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Marburg Berufspendler bleiben auf der Strecke
Marburg Berufspendler bleiben auf der Strecke
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00:18 29.10.2018
ICEs halten ab Dezember auch in Marburg.  Quelle: Boris Roessler
Marburg

Ab dem 9. Dezember können Studierende aus Marburg über das Semesterticket auch per ICE zwischen Kassel und Heidelberg fahren – diese Anpassung des bisherigen IC/EC-Vertrages hatte der AStA mit der Bahn ausgehandelt (die OP berichtete).

Die neue Regelung stößt bei Studierenden auf Begeisterung. „Das ist doch toll, gerade der ICE ist im Vergleich sehr teuer für Normalfahrende – es ist ein Luxus für Studenten, viele wissen gar nicht zu schätzen, was sie für Leistungen bekommen“, lobt Daria Bugla auf Nachfrage der OP.

Recht großes Gebiet abgedeckt

Die anstehende Preissteigerung des Fernverkehrsanteils im Semesterticket – ab dem Sommersemester 6,50 Euro, ab Wintersemester 2019/20 dann 7,50 Euro mehr – falle weniger ins Gewicht. „Das ist schon okay, eine gute Sache und das bei einem recht großen Gebiet, das von dem Ticket abgedeckt wird“, findet Yong-Ling Wong, auch wenn sie sich ­eine Ausweitung nach NRW wünschen würde.

„Es ist auf jeden Fall eine Verbesserung“, sagt auch Biologiestudent Florim Hrasniqi. Er studierte zuvor in Gießen, sieht für Marburg deutlich mehr Vergünstigungen, die sich nun 
­erweitert hätten.

Dies erhöhe­ nicht nur die Mobilität, sondern erleichtere auch den Kontakt zwischen verschiedenen Universitäten: „Die Studenten­ besuchen sich gegenseitig und tauschen sich aus“, erzählt der 20-Jährige. Dass die Verhandlungen für den Streckenabschnitt Göttingen-Kassel scheiterten, findet er zwar schade, „aber okay – man kann nicht alles haben“.

Berufspendlern mangelt 
es an Alternativen

Hintergrund: Die Deutsche Bahn stellt die bisherige IC-Linie 26 zwischen Hamburg und Karlsruhe ab Dezember zum Teil auf ICE-T um. Der ICE-Anschluss für Marburg stieß bereits auf gemischte Gefühle – während sich der eine Bahnfahrer freut, bemängelt der andere gestiegene Preise bei ­
vermeintlich gleichem Service.

Die Einbeziehung der ICE in das Semesterticket halten auch die meisten Berufs-Bahnfahrer und Nicht-Studenten für sinnvoll, sehen sich dabei aber übergangen. „Die Pendler gehen wieder leer aus“, schreibt etwa eine Nutzerin in den sozialen Netzwerken.

Andere Betroffene weisen darauf hin, dass die Pendler, die den vollen Preis zahlen, damit die Vergünstigung für Studierende erst ermöglichen würden. Die Rabatte des sogenannten Job-Tickets stünden dabei in keinem Verhältnis, kritisiert ein anderer Leser.

Kritik an einseitiger Umstellung der Strecke

Viele gönnen den Studierenden den Bonus, bemängeln dabei jedoch eine einseitige Umstellung der Strecke von IC auf ICE samt Kostenzuwachs: Für Pendler würden „einfach nur die Kosten erhöht, während die Fahrtzeit exakt gleich bleibt“, kritisiert eine weitere Nutzerin.

Darüber hinaus würden Alternativen der teureren Züge eingeschränkt. „Für mich wird es nur dann doof, wenn ich gezwungen bin, den ICE zu nutzen, weil auf meiner Strecke kein IC mehr fährt“, sagt die Userin weiter. Ein weiterer Leser hofft für die Zukunft: „Es sollte auch eine Lösung für Pendlerinnen und Pendler geben“.  von Ina Tannert