Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg So könnte Marburgs Zukunft aussehen
Marburg So könnte Marburgs Zukunft aussehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 11.04.2022
Am Samstag wurde im historischen Rathaussaal der Stadt Marburg vorübergehend das Bantzer-Gemälde durch das Bild überdeckt, das Kinder und Jugendliche mit der Kunstwerkstatt gestaltet hatten.
Am Samstag wurde im historischen Rathaussaal der Stadt Marburg vorübergehend das Bantzer-Gemälde durch das Bild überdeckt, das Kinder und Jugendliche mit der Kunstwerkstatt gestaltet hatten. Quelle: Ina Tannert
Anzeige
Marburg

Weg ist es, zumindest vorübergehend nicht mehr zu sehen ist das Gemälde „Der Weg des Lebens“ des Marburger Künstlers Carl Bantzer, das seit 1930 im Festsaal des Marburger Rathauses hängt. Darüber drapiert ist seit Samstag das „Rathausbild – Zukunft“, auf dem Kinder und Jugendliche ihre Vorstellungen von einem modernen Marburg präsentieren.

Auf der knapp drei mal vier Meter großen Leinwand haben sich die jungen Künstlerinnen und Künstler in Acryl verewigt, zeigen ihre Sicht auf eine moderne Stadt – von einem friedlichen Zusammenleben aller Kulturen bis zum umfassenden Klimaschutz, ob grüne Dächer oder umweltfreundliche Mobilität.

Initiatorin Maria Pohland: „Absolut gelungen“

Und auch die Rechte von Kindern und Jugendlichen finden ihren Platz: Auf dem Bild reckt ein Mädchen zwischen vielen weiteren kampfeslustig die Faust empor, „das steht für die Kinderrechte“, verrät Salome, die diese Figur gemalt hat.

Sie ist eine der 14 Kinder und Jugendlichen, die an dem Projekt der Kunstwerkstatt mitgearbeitet haben, das von der Stadt als Teil der Jubiläumsfeier Marburg800 finanziert wird. Die Teilnehmer erhalten während einer kurzen Vernissage am Samstag viel Lob für ihr farbenfrohes Werk. Das sei „absolut gelungen, alle waren sehr engagiert dabei“, freut sich Initiatorin Maria Pohland von der Kunstwerkstatt.

Leinwand des Projekts bleibt vorerst für sechs Wochen

Zugleich haben die Dozenten eine breite Debatte über das Bantzer-Bild angestoßen, an dem sich manche Geister scheiden (die OP berichtete). Der abgebildete „Weg des Lebens“ zeigt die Frau ausschließlich in ihrer Rolle als Mutter. Ein rückständiges Frauenbild und aus der Zeit gefallen, wie Befürworter der Verhängungsaktion bemängeln. Kritiker verweisen auf die Bedeutung von Bantzer als bekannten Marburger Maler und den kunsthistorischen Kontext.

Ziel der Aktion ist die Auseinandersetzung mit dem Thema und dass der geschichtsträchtige Raum mit zeitgemäßen Bildern und Vorstellungen gefüllt wird. Das sei hier gelungen, „der schönste Saal der Stadt hat heute ein ganz besonderes Geschenk erhalten“, lobt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Er freue sich über die erzeugte Diskussion über das Marburger Selbstbild, darüber, „wer die Stadt ist und was sie sein will“. Und die noch offene Frage, ob das bisherige Bild nicht in einem Museum besser aufgehoben wäre.

Nichtsdestotrotz werde das Bantzer-Gemälde aber sicher nicht übermalt, hob er mit Blick auf ein aufkeimendes Gerücht hervor. Die Leinwand des Projekts wird dort nun vorerst für sechs Wochen hängen bleiben.

Von Ina Tannert

Marburg Buch-Neuerscheinung - Per Alphabet zum Reiseziel
11.04.2022
11.04.2022
11.04.2022