Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Bernshausen sieht mehr Chancen im Wohnungsbau
Marburg Bernshausen sieht mehr Chancen im Wohnungsbau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:58 23.03.2021
Im Wahltalk bei der Oberhessischen Presse zur Oberbürgermeisterwahl in Marburg äußerten sich Nadine Bernshausen (Grüne) und Dr. Thomas Spies (SPD) zum Thema Wohnungsbau.
Im Wahltalk bei der Oberhessischen Presse zur Oberbürgermeisterwahl in Marburg äußerten sich Nadine Bernshausen (Grüne) und Dr. Thomas Spies (SPD) zum Thema Wohnungsbau. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Im Wahltalk der Oberhessischen Presse zur Stichwahl, der nach wie vor auf www.op-marburg.de/talk anzuschauen ist, äußerten sich sowohl Dr. Spies wie auch Bernshausen optimistisch. Spies (33,9 Prozent im ersten Wahlgang) sieht sich bestätigt in seiner Auffassung, er sei Oberbürgermeister aller Marburger: Immerhin hat Spies 50 Prozent mehr Zustimmung erhalten als seine Partei, die SPD (23,5 Prozent), bei den gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahlen.

Nadine Bernshausen gestand, dass ihre Gefühle am Wahlabend eine „Achterbahnfahrt“ unternommen hätten, ehe feststand, dass sie den Christdemokraten Dirk Bamberger abgehängt hatte und in die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt eingezogen war.

Wohnungsbau: Wie ist die Leistungsbilanz der Stadt?

66 Prozent der Wählerinnen und Wähler hätten sich bei der OB-Wahl gegen ein „Weiter so“ ausgesprochen – das gebe ihr Hoffnung für den entscheidenden Wahlkampf am kommenden Sonntag. Was Spies sich zugute hält: „Die Wählerinnen und Wähler haben mehr die Person als die politische Farbe gewählt“. und: „Ich habe in den vergangenen fünf Jahren gezeigt, dass ich die Stadt zusammenbringe und zusammenhalte.“.

Bernshausen hingegen warb für ihre Wahl mit den Worten: „Man muss auch umsetzen, was man vertritt“ – und spielte damit auf den Klimaaktionsplan an, den das Parlament gegen die Stimmen der FDP, bei Enthaltung der Grünen und mit Zustimmung aller anderen Fraktionen geschlossen hatte. „Wir müssen anerkennen, dass CO2 emittiert wird“, sagte die Grüne. Hauptursache seien die Gebäude, vor allem die privat genutzten Gebäude. Hier gebe es zwar Anreizprogramme für eine bessere Dämmung, aber die Förderung sei eher „willkürlich“, die Programme müssten gezielter sein. Hier bedürfe es auch einer besseren Beratung. Immerhin gehe es um hohe Summen, die bereit liegen.

Spies wehrte sich gegen die Gleichung „Wohnraum bedeutet mehr Versiegelung“: Brauchwassernutzung, Solaranlagen, öffentliche Freiräume, Fernwärme oder CO2-neutrale Heizungen seien Möglichkeiten, Emissionen zu verringern, auch wenn neuer, dringend benötigter Wohnraum entsteht. Diese Anforderungen könne man in Bebauungsplänen formulieren –noch einfacher wäre es eigentlich, wenn der zu bebauende Grund der Stadt selbst gehört.

Wie ist die Leistungsbilanz bezüglich des Baus neuer, preisgünstiger Wohnungen. Spies spricht von 2 000 Wohnungen, die in seiner Amtszeit entstanden seien, allerdings sei der Löwenanteil von privaten Bauherren erstellt worden, wie er einräumte.

Das werde sich aber ändern, die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobau werde in den nächsten drei Jahren 50 Millionen Euro für den Bau neuer Wohnungen ausgeben.

Bernshausen griff an diesem Punkt den OB frontal an: Nur 12 Sozialwohnungen durch öffentliche Träger seien in dessen Amtszeit gebaut worden, Wohnungsbaugesellschaften des Landes seien in Planungen nicht einbezogen worden.

Insbesondere die GWH, die über viel Grund und Boden am Richtsberg verfügt, habe ihre Zusagen zurückgezogen (nach heftigem Protest von Mieterinnen und Mietern gegen mutmaßlich drohende Nebenkosten-Erhöhungen nach Modernisierung der Heizungsanlagen). „Die Stadt hat Lenkungsmechanismen, die man hätte ziehen können“, sagte sie. Die Wohnungsnot habe sich verschärft, die Durchmischung der Quartiere sei nicht gelungen. Die Stadtregierung habe häufig „zurückgeholt“, was sie vorher angekündigt habe.

Bernshausen ist sich mit Spies einig, die Möglichkeiten des Klimaschutzes auch beim Wohnungsbau auszunutzen. Das viel diskutierte „Eigenheim im Grünen“ ist für sie – anders als für Parteifreunde andernorts – kein Schreckgespenst. „Es geht nicht darum, Menschen von ihren Lebensentwürfen abzuhalten.“

Von Till Conrad

Hier geht's zum Video vom OP-Wahltalk:

23.03.2021
Marburg Straßensperrung - Straßensperrung in Cappel
23.03.2021
Marburg Beratungs- und Berufsorientierungsangebote - Berufshilfe unterstützt 14- bis 26-Jährige
23.03.2021