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Marburg Bangen, hoffen und Maskenpflicht
Marburg Bangen, hoffen und Maskenpflicht
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19:20 18.08.2020
Lorna und Anna sind jetzt an der Elisabethschule in der Oberstufe angekommen. Den ersten Schultag fanden sie erträglich, waren aber auch nach dem Unterricht froh, die Masken wieder abnehmen zu können. Quelle: Götz Schaub
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Marburg

Schon vor Schulbeginn nahm am Montagmorgen  Thomas Ferber, Schulleiter der Richtsberg-Gesamtschule, live auf hr1 gegenüber Radiomoderator Thomas Koschwitz Stellung zum ersten Schultag. Im Ganzen sah er seine Schulgemeinde gut aufgestellt, gab aber auch zu, dass man in Bezug auf Corona nichts ausschließen könne. Man müsse letztendlich auf das Beste hoffen. So fasste es auch die Vorsitzende des Kreiselternbeirats, Monika Kruse, zusammen. Sie sagte: „Die Sichtweise hängt wohl immer damit zusammen, welche Brille man gerade aufhat. Pädagogisch und vom Bildungsauftrag her gesehen ist es sicher sinnvoll, die Schulen wieder unter Vollbetrieb starten zu lassen.“ Es komme jetzt aber auch darauf an, dass die Schulen eine offene Kommunikation zu Schülern und Eltern pflegen, so dass die einzelnen Schritte, die die Schulen gehen, nachvollziehbar bleiben und keine unnötige Unruhe entsteht. Erst recht, wenn tatsächlich irgendwo ein Corona-Fall auftreten sollte.

Trotz schwülwarmer Temperaturen waren die Schüler gestern Morgen in den Bussen in Marburg alle mit Maske vor Mund und Nase ausgerüstet. Einige gingen gar von den Haltestellen bis zur Schule „maskiert“, andere nutzten den Weg als Gelegenheit, noch einmal frei durchzuatmen. Vor den beiden Gymnasien Elisabethschule und Philippinum bildeten sich vor den Haupteingängen zwischenzeitlich kleinere Schülertrauben, die eine oder andere Umarmung konnte wohl ob der Wiedersehensfreude auch nicht unterbleiben. Unübersichtlich wurde es aber nicht. Die Elisabethschule hatte auch nicht gleich alle Klassen für 8 Uhr geladen, der Jahrgang 11 kam beispielsweise erst zur zweiten Stunde.

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Überraschung dann für die Schüler im Gebäude. Anders als vom Land Hessen vorgegeben, verlangte die Elisabethschule auch im Unterricht Maskenpflicht von Schülern und Lehrern.

„Die Gesamtkonferenz hat am vergangenen Freitag die Schulleitung aufgefordert, das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen in Klassen- und Fachräumen verpflichtend zu machen, weil sie angesichts der immer stärker steigenden Zahlen – auch im Landkreis – das Risiko einer Infektion im Regelbetrieb weiter reduzieren möchte“, teilt dazu Schulleiter Gunnar Merle auf der Homepage der Schule mit. Da Reiserückkehrer mit Ursache für den Anstieg sind, wird die schulinterne Vorgabe nach 14 Tagen geprüft werden. Merle weiter in einem Statement an die Eltern: „Mir ist bewusst, dass die Entscheidung die Unterrichtssituation für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrkräfte erschwert, bitte Sie aber, Verständnis für unsere Entscheidung zu haben. Sie dient auch dem Schutz Ihrer Kinder.“

„Das macht bei den kleinen Klassenräumen wohl auch Sinn“, befand die 16-jährige Schülerin Lorna. Persönlich findet sie es unter der Maske aber „schrecklich und stickig“. Ihre Freundin Anna (16) muss sich erst einmal wieder an Schule gewöhnen. Sie sagte nach den ersten absolvierten Stunden am Mittag: „Es war toll, alle mal wiederzusehen nach so einer langen Zeit. Das Tragen einer Maske ist schon ungewohnt, und einige versteht man auch gar nicht so richtig.“ Auch die 16-jährige Mascha glaubt, dass das Maskentragen noch sehr nervig werden wird, doch sehen die drei Schülerinnen den Sinn und Zweck ein. Schwieriger finden sie es, dass die Ess- und Trinkzeiten so knapp bemessen sind. Da sie in den großen Pausen auf dem zugewiesenen Schulhof nichts essen und trinken sollen, bleiben ihnen dafür nur die Fünf-Minuten-Pausen im Klassenraum.

Wyrola Biedebach, Leiterin der Marburger Martin-Luther-Schule mit 1 000 Schülern, schwankt nach dem ersten Schultag zwischen Erleichterung und Anspannung. „Die Freude auf und an normalem Unterricht ist groß“, sagt sie. Auch im Lehrer-Kollegium sei das „trotz Bedenken, wie lange es gut gehen wird“, so. In den vergangenen Wochen hätten die Pädagogen auch für eine Anpassung der Stundenpläne gesorgt, so dass selbst im Fall von Corona-bedingten Teilschließungen der Schule künftig ein strukturierterer Fachunterricht in festen Klassenverbänden – bis in die Oberstufe hinein – gewährleistet werden könne. „Wir sind vorbereitet, so gut es geht“, sagt Biedebach. Und die Einschulung der Neu-Fünftklässler in der Stadthalle gestern habe nicht nur funktioniert, sie habe trotz aller Einschränkungen – etwa, dass nur ein Elternteil mitdurfte – „auch etwas Feierliches gehabt und den neuen Kindern so einen schönen Startschuss gegeben“.

Generell legen die heimischen Schulen großen Wert darauf, Schüler wie auch Eltern umfassend zu informieren. Die größeren Schulen haben in der Regel die für sie relevanten aktuellen Entwicklungen und Erfordernisse auf ihren Homepages eingestellt.

Von Götz Schaub und Björn Wisker

18.08.2020
17.08.2020