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Marburg Baugewerbe hält das Handwerk auf Kurs
Marburg Baugewerbe hält das Handwerk auf Kurs
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16:27 04.08.2022
Die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel zeigt: Im Baugewerbe sind die Auftragsbücher noch gutgefüllt.
Die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel zeigt: Im Baugewerbe sind die Auftragsbücher noch gutgefüllt. Quelle: Thorsten Richter
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Kassel

Preissteigerungen, Lieferengpässe und der Krieg in der Ukraine drücken auf die konjunkturelle Stimmung im heimischen Handwerk. Zwar sei die Mehrheit der gut 17 000 Betriebe im Kammerbezirk „trotz erheblicher Unsicherheiten“ mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zufrieden, so Handwerkskammer-Präsident Frank Dittmar. „Doch die Zukunftsaussichten werden von den Befragten sehr skeptisch eingeschätzt” fasst er die Ergebnisse der Sommer-Konjunkturumfrage zusammen.

Denn: In den vergangenen Wochen haben die Belastungen noch einmal zugenommen: Weitere Preissteigerungen, vor allem bei den Energiekosten, deren Entwicklung noch nicht absehbar ist, der damit einhergehende Konsumrückgang und der drohende Gasmangel wirken laut Dittmar dämpfend auf die Konjunktur. Entsprechend ist der Geschäftsklimaindex durch die deutlich verschlechterte Erwartungshaltung unter Druck geraten und auf 100,2 Punkte gefallen. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag er noch bei 111,6 Punkten.

Gestützt wird der Klimaindex dabei vor allem durch das Baugewerbe. „Die aktuell solide Geschäftslage, die insbesondere auf die hohen Auftragsreserven im Baugewerbe zurückgeht, hält das Handwerk noch auf Kurs, aber das könnte sich angesichts der gegenwärtigen Krisenszenarien bald ändern“, erläutert Dittmar. „Nach zwei Corona-Jahren sind nun mit dem Krieg in der Ukraine und dem Gasmangel weitere Faktoren hinzugekommen, deren Folgen nicht absehbar sind.“

Blick auf die nächsten drei Monate

Laut der Befragung schätzen 43,3 Prozent der befragten Handwerker ihre derzeitige als gut ein – ein Prozent weniger, als im Vorjahr. Weitere 38,4 Prozent – und somit knapp drei Prozent mehr, als ein Jahr zuvor, melden eine befriedigende Lage. Doch der Blick auf die nächsten drei Monate zeigt, dass die Betriebe eine erhebliche Verschlechterung erwarten: Nur 7,3 Prozent (Vorjahr: 14 Prozent) erwarten eine Verbesserung der Geschäfte, während 26,9 Prozent eine negative Entwicklung befürchten – doppelt so viele, wie ein Jahr zuvor.

Im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe ist die Zufriedenheit hoch, entsprechend weniger pessimistisch schauen die Betriebe in die Zukunft. Bei allen anderen Handwerksbranchen seien die Aussichten schon jetzt recht trübe und gegenüber dem Vorjahr teils deutlich zurückgenommen.

Knapp jeder vierte Betrieb (24,4 Prozent) meldet ein Plus an Aufträgen – ein Jahr zuvor waren es jedoch noch 30,3 Prozent gewesen. Von den Zuwächsen bei den Auftragseingängen profitierten jedoch nur die Betriebe des gesamten Baugewerbes. In den anderen Handwerksbranchen sei tendenziell ein Rückgang zu verzeichnen, so die Handwerkskammer.

Für die kommenden Monate zeigen sich die Betriebe auch hier eher pessimistisch. So rechnen lediglich 14,2 Prozent der Befragten mit einer steigenden Auftragslage (Vorjahr: 31,6 Prozent), 29,7 Prozent erwarten dagegen einen Rückgang der Ordereingänge.

Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liegt derzeit bei 80,4 Prozent. Und auch hier sticht das Baugewerbe hervor: Dort sind viele Betriebe voll ausgelastet. Insgesamt sind auch die Auftragsbücher gut gefüllt: Durchschnittlich liegt die Auftragsreichweite bei 10,8 Wochen – hauptsächlich wiederum von den Betrieben aus dem Bau getragen.

Zu schaffen macht den Unternehmen die Dynamik bei den Einkaufspreisen: 88,9 Prozent der Betriebe klagen branchenübergreifend über gestiegene Preise beim Einkauf von Material und Vorprodukten. Vor dem traditionell stärksten Herbstquartal sind die Erwartungen der Betriebe sehr zurückhaltend und deutlich pessimistischer als in den Vorjahren. Viele Betriebe erwarten eine Verschlechterung der Geschäftslage und deutliche Rückgänge der Auftragseingänge: Knapp jeder dritte der Befragten geht hier von einem Minus aus. Ebenfalls überwiegend negativ ist die Umsatzprognose der Befragten.

Entsprechend bilanziert Kammerpräsident Frank Dittmar: „Die zweite Jahreshälfte 2022, so steht zu befürchten, wird eine große Herausforderung für die Betriebe, die es in dieser Form sehr lange nicht gab.“

Von unseren Redakteuren