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Marburg Bauern sauer auf Ministerin Klöckner
Marburg Bauern sauer auf Ministerin Klöckner
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09:58 25.09.2019
Protestieren gegen das Agrarpaket von Julia Klöckner: Frank Staubitz (von links), Karin Lölkes, Ingo Henkel, Burkhard Müller und Erwin Koch.  Quelle: Götz Schaub
Marburg

Der Vorstand des Kreisbauernverbandes Marburg-Biedenkopf ist sich einig: Das von den beiden Bundesministerinnen Julia Klöckner (CDU, Landwirtschaft) und Svenja Schulze (SPD, Umwelt) vorgestellte Agrarpaket darf in dieser Form keine Umsetzung finden, es sei denn, man wolle dem Berufsstand Landwirt in Deutschland absichtlich enormen Schaden zufügen und damit letztendlich jedem Verbraucher in diesem Land.

Karin Lölkes, Vorsitzende des hiesigen Kreisbauernverbandes, wird deutlich: „Das Vorhaben der beiden Ministerinnen, losgelöst vom Bundestag die Landwirtschaft zu verändern, ist deutlich danebengegangen.“ Die Landwirte sehen sich zum 
x-ten Mal als Buhmann der Nation abgestempelt.
Das sieht auch Kreislandwirt Frank Staubitz so. Er ist sehr wütend.

„Die Landschaft, die wir kennen, ist von Landwirtschaft geprägt worden. Wenn das Paket so kommt, wird sich dies schneller ändern, als uns lieb sein kann. Bei dieser Einengung müssen wir zwingend einen Außenschutz verlangen“, so Staubitz. Ingo Henkel weiß, was auf die Landwirte zukommen kann. „Ich habe einen Feldversuch gemacht und einen kleinen Teil beim Rapsanbau völlig unbehandelt gelassen.

Landwirtschaft soll erhalten bleiben

Die Ernte auf diesem Teilstück war null Komma null. Nichts.“ Wer also Felder in den Natura-2000-Gebieten hat, brauche gar keinen Raps mehr anzubauen, sagt er. Und das werde Auswirkungen haben. Wenn die Rapsfelder weniger werden, fänden die Bienen auch weniger Nahrung, was sich wiederum auf die Bestäubung, aber ebenso auf die Honig-Ausbeute niederschlagen werde. Lölkes entschieden: „Wir wollen dazu aufrufen, die Landwirtschaft so zu erhalten, wie sie ist.“

Dann sei es auch möglich, regional zu wirtschaften für einen regionalen Verkauf. Was den Landwirten aufstößt, ist, dass dieses Paket kaum bis gar nicht Bezug auf die Bestrebungen und Errungenschaften nimmt, die Landwirte im Sinne der Biodiversität schon längst und oftmals freiwillig umgesetzt haben. Staubitz verteidigt den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Die seien mittlerweile so gut untersucht, dass sie guten Gewissens eingesetzt werden können, wenn sie vonnöten sind. Selbst das in der Kritik stehende Glyphosat verteidigt er. Dass es Krebs auslösen könne, sei nach wie vor nicht belegt.

Von der Politik alleine gelassen

Belegt sei aber, dass 1,5 Liter ausreichen, um eine Fläche von 10 000 Quadratmetern für die nächste Fruchtfolge zu bearbeiten, ohne den Boden mehrmals umgraben zu müssen, was deutlich mehr Schaden verursache. Noch nie wurde so wenig Diesel auf den Äckern verfahren wie heute. Die Politik sollte sich zügeln, die Experten seien immer noch die Landwirte selbst.

Kein Landwirt setze Mittel ein, die mittel- oder langfristig seinen Äckern schaden, aber es sei offenbar leichter, Aussagen zu folgen, die etwa von Greenpeace stammen. Viele Landwirte sehen sich bereits in der Politik nicht mehr vertreten. Auch Staubitz und Lölkes, die sich seit langer Zeit in der CDU engagieren, überlegen derzeit, ob diese Partei noch ihr „Zuhause“ ist.

von Götz Schaub