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Marburg Bangen um Jugendherberge geht weiter
Marburg Bangen um Jugendherberge geht weiter
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16:00 23.09.2020
Zukunft unsicher: die Marburger Jugendherberge in Weidenhausen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Zukunft der Jugendherberge in Weidenhausen ist weiter offen. Das Land Hessen hat zwar für den einst geplanten Abriss und Neubau einen Aufschub der Fördermittel-Zahlungen in das Jahr 2021 zugesagt. Eine Aufstockung der Mittel für den Corona-bedingt finanzschwachen Träger, wie das vom Magistrat und Landkreis-Spitze Mitte Juli gefordert worden ist, ist indes nicht in Aussicht. Wie der Bund, plane man als Land eine Beteiligung in Höhe von 700.000 Euro. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Jan Schalauske (Linke) hervor.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Landrätin Kirsten Fründt (SPD) wollten mit der erbetenen Hessen-Hilfe dafür sorgen, die „Jugendherberge in ihrer spezifischen Funktion für den gesamten Landkreis zu erhalten und damit zu verhindern, dass das alte Gebäude als Bauruine endet beziehungsweise ein entsprechender Neubau nicht gelingt“. Der Magistrat verschiebe daher die für dieses Jahr vorgesehene Förderung in Höhe von 300.000 Euro ins nächste Jahr und stocke den Betrag noch auf. Das Land solle die Lage nach Möglichkeit ebenso bewerten und seinerseits „einen entsprechenden Beitrag leisten“. Dazu, ob man mehr Geld geben würde, schweigt das Sozialministerium bisher. Schalauske schließt sich der Stadt- und Landkreis-Forderung nach mehr Landesgeld an, doch dafür müssten nun vor allem die heimischen Regierungsmitglieder Dirk Bamberger (CDU) und Ministerin Angela Dorn (Grüne) sorgen. Die Aussagen von Sozialminister Kai Klose (Grüne) „können und dürfen nicht das letzte Wort sein.“ Ziel müsse vielmehr sein, die „beliebte Jugendherberge, die einen unschätzbaren Beitrag dafür leistet, dass Familien mit geringem Einkommen, Schulklassen und Jugendgruppen in Marburg übernachten und ihre Freizeit verbringen können, nicht zu einem Dauerproblem für unsere Stadt und Kreis wird.“

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„Ich gehe nicht davon aus, dass wir einen langfristigen Stillstand bei dem Bauprojekt befürchten müssen“, sagt Bamberger auf OP-Anfrage. Es gebe von Stadt, Kreis und eben auch Land die „unmissverständliche Anerkennung“ des Bedarfs an touristischen Übernachtungsmöglichkeiten im niedrigen Budget-Bereich. Der Hessische Jugendherbergsverband, der mit dem Abriss des Bestandsgebäudes schon zum Jahreswechsel und damit vor der Corona-Pandemie begann, kalkulierte mit sieben bis acht Millionen Euro Kosten für das Projekt. Mehr als sechs Millionen Euro wären dabei aus Eigenmitteln und Bankdarlehen gekommen – laut Timo Neumann, Verbands-Geschäftsführer, angesichts des Corona-Lockdowns, der finanziellen Folgen für den Gesamtbetrieb ein „nicht leistbarer Luxus“. Eine Umsetzung der Pläne in Weidenhausen sei „auf lange Zeit nicht möglich“, sagte er.

Die Ersparnisse, die für die Neubauten und Modernisierungen der Jugendherbergen in Marburg, Rüdesheim und Wetzlar vorgesehen waren, werden laut Geschäftsführung für laufende Betriebsmittelkosten aufgebraucht. Sollten die Jugendherbergen Hessen aufhören zu existieren, werden nach Verbandsangaben über 500 Menschen in Hessen ihren Job verlieren. Von der eigentlich für Mitte 2022 geplanten Wiedereröffnung am Trojedamm ist schon lange keine Rede mehr. Vom Szenario „Bauruine“ sehr wohl.

In den nächsten Monaten, so das Sozialministerium in Bezug auf die perspektivische Fördermittel-Gewährung, soll der Jugendherbergsverband für das Marburger Haus einen neuen Zeitplan vorlegen. Bamberger will zur Sicherung des Neubaus und Weiterbetriebs eine Gesprächsrunde zwischen allen Fördermittelgebern und Herbergsverband einleiten.

Schulklassen und Seminarteilnehmer

Rund 620.000 Übernachtungen wurden im Jahr 2019 in den zuletzt noch 29 zum hessischen Jugend- herbergsverband zählenden Häusern gebucht, davon 37 Prozent für Schüler-Klassenfahrten. Weitere 30 Prozent machten die Teilnehmer von Bildungsseminaren aus, darunter Auszubildende großer Unternehmen und Freiwilligendienste.

Im August wurde bekannt, dass wegen der finanziellen Verluste unter anderen die Herbergen in Gießen und Weilburg geschlossen werden – nicht zuletzt wegen dem mindestens bis Februar geltenden Klassenfahrts-Verbot.

Von Björn Wisker