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Marburg Bald gibt es den „Corona-Piks“ auch in der Apotheke
Marburg Bald gibt es den „Corona-Piks“ auch in der Apotheke
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10:00 13.01.2022
Eine medizinische Mitarbeiterin bereitet eine Spritze mit dem Biontech-Impfstoff vor.
Eine medizinische Mitarbeiterin bereitet eine Spritze mit dem Biontech-Impfstoff vor. Quelle: Foto: Tatan Syuflana
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Marburg

Der rechtliche Weg ist frei, demnächst könnte es losgehen: Die Apotheken rechnen damit, schon bald mit Corona-Impfungen beginnen zu können. Die erforderliche Änderung der Impfverordnung ist am Montag im Bundesanzeiger veröffentlicht worden – und am Dienstag in Kraft getreten. „Bis zum Impfstart in den Apotheken werden noch etwa ein bis zwei Wochen vergehen. Die Apotheken müssen jetzt erst einmal Impfstoffe bestellen“, sagte das Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbands, Thomas Preis, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Das Impf-Interesse der Apotheken sei „sehr groß“, berichtete Preis aus seiner eigenen Region Nordrhein. „Im Rheinland sind bereits 1 000 Apotheker in 500 Apotheken bereit, die Impfungen durchzuführen. Sie sind schon im Rahmen der Grippeimpfungen geschult worden. Wir rechnen damit, dass bis zum Februar noch weitere 1 000 Apotheker geschult werden.“

In Hessen wird es indes noch etwas länger dauern, bis in den Apotheken geimpft werden kann.

Johanna Hauser, stellvertretende Geschäftsführerin der Landesapothekerkammer Hessen, kann noch nicht genau sagen, wann die Impfungen in Hessen starten werden. „Es ist noch ein wenig der Blick in die Glaskugel. Wir sind dabei, die ersten Schulungstermine zu planen, haben aber noch nicht alle Zusagen. Wenn wir die nun zeitnah bekämen ist es realistisch, dass Ende der ersten Februarhälfte die ersten Apotheken impfen könnten“, sagt sie im Gespräch mit der OP.

Doch weist Hauser auch darauf hin, dass die Apothekerinnen und Apotheker frei in der Entscheidung seien, Impfungen anzubieten – „es ist keine Pflicht“. Nicht jede Apotheke habe beispielsweise die räumlichen Voraussetzungen, Impfungen vorzunehmen – oder das Personal. Denn: Nicht nur eine „Impfkabine“ wird benötigt – es müssen ja auch Aufklärungsgespräche geführt werden. Und: Die Impflinge müssen nach der Injektion noch einen Aufenthaltsbereich haben, um zu sehen, ob unmittelbar Reaktionen auftreten – all diesen Platz haben Apotheken nicht unbedingt zur Verfügung.

Weiteres niedrigschwelliges Angebot

„Bei den Schnelltests gab es eine Allgemeinverfügung, dass diese auch außerhalb der eigentlichen Betriebsräume vorgenommen werden können“, sagt Johanna Hauser. Um auch außerhalb der Geschäftsräume impfen zu dürfen – etwa in einem von der Apotheke aufgestellten Zelt – „ist ebenfalls eine Allgemeinverfügung nötig“. Hauser hoffe, dass diese bald von den zuständigen Regierungspräsidien erlassen würden. „Sollte das nicht so sein, dann dürften Stand jetzt auch nur die Apotheken Impfungen anbieten, die die entsprechenden Räumlichkeiten haben“. Ein weiterer Punkt sei, dass die Apotheken noch an das „Digitale Impfquoten-Monitoring“ des RKI angebunden werden müssten, wo sie die Impfungen melden. Rechtlich sei dieser Punkt ebenfalls bereits geklärt, „es fehlt lediglich noch die Umsetzung“.

Die stellvertretende Geschäftsführerin freut sich jedoch darüber, dass nun der Weg für ein weiteres niedrigschwelliges Angebot bereitet sei. „Wir bieten für alle, die nicht zum Arzt oder ins Impfzentrum gehen möchten, die Möglichkeit, sich einfach impfen zu lassen – der Vater des Gedanken ist, dass viele Menschen ohnehin in die Apotheke gehen und dann das Angebot wahrnehmen können.“ So könnten die Apotheker dazu beitragen, die Impfquote weiter zu erhöhen, „denn das ist es, was wir brauchen“, sagt Johanna Hauser.

Wie viele Apotheken in Hessen letztlich Impfungen anbieten werden, das kann sie derzeit noch nicht sagen. „Wir werden sehen, wie groß die Nachfrage nach den Schulungsterminen ist – oder wie weit das Angebot später von der Bevölkerung angenommen wird, zum Impfen einfach mal schnell in die Apotheke zu gehen.“ Doch sei sie froh, dass nun die gesetzlichen Rahmenbedingungen stünden – „auch, wenn ich mir etwas mehr zeitlichen Vorlauf gewünscht hätte. Denn die Umsetzung ist schon aufwendig“.

Und wie schaut es mit dem Impfstoff aus? Klar sei, dass man nicht in Konkurrenz zum Impfstoff-Bedarf der Ärzte treten werde – es müsse also zusätzliches Vakzin her. „Momentan ist Biontech für die Erstbestellungen noch kontingentiert – ich hoffe, dass dann künftig so viel da ist, dass auch Apotheker, die impfen möchten und können, dann auch Biontech bestellen können.“ Die anderen Impfstoffe seien glücklicherweise derzeit problemlos verfügbar.

Schulungen der Apotheker

Die Bundesapothekerkammer hat für die Schulungen ein Curriculum mit zwölf Fortbildungsstunden zu jeweils 45 Minuten festgelegt.
Die theoretische Fortbildung umfasst sechs Stunden: zwei Module zu jeweils zwei Fortbildungsstunden, sowie zwei Fortbildungseinheiten im Selbststudium.

Die praktische Fortbildung, die ebenfalls von einem Arzt oder einer Ärztin geleitet werden muss, dauert vier Fortbildungsstunden.
Auch in der Ersten Hilfe bei Impfreaktionen müssen Kenntnisse und Fertigkeiten nachgewiesen werden: Impfende Apothekerinnen und Apotheker müssen selbst Ersthelfer sein. Sollten sie diese Qualifikation nicht haben, müssen sie zusätzlich eine zweistündige Fortbildung absolvieren.

Quelle: Apothekerkammer

Von Andreas Schmidt

13.01.2022