Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Berühmten Apothekern auf der Spur
Marburg Berühmten Apothekern auf der Spur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:59 12.08.2021
Der Marburger Pharmaziehistoriker Professor Christoph Friedrich.
Der Marburger Pharmaziehistoriker Professor Christoph Friedrich. Quelle: Manfred Hitzeroth
Anzeige
Marburg

Der Apotheker Georg Wilhelm Neubronner aus Kronberg im Taunus (1813–1894) ist der Erfinder einer Brieftauben-Rezept-Post. Dabei konnten Ärzte einen Durchschlag ihres Rezeptes direkt per Brieftaube in die Apotheke schicken, wo dann möglichst schnell das Arzneimittel für ihren Patienten hergestellt wurde. Neubronners Berufskollege Samuel Peter Kleinschmidt (1814–1886) gilt als Begründer der grönländischen Schriftsprache und übersetzte beispielsweise die Bibel ins Grönländische. Neben diesen beiden „Exoten“ sind auch die Lebensläufe von weiteren berühmten Vertretern des Apothekerstandes in einer jetzt neu erschienenen Publikation nachzulesen.

Die Biographien von 541 deutschsprachigen Apothekern finden sich im nun erschienenen und aus zwei Teilen bestehenden Ergänzungsband der Deutschen Apotheker-Biographie, einem Standardnachschlagewerk, das in jeder größeren Bibliothek vorhanden ist. Es sind die Lebensläufe von berühmten Vertretern des Apothekerberufs, erläutert der Marburger Pharmaziehistoriker Professor Christoph Friedrich. Er ist seit rund zehn Jahren maßgeblich an der Erstellung des Nachschlagewerks beteiligt, dessen Entstehung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft von 2016 bis 2021 gefördert wurde. Es dient vor allem als wichtiges Arbeitsmittel für künftige Forschungen in der Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte.

Auswahlkriterien

Aufgenommen in die „DAB“ werden übrigens nur verstorbene Apotheker. Zweites Hauptkriterium ist, dass sie über die normale Berufstätigkeit hinaus etwas Besonderes in ihrem Leben geleistet haben. So werden die Lebenswege zahlreicher Apotheker nachgezeichnet, die sich auf wissenschaftlichem Gebiet betätigt haben – entweder in einem pharmazeutischen Fach oder auch in anderen naturwissenschaftlichen Fächern. Auch Apotheker, die sich in der Standespolitik oder in der Pharmaindustrie besonders engagiert haben, sind in dem Werk aufgenommen. Sogar in die Kommunal- und Landespolitik zog es eine signifikante Anzahl von Apothekern.

Besonders interessant für die Nicht-Pharmazeuten sind aber auch die Apotheker, die sich nebenher oder sogar hauptamtlich auf künstlerischem Gebiet betätigt haben, wie der Goethe-Forscher Wilhelm Alfred Speck. Berühmteste Beispiele sind der Schriftsteller Theodor Fontane oder der Maler Carl Spitzweg, über die als herausragende Künstler allerdings bereits in vorangegangenen Bänden der Deutschen Apotheker-Biographie geschrieben wurde.

Erhöhung des Frauenanteils

Ziel der Herausgeber war es, im Ergänzungsband auch den Frauenanteil zu erhöhen. „Der Frauenanteil steigt, er ist aber immer noch sehr bescheiden“, weiß Professor Friedrich. Immerhin 32 Namen von Apothekerinnen sind dieses Mal zusammengekommen. Dazu zählt auch die Professorin Elsa Ullmann (1911–2010), herausragende Vertreterin des Fachs Pharmazeutische Technologie.

Christoph Friedrich, Peter Hartwig Graepel, Johannes Müller, Ariane Retzar: Deutsche Apotheker-Biographie, Ergänzungsband III, Bundle Teil 1 und 2, 656 Seiten plus 106 Seiten. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2021; Gesamtindex, 49,90 Euro.

Von Manfred Hitzeroth