen, dass sie jederzeit den Raum verlassen können“, berichtet Stefanie Kaib, die auch noch einmal betont, „dass ein Escape Room nicht gefährlicher ist, als jeder andere öffentliche Raum.“

Im März 2017 eröffnete das Trio „The Key“ direkt am Bahnhof mit dem Abenteuerraum „Der Fluch des Ra“ (die OP berichtete). Nach einer etwas schleppenden aber kurzen Anlaufzeit wurde die Örtlichkeit gut angenommen. Im Juni vergangenen Jahres kam nun ein zweiter Raum hinzu: „Der Flug zum Mars.“ Matthias Link: „Wir sind gut gebucht, die beiden Räume sehr gut belegt.“

Nach einem Jahr kam der zweite Raum dazu

Entstanden aus Computerspielen gab es die ersten realen Räume etwa 2007 in Japan. In Europa schwappte die Welle als erstes 2011 nach Ungarn. Escape Rooms liegen nach wie vor im Trend, die Neugier auf eine Stunde Abenteuer ist immer noch groß. Das bestätigen auch die drei Marburger. „Es herrscht noch immer viel Potenzial nach oben“, sind sie sich sicher.

Etwa ein Jahr hat es gedauert, bis der zweite Raum zum Thema Raumfahrt fertig war. Neben dem normalen Betrieb hieß es Ideen sammeln und diese dann auch noch optisch und technisch ansprechend umzusetzen. Die „Geistesblitze“ gab es zu jeder Tages- und Nachtzeit und sie wurden notiert, bis das Gesamtkonzept stand.

Wenn sich die Luftschleuse öffnet und die Spieler an Bord des Raumschiffes „Dragonfly“ gehen, fühlt sich wohl jeder in einer anderen Welt. „Und genau das soll auch passieren“, beschreibt Maria Link. „Man taucht komplett in die Geschichte ein, wird ein aktiver Teil davon“, erklärt sie weiter. Bis zu sechs Besucher gleichzeitig können sich auf das Abenteuer einlassen und gemeinsam die Aufgaben lösen, damit sich die Tür wieder öffnet, die ja sowieso nicht abgeschlossen ist. „Hier arbeiten wir natürlich mit der Optik“, zeigt Matthias Link auf das Leuchtschild über der Tür auf dem „Locked“ steht, wenn diese geschlossen ist. Findet die Gruppe den Schlüssel und steckt diesen ins Lesegerät erscheint dort „Unlocked“ in grüner Farbe.

Maria Link (von links), Stefanie Kaib und Matthias Link betreiben in Marburg den Escape Room „The Key“. Im Juni 2018 eröffneten sie einen zweiten Abenteuerraum – Titel: „Der Flug zum Mars“ (links). Foto: Tobias Kunz

Mit viel Liebe zum Detail und wirklich schwierigen Aufgaben hat das Trio seiner Phantasie freien Lauf gelassen. „Ja, er ist schon anspruchsvoll“, sagt Maria Link lachend, die auch als Spielleiterin fungiert. „Die Gruppe muss zusammen arbeiten und gut miteinander kommunizieren“, gibt sie einen Tipp, damit der Zeitdruck nicht zum Hindernis wird.

Denn nach einer Stunde wird die Luftschleuse vom Spielleiter wieder geöffnet. Aber das wäre bisher noch nicht vorgekommen. Durch die Hilfen während des Abenteuers hätten bisher noch alle Gruppen die Aufgaben lösen können.

Erstaunlich für die Drei war auch, als sie merkten, dass ihre Räume auch generationsübergreifend funktionieren. Vor allem Familien mit jugendlichen Kindern finden über die Kommunikation oftmals einen neuen Draht zueinander. „Genial zu sehen, wie jugendliche Skepsis auf einmal in Familien-Teamwork umschlägt und alle begeistert bei der Sache sind“, sagt Maria Link. Gleiches hätten sie auch schon bei Firmen- und Abteilungsbesuchen erlebt.     

von Katja Peters