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Marburg Behring-Standort: Michelbach hat Bedenken
Marburg Behring-Standort: Michelbach hat Bedenken
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20:00 28.05.2020
Um eine zuverlässige Trinkwasserversorgung für den Standort Behring sicherzustellen, baut Pharmaserv im Wald oberhalb von Görzhausen zwei Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von jeweils 5  000 Kubikmeter. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Der Ortsbeirat Michelbach hat erhebliche Bedenken gegen den „Masterplan Behringwerke“, der eigentlich am Freitag (22. Mai) im Parlament verabschiedet wurde. Der Magistrat zog die Vorlage kurz vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zurück; sie soll wohl überarbeitet und dann vor der Sommerpause darüber noch einmal im Parlament abgestimmt werden.

Eine „Absichtserklärung“ der Stadt für die Entwicklung des Behring-Geländes sei der „Masterplan“, erklärte Ortsvorsteher Peter Aab (SPD) im Ortsbeirat. Der Entwurf des Masterplans bestätigt dies im Vorwort: „Weiteres Wachstum sowie eine Verdichtung auf den vorhandenen Flächen ist seitens der Standortunternehmen geplant, mit erwarteten Investitionen von annähernd einer Milliarde Euro in einem Zeitraum von etwa 5 Jahren.“ Es gehöre zu den wenigen Themen in der Kommunalpolitik, bei denen sich traditionell alle Fraktionen von Kreistag und Stadtverordnetenversammlung einig sind.

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Der Masterplan soll dazu dienen, der Stadt Marburg, der Region und den Standortunternehmen eine Entwicklungsperspektive zu geben.

Grundsätzlich befürwortet der Ortsbeirat Michelbach das Ansinnen, wohnortnahe, attraktive Arbeitsplätze zu schaffen. Er fordert aber einen permanenten Sitz im „Lenkungsausschuss Behring-Standort“, um nicht nur frühzeitig informiert zu werden (was bisher nicht geschehen sei), sondern auch um Einfluss zu nehmen.

Denn dies war bislang nicht der Fall, kritisierte Agnes Kaminski, Ortsbeiratsmitglied und Leiterin der Arbeitsgruppe „Görzhausen“, die aus einer Bürgerversammlung in Michelbach im November 2019 entstanden ist.
Beispiel: Im Wald oberhalb von Görzhausen gab es umfangreiche Rodungen, um Platz für zwei Wasser-Hochbehälter zu schaffen. Der Ortsbeirat wurde hierüber nicht informiert. „Wir müssen Alarm machen und Stellung beziehen“, sagte deswegen Ortsbeiratsmitglied Till Körner.

Im Zuge der Wasserversorgung für den Standort könnte durch die Einrichtung einer weiteren Wasserleitung in die Kernstadt eine Verbesserung der Trinkwasserqualität in Michelbach ermöglicht werden. Die Nitratbelastung des Michelbacher Trinkwassers liegt seit Jahren bei fast 50 mg/l. Das Wasser ist deswegen aus gesundheitlichen Gründen nicht für die Zubereitung von Babynahrung geeignet.

Im Zuge des Baus einer Abwasserleitung solle ein Radweg entlang der Trasse entstehen. Zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs durch Michelbach sollte die Anbindung der Parkplätze für die nicht ortsansässigen Mitarbeitenden und die Fremdfirmen ausschließlich über die Landesstraße Richtung Caldern ermöglicht werden. Der Ortsbeirat bemängelt zudem, dass es keine Verkehrszählung an der Verbindung Michelbach – Görzhäuser Hof gab.

Ein ganzheitliches Verkehrskonzept fehlt dem Ortsbeirat. Er fordert als Bausteine den Ausbau des Radwegenetzes und den Ausbau von Alternativen zum motorisierten Individualverkehr sowie konkrete Maßnahmen wie die Einführung einer Kurzstreckenfahrkarte, dauerhaft günstige Jobtickets oder die Verdichtung der Bustakte.

Eines der Hauptprobleme für den Ortsbeirat ist zudem eine fehlende Betrachtung der Auswirkung der Baumaßnahmen auf die Veränderung des Mikroklimas.

von Till Conrad

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