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Marburg Barockhäuschen erstrahlt in neuem Glanz
Marburg Barockhäuschen erstrahlt in neuem Glanz
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16:14 31.01.2021
Das Barockhäuschen der Uni erstrahlt in neuem Glanz.
Das Barockhäuschen der Uni erstrahlt in neuem Glanz. Quelle: Markus Farnung
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Marburg

Nicht nur war die Fassade von Schmierereien verunziert worden. Auch die Bausubstanz war marode und dringend erneuerungsbedürftig. Das ist jetzt nach mehr als einem Jahr Sanierungszeit für die Summe von 1,4 Millionen Euro passiert.

Ursprünglich waren Kosten von 730 000 Euro für das Sanierungsprojekt angesetzt. Die Gründe für die Verdoppelung der Kosten seien vielfältig, erläuterte Maja Turba (Uni-Dezernat Gebäudemanagement und Technik) auf OP-Anfrage. Neben Baukosten-Steigerungen aufgrund der schwierigen Marktlage hätten auch die Behebung unerwarteter schwerer Schäden am Dachstuhl und die Verlegung des Treppenhauses zu den Mehrkosten geführt.

Die Vorgabe der Denkmalpflege, einen Rest der zur ehemaligen Stadtmauer gehörigen Mauer stehen zu lassen, habe ebenfalls zu höheren Kosten geführt. Die Kosten seien allerdings nicht so deutlich in die Höhe gestiegen, wie Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause ursprünglich befürchtet hatte (die OP berichtete).

Weitere Mehrkosten entstanden unter anderem durch den Einbau eines behindertenfreundlichen WC sowie den zwischenzeitlichen Einbau eines Schutz-Daches während der Bauarbeiten und aufgrund der bauarchäologischen Untersuchung.

Das „Barockhäuschen“ wurde als Torhaus der früheren Marburger Reitsporthalle erbaut, die heute das Institut für Sportwissenschaften und Motologie beherbergt.

Landgraf Friedrich I. hatte Reithalle und Torhaus 1731/32 auf dem Areal eines ehemaligen Franziskanerklosters errichten lassen. Zwischen 1876 und 1898 wurde die frühere Reithalle als Tanzsaal genutzt, bevor sie schließlich zur Akademischen Turnhalle umgebaut wurde. Im Jahr 1924 bezog das neu gegründete Institut für Leibesübungen (IfL) die Gebäude Barfüßerstraße 1.

Das Häuschen wurde in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege denkmalgerecht saniert und um einen Anbau erweitert.

Zum Jahresanfang wurden die letzten Arbeiten ausgeführt. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Sportwissenschaften und Motologie waren bereits am Ende des Jahres 2020 eingezogen. Auf zwei Etagen stehen ihnen nun rund 230 Quadratmeter Fläche zur Verfügung.

Vor der Sanierung hatte das Institut für Soziologie das Erdgeschoss genutzt, eine frühere Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss stand aufgrund des schlechten baulichen Zustands seit längerer Zeit leer.

Ein Ziel der Sanierung war, das historische Erscheinungsbild des Baudenkmals wiederherzustellen. „Wo immer möglich, haben wir die Bausubstanz im Originalzustand erhalten“, berichtet Projektleiter Jörn Eigmüller aus der Uni-Bauabteilung. Das Mansarddach mit drei zeittypischen Giebelgauben wurde neu gedeckt, die Originalfenster renoviert und wo nötig nach historischem Vorbild ersetzt. Im Inneren wurden die Fenster heutigen energetischen Erfordernissen angepasst.

Um das Gebäude wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, wurde ein Anbau entfernt, der aus dem 19. Jahrhundert stammte. Nach der Sanierung erschließt nun ein neues, in Sichtbeton und Glas ausgeführtes Treppenhaus das Dachgeschoss, das einen Besprechungsraum und Büros beherbergt. Das Baudenkmal soll so in seiner ursprünglichen Form erfahrbar werden.

Von Manfred Hitzeroth

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