Es wurde schon dunkel, als die Demonstranten in der Biegenstraße gegen 22 Uhr aufmarschierten. Der Demonstrationszug führte am Montag von der ehemaligen Augenklinik bis in die Oberstadt. Die Demonstranten machten in Sprechchören ihrem Unmut über die Räumung der ehemaligen Uni-Augenklinik Luft. Während der nächtlichen Demonstration zündeten sie auch Bengalos in der Oberstadt und warfen Feuerwerkskörper, wodurch eine Person auch ein Knalltrauma erlitt.
Wegen der Räumung verlegte die Initiative „Recht auf Stadt Marburg“ gestern kurzerhand zwei Vorträge zu den Themen Sexarbeit und Neoliberale Stadt auf den Marktplatz.Unterdessen meldete sich in Sachen auch die „Marburger Linke“ zu Wort: Stadtparlamentarier Jan Schalauske, der die Geschehnisse rund um die Besetzung und die Räume zeitweise auch vor Ort verfolgt hatte, kritisierte in einer Pressemitteilung das „harte Vorgehen der Universitätsleitung gegen friedliche Aktivisten“ und empfand die fehlende Anwesenheit von Mitgliedern des Magistrats als „grob fahrlässig“. Es erscheine ihm, als hätten die Verantwortlichen nur einen Vorwand gesucht, um die Besetzung mit polizeilichen Mittel zu verhindern.
Schalauske: Der Magistrat hätte vermitteln müssen
Zudem meint Schalauske: „Der Magistrat hätte vermitteln müssen, um eine polizeiliche Räumung zu verhindern“. Die durch Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne veranlasste Räumung habe einen Schaden für den notwendigen Dialogprozess in Sachen Wohnraummangel mit sich gebracht.
Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), den die Besetzer zu kontaktieren versuchten, befindet sich momentan im Urlaub. Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) sagte auf OP-Anfrage, dass sein Sekretariat telefonisch am Montag gegen Mittag die Bitte um ein Gespräch von seiten der Besetzer erhalten habe, als er gerade selber einen Gesprächstermin gehabt habe. Bei seinem Rückruf habe er nur noch auf eine Mobilbox sprechen können. Im übrigen meinte Kahle, dass der Magistrat nicht immer der Oberschiedsrichter sei, der sich überall einmischen werde.
Die Uni-Leitung hat übrigens mittlerweile gegen die 14 Besetzer, die sich durch die Polizei aus dem Gebäude hinaustragen ließen, Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt. Dies erläuterte Uni-Pressesprecherin Dr. Susanne Igler auf Anfrage der OP.
Auf Anfrage der OP sagte Igler auch, dass der Runde Tisch zum Thema „Wohnungspolitik“ zuletzt Ende April in großer Runde getagt habe. Derzeit würden die bei diesem Treffen verteilten Aufgaben abgearbeitet.
von Manfred Hitzeroth