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Marburg Bange will Forschungsstandort nach vorne bringen
Marburg Bange will Forschungsstandort nach vorne bringen
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12:52 03.12.2021
Der Biochemiker und Strukturbiologe Professor Gert Bange will Vizepräsident für Forschung an der Uni Marburg werden.
Der Biochemiker und Strukturbiologe Professor Gert Bange will Vizepräsident für Forschung an der Uni Marburg werden. Quelle: Foto: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Um einen flapsigen Spruch ist der Marburger Biochemiker und Strukturbiologe Professor Gert Bange nie verlegen. Doch im Gespräch mit ihm wird schnell klar, dass bei ihm noch mehr hinzukommt: eine große Lust am Argumentieren, ausgewiesenes Fachwissen sowie kreatives Denken. Und der 44-Jährige hat an der Universität Marburg seit 2019 als stellvertretender Direktor des Zentrums für synthetische Mikrobiologie (Synmikro) das Gesicht des international anerkannten neuen Zentrums entscheidend mitgeprägt.

Forscher mit Leib und Seele

Bange musste nicht lange überlegen, als der designierte Marburger Uni-Präsident Professor Thomas Nauss nach einer erfolgreichen Wahl im Sommer darum bat, in sein Team zu kommen und für das Amt des Vizepräsidenten im Forschungsressort zu kandidieren. Denn Gert Bange ist Forscher mit Leib und Seele und sieht in dem Posten die Chance, daran mitzuwirken, dass der Uni-Standort Marburg in Sachen Forschungsförderung Pluspunkte sammelt.

Dabei hat sich der Naturwissenschaftler vor allem vorgenommen, dass die Universität Marburg nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich einmal bei der bundesweiten Exzellenzstrategie-Runde punktet.

Dabei wurden die Vorplanungen bereits vom scheidenden Forschungs-Vizepräsidenten Professor Michael Bölker geleistet. Und so müsste Bange mit den zwei schon vorab bestimmten Großprojekten ins Rennen um Exzellenz-Cluster gehen. Das ist zum einen das gemeinsam mit der Universität Gießen zusammengestellte Vorhaben „Adaptive Mind“ aus der psychologischen Wahrnehmungsforschung, mit dem die beiden Hochschulen bei der letzten Runde nur denkbar knapp gescheitert waren und jetzt einen erneuten Anlauf wagen.

Im zweiten möglichen „Cluster“-Projekt sind vorwiegend Forscher aus Marburg vertreten. Dabei steht unter dem Titel „Terra M“ ein kombiniertes Thema aus der Mikrobiologie sowie dem Themenfeld Ökologie/Naturschutz im Mittelpunkt. Auch Bange war schon selber an den Vorbereitungen für das Wettbewerbsprojekt mit beteiligt.

Als Uni-Vizepräsident will er künftig verstärkt nach guten Ideen für Forschungsverbünde fahnden, in Natur- und Lebenswissenschaften, aber auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Zudem setzt er sich dafür ein, den aus seiner Sicht noch nicht beseitigten Kommunikationsstau zwischen den Naturwissenschaftlern auf den Lahnbergen und den geisteswissenschaftlichen Kollegen im Lahntal zu beseitigen.

Einen Erfolg beim Exzellenz-Wettbewerb hält Bange für essenziell, um das weitere Überleben der Philipps-Universität in einem hochkompetitiven Ringen um Fördergelder und die besten Studierenden mit zu sichern. Und er will zu deutlichen Erhöhungen bei der Einwerbung von Drittmittel-Geldern beitragen.

Nachholbedarf beimSelbst-Marketing der Uni

Nachholbedarf sieht er auch beim Selbst-Marketing der Hochschule. „Wir müssen die glänzendsten Schwerpunkte herausarbeiten und nicht nur unsere Probleme. Wir erzählen zu wenig über unsere Stärken“, meint Bange. Insgesamt gehe es um eine bessere Profilierung trotz begrenzter finanzieller Ressourcen. Eine noch stärkere Internationalisierung ist aus seiner Sicht unabdingbar für einen Erfolgsweg in der Forschung. Interessante junge Forscher aus dem Ausland für die Philipps-Universität zu begeistern und gezielt spannende neue Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen einzugehen: Auch das steht ganz oben auf seiner Agenda. Genauso wie das Ausloten einer besseren Zusammenarbeit mit den heimischen Firmen – allen voran Biontech und Co. am Pharmastandort der ehemaligen Behringwerke. „Wir machen noch zu wenig mit den großen Playern“, meint Bange.

Auch den Kampf gegen den Klimawandel hat Gert Bange durchaus als Thema der universitären Wissenschaft ausgemacht, wie wenn es in seinem eigenen Fachgebiet um die Rolle von Mikroorganismen beim Binden von Kohlendioxid geht. Ohne dogmatisch agieren zu wollen, geht er selbst mit gutem Beispiel voran, wenn er die Strecke zur Arbeit von seinem Wohnort im Marburger Stadtteil Gisselberg hoch zur Arbeitsstelle auf den Lahnbergen auch bei Wind und Wetter regelmäßig mit dem E-Bike bewältigt.

Wenn ihm seine weitere Rolle als Familienvater von zwei Töchtern im Alter von acht und 13 Jahren noch ein wenig Zeit lässt, dann entspannt er sich beim Gitarrespielen. Zudem hat er eine ganz beachtliche Bluesrock-Röhre vorzuweisen.

Von Manfred Hitzeroth

04.12.2021
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