Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Beigefreiter erfüllt Job des Ortsvorstehers
Marburg Beigefreiter erfüllt Job des Ortsvorstehers
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:58 29.01.2021
Jan von Ploetz ist Ortsvorsteher des Marburger Stadtteils Elnhausen.
Jan von Ploetz ist Ortsvorsteher des Marburger Stadtteils Elnhausen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
Anzeige
Elnhausen

Fast 1 200 Einwohner zählt Elnhausen und hat mit einem von diesen eine Besonderheit unter den Marburger Stadtteilen aufzuweisen: Der erste Bürger des Ortes, der Ortsvorsteher, trägt ein „von“ im Namen. Von ihrem Regenten würden Nostalgiker sprechen, doch Jan von Ploetz ist der Namenszusatz nicht wichtig, und er meint: „Nur die Österreicher stehen noch auf Adelstitel.“

Er weiß, wo seine Ahnen ihren Sitz hatten, nämlich nordöstlich von Berlin, zur Welt kam er jedoch in Wattenscheid, wuchs in Städten wie Hannover, München oder Karlsruhe auf, bevor er zum Studium in Marburg landete. Hier praktiziert er in seiner eigenen Kanzlei als Rechtsanwalt und ist im Nebenjob als Ortsvorsteher von Elnhausen tätig.

Den Stadtteil suchte der heute 50-Jährige seit Anfang der 1990er-Jahre vermehrt auf, um seine Freundin zu besuchen. Mittlerweile ist er als Beigefreiter nicht nur im Ort integriert, sondern seit November 2013 auch zum Ortsvorsteher erkoren. Schon zuvor wirkte der Jurist sieben Jahre im Ortsbeirat mit, trat dann einer Absprache folgend mitten in der Wahlperiode die Nachfolge von Reinhold Becker an.

Als Kommunalpolitiker freute sich von Ploetz über die Chance, eine „interessante Position einzunehmen“, die ihm die Möglichkeit gibt, „mitzureden und mitzugestalten“. Zudem passt die Aufgabe, die Interessen anderer zu vertreten, zu seinem Beruf, findet er. Dieser ermöglicht es ihm auch, seine Zeit flexibel einzuteilen.

Flexibel muss der 50-Jährige nicht nur beim Vereinbaren von Terminen mit Behördenvertretern, sondern auch mit seinen Mitmenschen sein. Nicht nur jetzt, wo die regelmäßigen Sprechstunden wegen der Corona-Pandemie ausfallen, rufen die Elnhäuser fast zu jeder Tageszeit bei von Ploetz an. Ist er nicht erreichbar, ruft der Ortsvorsteher zurück, kümmert sich um deren Angelegenheiten.

Im Gegensatz zu früher ist es nicht mehr viel, was ein Ortsvorsteher der Außenstadtteile als Leiter der Verwaltungsstelle noch selbst erledigen kann. Einfache Beglaubigungen oder Lebensbestätigungen für Ruheständler, die ihre Rente aus dem Ausland beziehen, führt von Ploetz als Beispiele auf. Denn was früher noch als Anträge im Dienstzimmer des Ortsvorstehers vorrätig war, kann oder muss heutzutage auf digitalem Wege erledigt werden. Eine seiner „Hauptaufgaben“, das Verteilen der Gelben Säcke, entfällt demnächst mit dem Aufstellen von Gelben Tonnen auch.

So konzentriert sich die Aufgabe der Ortsvorsteher mehr und mehr darauf, „als verlängerter Arm des Magistrats der Vermittler zur Zivilgesellschaft zu sein“. Manchmal kann von Ploetz diese Aufgabe alleine erfüllen; handelt es sich um Anträge aus der Stadtverordnetenversammlung, ist der ganze Ortsbeirat gefragt. Der zählt in Elnhausen sieben Mitglieder, was nach der Kommunalwahl wieder so sein soll; dann allerdings nicht aus den Listen von Bürgerliste und SPD gebildet, sondern aus einer Einheitsliste heraus.

Sollte von Ploetz dann erneut zum Ortsvorsteher bestimmt werden, wünscht er sich, bald wieder Hausbesuche bei runden Geburtstagen oder Jubiläen wie vor der Corona-Zeit machen zu können. Die bezeichnet der Jurist als „sehr schön“, erfahre er in den Gesprächen doch auch etwas über die Wünsche seiner Mitbürger.

Von Gianfranco Fain

Marburg Tag des Blindenhunds - Liebe auf das erste „Wuff“
29.01.2021
28.01.2021
28.01.2021