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Marburg Hängepartie um „Grüner Wehr“ in Marburg geht weiter
Marburg Hängepartie um „Grüner Wehr“ in Marburg geht weiter
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19:58 20.08.2020
Das „Grüner Wehr“ in Marburg. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Hängepartie um das Stabilitätsgutachten zum „Grüner Wehr“ geht weiter. Die Untersuchungen sind zwar seit Wochen abgeschlossen, das Gutachten samt den Ergebnissen liegt der Stadtverwaltung nach eigenen Angaben seit Anfang Juli vor – doch es gebe laut Stadtspitze noch Unklarheiten. Die Stadtverwaltung habe „den Entwurf des Gutachtens intensiv geprüft“, heißt es auf OP-Anfrage. Es erfülle aber „noch nicht alle gestellten Anforderungen, um eine transparente und für alle nachvollziehbare Beurteilung des Wehrzustands zuzulassen“. Die Stadt habe das Gutachterbüro deshalb darum gebeten, „die fehlenden Auftragsbestandteile zu ergänzen und bestehende offene Fragen zu beantworten“.

In den zuständigen Ortsbeiräten zeigt man sich „ziemlich verwundert“, wie Südviertel-Ortsvorsteherin Antje Tietz sagt, dass nach all den Untersuchungsmonaten angeblich wichtige Fragestellungen nicht beantwortet seien. Wenn das Gutachten entsprechend fertig sei, würden die Ergebnisse öffentlich vorgestellt – vermutlich über eine Videokonferenz mit Diskussionsmöglichkeit. „Vorher passiert am ‚Grüner Wehr‘ nichts, es wird bis dahin keine baulichen Maßnahmen geben“, versichert die Stadt. Erst nach dem öffentlichen Termin würden „gegebenenfalls weitere Schritte diskutiert und geplant“. An dem Stabilitätsgutachten, der Schadensbewertung hängt im Kern die Frage, ob das Baudenkmal nur punktuell repariert oder – wie es die Ursprungsplanung des Magistrats vorsah – abgerissen und neu gebaut werden soll. Schon nach den anfänglichen Untersuchungen im März dieses Jahres gab es nach OP-Informationen seitens der Gutachter gegenüber Stadtverwaltung und Ortsbeirat Weidenhausen erste Schadenseinschätzungen. Zwar gebe es Schäden an dem 800 Jahre alten Baudenkmal, aber keine Anzeichen für folgenschwere Verformungen oder eine Bewegung des Bauwerks sowie andere Alarmzeichen, die akuten Handlungsbedarf erfordern. Es zeichnete sich eine Tendenz ab, die die Sanierungszweifel etwa der Bürgerinitiative und von Teilen des Ortsbeirats Weidenhausen stützte.

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Nach jahrelangem Protest hatte Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) zu Jahresbeginn einer Kanurutsche samt Wartungspodest, die Teil der Neubauplanungen waren, eine endgültige Absage erteilt. Neben der – nach Stötzels Aussagen so im Stadtteil nicht mehr vorhandenen –Sorge vor dem Bau der Kanurutsche samt Partyplattform halten Kritiker speziell aus der BI vor allem die Forderung nach Wahrung des Denkmalschutzes und den Verzicht auf Rodungen, also das Fällen von Bäumen entlang des Trojedamms zwischen Aquamar und Jugendherberge aufrecht.

Hauptgrund: Die Optik des Wehrs sowie des gesamten Uferbereichs dürfe wegen des stadtbildprägenden Charakters nicht derart verändert werden.

Von Björn Wisker