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Marburg Analoger Funk fehlt Behinderten
Marburg Analoger Funk fehlt Behinderten
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11:59 01.04.2020
Sascha Burk, Busfahrer bei den Stadtwerken Marburg, kann den alten Sprechfunk nicht mehr nutzen. Er ist abgeschaltet. Quelle: Stadtwerke Marburg
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Marburg

Warum ein „funktionierendes System zugunsten eines nicht funktionierenden System abgeschafft wurde, verstehe ich nicht.“ Das sagte Dr. Heinz Willi Bach in der Sitzung des Behindertenbeirates der Stadt Marburg vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie und meint damit die Abstellung des analogen Funkes in den Bussen der Stadtwerke Marburg. Der Fahrgastbeirat wollte über das Thema sprechen, sodass nun Wolfgang Otto von den Stadtwerken Rede und Antwort im Behindertenbeirat stehen musste.

Das Problem kurz zusammengefasst: Wenn beispielsweise ein gehbehinderter oder blinder Fahrgast von einem ankommenden Bus in einen Bus umsteigen möchte, der sich kurz vor der Abfahrt befindet, dann wurde das früher einfach per Funk kommuniziert und der Busfahrer wartete auf den Fahrgast. Nach Einstellung des analogen Funkes ist eine Kommunikation nur noch über die Leitstelle möglich und das dauert, so der Beirat, viel zu lange, so dass die Fahrer nicht rechtzeitig informiert werden können.

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Laut Wolfgang Otto von den Stadtwerken war die Umstellung notwendig geworden, „da die Zeit des analogen Funks endlich ist“ und dieser auch eigentlich nur dazu dienen sollte, um die Durchfahrt bei Ampel- und Schrankanlagen zu vereinfachen. Das wird mittlerweile anders geregelt, so dass einige Busfahrer „den Funk ausgenutzt haben“, berichtete er im Beirat von seinen Feststellungen. Mit der neuen Technik, die bereits vor drei Jahren eingeführt wurde, läuft nun sämtliche Kommunikation über die Leitstelle. „Und der Rufaufbau ist nur unwesentlich langsamer“, sagte Wolfgang Otto, der auch betonte: „Oberste Bedingung ist die Einhaltung des Fahrplans.“ Würde jeder Busfahrer eigenständig Entscheidungen diesbezüglich treffen, dann „läuft der Plan völlig aus dem Ruder, weil er ausgebremst wird.“ Denn die Fahrer würden sehr unterschiedlich agieren und mitunter falsche Entscheidungen treffen, was den Fahrplan betrifft.

Für Dr. Heinz Willi Bach waren das alles keine befriedigenden Antworten. „Diese technische Neuerung macht den Nahverkehr nicht attraktiv.“ Dabei erlebe er diesen an sich immer als sehr zuvorkommend. „Wenn man das politisch will, ist eine direkte Kommunikation möglich. Für mich sind fünf Sekunden Rufaufbau nicht effektiv.“ Er appellierte an den Vertreter der Stadtwerke: „Meine dringende Bitte an Sie, dieses alte funktionierende System nicht kaputt zu machen.“ Wolfgang Otto versprach, Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Von Katja Peters

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