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Marburg „Wir hoffen, dass das hier nicht passiert“
Marburg „Wir hoffen, dass das hier nicht passiert“
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00:18 21.02.2020
Sahili El Khalil raucht in einer Bar in der Biegenstraße Shisha. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Der Rauch von der vergangenen Nacht hat sich in der Marburger Shisha-Bar „Keine Ahnung“ am Donnerstag bereits verzogen. Momentan ist gerade nicht so viel los. Denn nur Chef Abdul Nasser Nasrat und sein Sohn Mourad sind in den frühen Nachmittagsstunden in der Bar anwesend.

Schließlich beginnt üblicherweise die „Hochsaison“ in den Shisha-Bars erst gegen Abend. Also dauert es noch eine Weile, bis sich die Gäste in den gemütlichen Sesseln niederlassen. Doch im Gespräch mit der OP zeigten sich beide sehr betroffen von den Vorkommnissen in Hanau, bei denen es durch den Amoklauf am späten Mittwochabend auch mehrere Tote in einer Shisha-Bar zu beklagen gab.

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Sicherheit in Marburg

„Unser Beileid gehört den Familien der Getöteten. Wir hoffen, dass sie Kraft finden, das Geschehene zu verarbeiten“, sagte er. Der Betreiber der Shisha-Bar hatte am Donnertagsmorgen die Nachricht von dem Amoklauf erhalten und war noch sichtlich schockiert von dem Geschehen, das bundesweite Schlagzeilen machte. „So etwas kann jederzeit passieren, und wir müssen natürlich auch jetzt hier ein bisschen aufpassen. Aber wir hoffen, dass das hier nicht passiert“, sagt Abdul Nasser Nasrat.

Immerhin liege Hanau gar nicht so weit weg von Marburg. Doch trotz aller gebotenen Vorsicht ist er sich eigentlich sicher, dass etwas Vergleichbares in Marburg nicht passieren wird.

„In Marburg gibt es genügend Sicherheit“, sagt der Bar-Betreiber und dankt in diesem Zusammenhang ausdrücklich der Polizei. Zudem sei es auch so, dass die Kunden in der Shisha-Bar so etwas wie eine kleine Familie seien. In der Studentenstadt Marburg gehöre eine bunte, internationale Mischung von Menschen zu den regelmäßigen Gästen. Zudem weise vieles darauf hin, dass die Tat in Hanau nach allem, was man bisher wisse, die Tat eines verwirrten Einzeltäters sei.

Fassungslosigkeit nach Bluttat

Auch in der Basim Shisha Lounge in der ­Biegenstraße herrscht einen Tag nach der Bluttat Fassunglosigkeit. An einem Tisch sitzt Elkhalil Sahili und raucht Shisha. Der junge Sozialarbeiter hat extra den Fensterplatz gewählt, um die Straße beobachten zu können.

„Es fühlt sich völlig anders an heute. Es ist ein sehr ungutes Gefühl zu wissen, dass so einer jederzeit auch hier reinkommen und um sich schießen könnte“, sagt der Marburger mit marokkanischen Wurzeln. Er macht sich große Sorgen über den steigenden Rassismus. „Das merkt man überall in der Gesellschaft. Auch auf dem Fußballplatz zum Beispiel. Das ist schon beunruhigend.“

von Manfred Hitzeroth und Nadine Weigel

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