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Marburg Emma sucht nach vermissten Menschen
Marburg Emma sucht nach vermissten Menschen
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07:57 16.07.2020
Ina Bamberger (links) und Ulrike Hinterberger mit „Mantrailer“ Emma. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Völlig entspannt läuft Emma über den Parkplatz. Sie trägt ein Halsband, auf dem eine Mobilfunknummer steht. „Das ist meine. Falls sie doch mal abhanden kommt“, sagt Ulrike Hinterberger lachend. Denn dass Emma wegläuft, ist eigentlich so gut wie ausgeschlossen.

Die fünfjährige Hündin der Rasse bayerischer Gebirgsschweißhund ist ein speziell ausgebildeter Personensuchhund, im Fachjargon auch Mantrailer genannt. Sie wird eingesetzt, wenn nach Vermissten gesucht wird.

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„Emma sucht im Einsatz eine einzige Person. Sie verfolgt den Individualgeruch“, erklärt Ulrike Hinterberger, die die Hündin mit acht Wochen vom Züchter geholt hat und sie seitdem unter anderem bei der Hundestaffel ausbildet.

Neben den Mantrailern gibt es dort auch noch die Flächensuchhunde, wie beispielsweise Fenja, ein Harzer Fuchs. Die werden eingesetzt, wenn nicht klar ist, wie viele Personen sich in dem meist unwegbaren Gelände befinden. „Sie suchen einfach nach menschlichem Geruch“, sagt Ina Bamberger, Fenjas Besitzerin und Staffelleiterin in Marburg.

Verschiedene Opferbilder

Wenn ihre Hündin ein Opfer gefunden hat, dann fängt sie an zu bellen und zeigt damit den Ort an, wo die Person liegt, sitzt oder steht. „Wir prägen die Hunde mit verschiedenen Opferbildern. Im schlimmsten Fall müssen sie auch eine hängende Person anzeigen“, erklärt Ina Bamberger. 20 Hund-Mensch-Teams treffen sich zweimal wöchentlich bei den Trainings der DRK-Hundestaffel.

Sechs von ihnen sind einsatzfähig, alle anderen in Ausbildung. Die Prüfung muss in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, damit die Tiere bei offiziellen Suchen eingesetzt werden dürfen. Emma soll bald eine Tauglichkeitsprüfung für die Polizei ablegen, damit sie auch als Einzelhund geordert werden kann. Im Moment rückt immer die gesamte Staffel aus, auch wenn beispielsweise nur der Mantrailer gebraucht wird.

Emma trägt mittlerweile ihr Geschirr. Es ist leuchtend gelb, genauso wie die lange Leine, die Ulrike Hinterberger mit einem Karabinerhaken angehängt hat. Sie öffnet ein Döschen und Emma leckt die Leberwurst mit ihrer Zunge heraus. „Das ist wie ein Ritual“, sagt ihre Hundeführerin. Dann nimmt sie die Hündin zwischen die Beine. Für Emma ein eindeutiges Signal. Sie verharrt ganz ruhig, als wenn sie sich voll und ganz konzentriert.

Ulrike Hinterberger zieht eine Tüte aus einer ihrer Hosentaschen. Sie öffnet diese direkt vor der Schnauze von Emma und legt diese sanft um den Fang. Man kann richtig sehen, wie die Hündin ein- und ausatmet, die Tüte bewegt sich. „Scenten nennt sich dieser Prozess. Ich präsentiere ihr die Geruchspartikel, nach denen sie suchen soll“, erklärt die Ausbilderin.

Es muss etwas vom Opfer sein – ein Pulli, ein Haar, manchmal reicht es schon, wenn in die Tüte gepustet wurde. In diesem Fall ist es ein Taschentuch von Ina Bamberger. Emma läuft los, die Nase trägt sie hoch. Neben dem Parkplatz steht eine Gruppe von Männern. Sie läuft hin, checkt aber innerhalb kürzester Zeit, dass das Opfer dort nicht ist. Sie läuft weiter.

Belohnung für die Arbeit

Ulrike Hinterberger immer an der langen strammen Leine hinterher. Emma orientiert sich, wo der Geruch am stärksten ist. „Das muss nicht zwangsläufig genau da sein, wo der gesuchte Mensch auch langgegangen ist“, erklärt die Hundeführerin. „Der Wind, die örtlichen Gegebenheiten spielen da eine große Rolle“, ergänzt sie noch. Emma quert die Straße, zum Glück kommt kein Auto.

Und wenn würde es Emma nicht aus der Fassung bringen. Auf der anderen Straßenseite am Giebel eines Hauses hinter einer Hecke hat sich Ina Bamberger versteckt. Emma verharrt kurz, ehe wieder ein Döschen mit Leberwurst aufgeht. Ihre Belohnung für die gelungene Arbeit. „Die meisten Einsätze gehen ohne Fund aus. Damit muss man auch klar kommen“, sagt Ulrike Hinterberger, die erst kürzlich einen Einsatz in Kirchhain hatte, ohne Erfolg.

Von Katja Peters

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