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Marburg Hohe Hürden für Heimbesuch bleiben bestehen
Marburg Hohe Hürden für Heimbesuch bleiben bestehen
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15:56 22.09.2020
Eine ältere Frau sitzt in einem Pflegeheim in ihrem Rollstuhl vor einem Tisch und wartet auf Besuch. Quelle: Marcel Kusch/dpa/Themenfoto
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Marburg

Gute Nachrichten für Senioren und Angehörige: Das Land Hessen hat die Beschränkungen für Besuche in Alten- und Pflegeheimen aufgehoben. Ab dem 29. September soll es keine verbindlichen Vorgaben des Landes mehr zu Dauer und Anzahl der Besuche geben.

Das teilten Staatskanzlei und Sozialministerium mit. Schutzkonzepte und Hygienepläne der Einrichtungen gilt es aber weiterhin zu beachten. Und vollkommen offen stehen die Einrichtungen den Besuchern auch ab nächster Woche noch nicht, wie Altenhilfeträger im Kreis berichten.

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Aktuell gilt noch immer das eingeschränkte Besuchsrecht für Altenheime und Pflegeeinrichtungen zum Schutz besonders gefährdeter Gruppen. Dort waren während der strikten Lockdown-Phase erst gar keine Besuche gestattet, später folgten Lockerungen.

Im Moment dürfen Bewohner in voll- oder teilstationären Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung älterer, behinderter oder pflegebedürftiger Menschen nur drei Mal pro Woche Besuch empfangen – zumindest innerhalb des Gebäudes. Das ist für viele Familien seit Monaten nur schwer zu ertragen.

Besuche weiterhin nur nach Anmeldung

Nun hebt Hessen die Besuchsbeschränkungen auf. Wird dann ab kommender Woche alles wie zur Zeit vor Corona und sind spontane Besuche am Tag jederzeit möglich? Nein, denn strenge Hygieneauflagen gelten weiterhin und damit auch eine maximale Begrenzung von Besuchern im Gebäude, Datenerfassung, Maskenpflicht. Für die Alten-Pflegeheime bedeutet die Neuregelung, ihre Hygienekonzepte anzupassen, eine Balance zu finden zwischen Infektionsschutzverordnungen und Freiheitsrechten der Senioren und Pflegebedürftigen.

„Ich freue mich darüber, dass die Bewohner wieder mehr Entscheidungsgewalt haben, aber die neuen Regeln bedeuten nicht, dass die Einrichtungen wieder vollkommen offen sind. Wir müssen das irgendwie händeln, aber auch unsere Bewohner schützen“, sagt Oliver Pappert, Geschäftsbereichsleiter Stationäre Altenhilfe beim St.-Elisabeth-Verein Marburg.

Ein Besucher pro Etage

Das bedeutet: Es gibt auch nach dem 29. September weiterhin feste Besuchszeiten, vor einem Besuch im Pflegeheim muss ein Termin vereinbart werden. Die Besucher müssen sich bei Ankunft desinfizieren, werden von den Mitarbeitern eingewiesen und zum Zimmer des Angehörigen begleitet. Zudem müssen Gäste einen Mund-Nase-Schutz und einen Einmalkittel tragen, beides stellen die Heime bereit. Im Zimmer des Bewohners könne die Maske abgenommen werden, sofern die Abstandsregel eingehalten wird.

Wie viele Personen von Außen sich zur selben Zeit im Haus aufhalten dürfen, sei von der Größe abhängig. „Wir können pro Etage einen Besucher zulassen“, sagt Pappert. Für das Pflegeheim in Wetter mit drei Etagen, wo 54 Bewohner leben, wären etwa drei Besuchstermine mit jeweils drei Angehörigen am Vormittag und drei Termine, ebenfalls mit jeweils drei Gästen, am Nachmittag vorstellbar, gibt Pappert ein Beispiel. Eine genaue Vorgabe stehe noch aus.

Alternativ können sich die Angehörigen auch weiter draußen oder in einer beheizbaren Gartenhütte treffen. Komplizierter könne es werden, die Vorgaben Kindern zu vermitteln. „Wie wir das machen, müssen wir noch entscheiden.“ Senioren in den Heimen dürfte die zusätzliche Freiheit freuen, andere könnten sich auch dagegen entscheiden. „Viele Bewohner haben Angst, sich anzustecken und regeln das selber mit den Angehörigen. Andere freuen sich darauf, wieder mehr Besuch in ihren Zimmern empfangen zu können“, berichtet Pappert.

Heime rechnen nicht mit Besucherandrang

Mit einem plötzlichen Besucheransturm ab Dienstag kommende Woche rechnen auch andere Einrichtungen indes nicht. Dennoch: „Die Größenordnung will natürlich bewältigt werden, wir wollen aber den Bewohnern so viel Besuch wie machbar ermöglichen“, berichtet auf Nachfrage Jörg Kempf, Geschäftsführer der Marburger Altenhilfe St. Jakob. Auch dort werden Besucher nach Voranmeldung und Etagenanzahl zugelassen, die Maskenpflicht gelte im gesamten Haus.

Neben einem Besuch außerhalb oder im Zimmer, stünden zudem extra eingerichtete, abtrennbare Besucherräume zur Verfügung. Mit den bisherigen Beschränkungen sei man gut zurechtgekommen, Bewohner wie Besucher hielten sich an die Auflagen, „die Angehörigen haben zu einem ganz großen Teil Verständnis dafür“, lobt Kempf. Die Neuregelung bedeute aber auch mehr Aufwand für die Mitarbeiter und es wächst die Sorge um das Ansteckungsrisiko in den Heimen, „es bleibt immer ein Spagat“.

Der DRK Kreisverband Marburg-Biedenkopf nimmt zu den Änderungen der Besuchsregelungen in den beiden DRK-Seniorenzentren noch nicht Stellung, da die Verordnung erst in einer Woche in Kraft tritt und sich darüber derzeit intern abgestimmt wird. „Bis dahin bleibt es bei unserer bisherigen Besucherregelung“, teilt der Verband mit.

Von Ina Tannert

22.09.2020
22.09.2020