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Marburg Wie hoch wird der neue „Richtsberg 88“?
Marburg Wie hoch wird der neue „Richtsberg 88“?
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20:25 09.06.2022
Baufeld Richtsberg 88 in Marburg Baufeld Richtsberg 88 in Marburg
Baufeld Richtsberg 88 in Marburg Baufeld Richtsberg 88 in Marburg Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Der „Richtsberg 88“ nimmt Formen an – zumindest auf dem Papier. Die vom Studentenwerk beauftragten Architekten um Klaus Wagner haben erste Pläne vorgestellt, wie das Neubauprojekt aussehen soll. Im Kern sollen statt eines Hochhauses – der ehemalige Bau hatte 12 Stockwerke – drei Gebäude hochgezogen werden, die je sieben bis acht Geschosse zählen.

Sie sollen um eine ringförmige Grünanlage gruppiert werden und etwa 240 Bewohnern Platz bieten. Das entspricht ungefähr der Größenordnung, die das vor acht Jahren zerstörte Haus, das viele ausländische und studentischen Familien beherbergte, hatte. „Wir reizen die Höhe ziemlich aus, aber nehmen die Umgebung sowohl von der Bebauungsart als auch geografisch auf“, sagt Wagner.

Die Geschosszahl sei angesichts der vielen unterzubringenden Wohnungen „schlicht nötig, weil Platz eben Platz braucht“. Laut Architekt sollen die Wohnungen ein bis zwei Zimmer haben – die meisten aber ohne Küche, diese seien als Gemeinschaftsräume konzipiert. „Für die Belebung der Bewohnerschaft“, wie Wagner sagt.

Keine Kita, keine Gastro – aber viele Radabstellplätze

Bedenken gab es am Rande der Sitzung des jüngsten Stadtgestaltungsbeirats genau deswegen: Familien in Ein- bis Zweizimmer-Apartments ohne Küche – wie soll das praktisch funktionieren? Wagner beruhigt: Zumindest in den Zweizimmer-Apartments werde zumindest mit einer Küchenzeile geplant. Die am Richtsberg kursierende Hoffnung nach der Integration einer Kindertagesstätte findet indes keine Berücksichtigung in den Planungen. Es bleibt bei einem Kinderspielplatz.

Gastronomie, etwa nach Vorbild des Wohnheims Gutenbergstraße, wird es ebenfalls nicht geben, wie Studentenwerk-Sprecherin Franziska Busch auf OP-Anfrage sagt. Es werde Gemeinschaftsräume im Gebäudeinneren und einen „Dorfplatz“ für die Hausgemeinschaft auf dem Außengelände geben.

Lob überwiegt

Diskussionen von Expertenseite gibt es bisher nur über Details, etwa Grünflächen-Plan und der Anordnung der Vielzahl der Radabstellplätze sowie den Pfaden zum nahen Radweg und Busstopp. Das Lob im Gestaltungsausschuss überwiegt, von einem „gut gelungenen Ansatz, gerade für die Zahl der Wohnräume“, spricht etwa Professor Frank Oppermann.

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Ein Rückblick in Text und Bild

Schon jetzt ist klar, dass man eine Pflicht zum Autoverzicht in die Mietverträge aufnehmen und bis auf wenige Anliefer- und Behindertenparkplätze keine Stellflächen auf dem Grundstück will. Wichtiger für den Fortgang des Projekts, dessen Rückhalt dürften die anstehenden Debatten speziell im Ortsbeirat Richtsberg sein.

Einen Baustart noch vor dem Jahr 2025 sieht Franziska Busch indes als durchaus realistisch an – je nach Dauer der Absprachen etwa mit Stadtverwaltung und Gremien.

Projekt bleibt Politikum

Der „Richtsberg 88“ ist seit Jahren auch ein Politikum, beschäftigte nach dem brandbedingten Abriss nicht zuletzt auch wegen Verzögerungen bei der Wiederbebauung sogar die Landespolitik. 2014 wurde das Hochhaus nach einem Kellerbrand, dessen Ursache – Brandstiftung wurde nicht ausgeschlossen – nie richtig geklärt werden konnte, unbewohnbar. Im Nachgang gab es lange Streit zwischen Studentenwerk und der Gebäude-Versicherung, die Millionen Euro zurückhielt, angesichts erster Wiederaufbau-Vorstellungen Luxussanierungen fürchtete. Wegen des knappen Wohnraums drängten viele in der Politik vergeblich auf einen schnellen Neubau.

Von Björn Wisker