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Marburg Baum-Besetzer richten sich häuslich ein
Marburg Baum-Besetzer richten sich häuslich ein
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08:00 26.01.2021
Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Die Baumbesetzung am Parkplatz am Lokschuppen-Areal , die am Freitagvormittag begonnen hatte, dauert nach wie vor an. Mittlerweile haben sich die Besetzer häuslich eingerichtet und im Wipfel eines der Bäume am Rand ein Baumhaus errichtet. Die OP-Frage, ob die Baumbesetzung von Dauer sein soll, bejahte gestern eine der Klima-Aktivistinnen.

„Keine Kompromisse beim Klimaschutz“: So lautet die Devise der Besetzer, die darauf mit einem Transparent aufmerksam machen. Und auch gestern Vormittag herrschte an dem Parkplatz, auf dem Lokschuppen-Investor Gunther Schneider ein Parkdeck bauen möchte, reges Treiben. So brachten beispielsweise Sympathisanten der Klimaschützer Kuchen mit.

Geplant war eigentlich der Baubeginn für das Parkdeck für den Termin am gestrigen Montag. Und am Freitag vergangener Woche sollten Bäume auf der Böschung zwischen den bestehenden oberen und unteren sowie hinter dem Theatergebäude gefällt werden.

Auf OP-Anfrage für eine Stellungnahme bei Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sandte die städtische Pressesprecherin Birgit Heimrich ein offizielles Statement zu der Baumbesetzung am Waggonhallen-Areal. „Der Privatinvestor saniert und erhält ein herausragendes Industriekulturdenkmal in der Stadt Marburg“, heißt es in der Stellungnahme. Alle Bauherren, die in Marburg Flächen bebauen, seien über die Hessische Bauordnung und die Stellplatzsatzung der Stadt Marburg verpflichtet, Stellflächen für Autos und Fahrräder vorzuhalten. Die Bestimmungen gelten für private Bauherren und öffentliche Hand gleichermaßen. Das neue Parkdeck solle die Erreichbarkeit von Kletterhalle, Waggonhalle, saniertem Lokschuppen und neuem Hotel sicherstellen. Die aktuelle Parkfläche am Standort sei wegen der Nähe zum Hauptbahnhof außerdem bei Pendlern sehr beliebt.

Für die Arbeiten zur Schaffung der vorgeschriebenen Stellflächen habe der Lokschuppen-Eigentümer eine Fällgenehmigung. „Im Rahmen der dortigen Neugestaltung der Freiflächen werden mehr Bäume im Sinne des Klima-Aktionsplans neu gepflanzt als jetzt vorhanden“, so die städtische Stellungnahme.

Investor Gunther Schneider, dessen Projekt der Lokschuppen-Sanierung und der Errichtung eines Veranstaltungszentrums auf dem Areal derzeit auf Hochtouren läuft, hatte am Freitag zunächst in Abstimmung mit der Polizei auf Deeskalation gesetzt und Gespräche mit den Baum-Besetzern angekündigt. Eigentümer der Fläche, auf der die Bäume am Rand stehen, ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau, die ebenfalls bisher keine Räumung veranlasst hat.

„Wir haben noch keine Gespräche vereinbart“, sagte Gewobau-Geschäftsführer Jürgen Rausch gestern auf OP-Anfrage. In Absprache mit Schneider solle es aber zu Gesprächen kommen. kündigte Rausch an. „Ich will gerne mit den Klimaschützern reden, um sie zu verstehen“, sagte Schneider auf OP-Anfrage. Dies solle zeitnah noch in dieser Woche geschehen. Ziel sei es dann, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Der sanierte Lokschuppen soll eigentlich im Juni oder Juli dieses Jahres eröffnet werden. Der dann fertige Bau eines Parkdecks, der laut hessischer Parkplatzordnung vorgeschrieben ist, sei eine unabdingbare Voraussetzung dafür, betonte Schneider. Das heißt, dass der jetzige Rodungsstopp laut des Investors eine „ernsthafte Störung des Ablaufs“ bedeutet. „Und der Zeitplan ist bereits eng durchgetaktet“, ergänzte Schneider.

Unterdessen informierte die Klimagruppe Marburg auf ihrem Twitter-Account über den Stand und den Fortgang der Baumbesetzung aus ihrer Sicht. So hieß es dort beispielsweise: „Bei den Waggonhallen in Marburg sollen Bäume für eine neues Parkhaus gefällt werden. Mit den aktuellen Auswirkungen der Klimakrise ist das nicht tragbar. Kein Baum ist egal! Und in einem weiteren Tweet hieß es: „Immer noch sitzen wir widerspenstig auf den Bäumen und blockieren den profitorientierten Ausbau fossiler Infrastruktur. Am Montag legten die Klimaschützer nach: „Wie wäre es mit einem neuen Bauwagenplatz für Marburg auf dieser nun auch besetzten Schotterpiste? Kostenloser Wohnraum für alle statt ungerechte Parkplätze“.

Von Manfred Hitzeroth