Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Die Krise als Herausforderung
Marburg Die Krise als Herausforderung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:59 11.04.2020
Ein Bäcker knetet in der Backstube Brotteig. Quelle: Jens Büttner/dpa
Anzeige
Marburg

Mit einer kurzfristig organisierten Plakataktion möchten der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Universitätsstadt Marburg auch die heimischen Metzgerei- und Bäckereibetriebe unterstützen.

Unter dem Motto „Wir sind noch da… für Sie“ können die Betriebe jetzt deutlich machen, dass sie auch in der Corona-Krise für den Einkauf von Lebensmitteln zur Verfügung stehen. Doch wie ist die Stimmung im Lebensmittelhandwerk?

Anzeige

Martin Meier, Obermeister der Marburger Fleischer-Innung, sagt: „Nach allem, was ich aus dem Kollegenkreis gehört habe, kommen die Kunden noch gerne in die heimischen Fachbetriebe und kaufen dort ein. Auch gibt es noch keinerlei Engpässe bei den Rohstoffen.“ Das sei vor allem jetzt vor Ostern ein wichtiges Signal für die Kunden. Und die hielten den Lebensmittelfachgeschäften in vielen Fällen die Treue.

Es gibt durchaus Existenzängste

„Natürlich verlängern sich durch die Zugangsbeschränkungen viele Abläufe.“ Doch auch, wenn die Schlange vor den Geschäften mitunter schon mal länger sei, „die Kunden haben oft dafür Verständnis und warten gerne“. Dies sei aber vor allem auch dem derzeit recht guten Wetter geschuldet. „Ich weiß nicht, wie das bei Nieselregen aussähe“, so Meier. Aber derzeit sei die Lage durchaus stabil in den Geschäften.

Doch Martin Meier kennt auch die Kehrseite der Medaille: Es gebe durchaus Existenzängste. Denn, so Meier: „Gerade kleinere Betriebe haben Angst, dass sie ihre Metzgerei für mehrere Wochen schließen müssen, falls eine Infektion auftritt. Das wäre durchaus existenzbedrohend.“

Vorbestellung verkürzt Wartezeiten

Dabei steht für ihn fest, dass auch die Verkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk durchaus Heldinnen seien, „und nicht nur in den Supermärkten: Auch in unseren Geschäften stehen sie täglich an vorderster Front im direkten Kundenkontakt“. Um diesen möglichst kurz zu halten und auch die Wartezeiten zu verkürzen, hat der Obermeister den Tipp parat, die Ware am besten vorzubestellen.

Und wie läuft es bei den heimischen Bäckern? „Die Lage ist durchaus eine große Herausforderung“, sagt Dirk Holzapfel, Obermeister der Bäcker-Innung Marburg. Die Produktion am Laufen zu halten und die Rohstoffe zu bekommen „bedarf einer größeren Planung als sonst“, sagt er.

Treue Kunden vor allem auf dem Land

Der Obermeister lobt die Kunden jedoch, „nachdem sie sich an die Regelungen gewöhnt hatten, bringen sie nun viel Geduld mit.“ Und: Sie seien „ihren Bäckern“ größtenteils treu – vor allem auf den Dörfern, wo die Bäckereien zu den Grundversorgern zählten.

„Anders sieht es schon in der Stadt aus, wo die Kollegen auch Cafés betreiben – das Geschäft ist natürlich komplett weggebrochen“, weiß Holzapfel. Das sei für die Betriebe durchaus problematisch. Der Obermeister sieht die Corona-Krise „als eine große Herausforderung, der wir uns aber stellen – und zwar besonnen und ohne Hektik oder Panik“. Und auch er rät zu Vorbestellungen.

Dirk Holzapfel zollt ebenfalls den Mitarbeitern Lob: Denn: Auch, wenn die Betriebe die Auflagen einhalten würden, „so lässt sich der Mindestabstand gerade in kleinen Bäckereien nicht immer und durchgängig einhalten“, weiß er. Dass die Mitarbeiter aber dennoch mitzögen, „das ist schon außergewöhnlich gut“.

Geschäft in der Krise schlecht planbar

Darüber hinaus bricht er auch eine Lanze für seine Kollegen: „Alle werden versuchen, das Sortiment in gewohnter Weise vorzuhalten. Aber ob es wirklich dann auch alles in der gesamten Breite zur gesamten Zeit geben wird, das lässt sich nur schlecht prognostizieren.“ Das hätten auch die vergangenen Tage schon gezeigt.

„Es gibt Tage, da sind die Regale schon am frühen Nachmittag wie leergeputzt – und am nächsten Tag sieht es wieder ganz anders aus.“ Das Geschäft sei in der Krise schlechter planbar. „Dennoch geben die Bäcker alles, um ihre Kundschaft zufriedenzustellen“, verspricht Holzapfel.

Von Andreas Schmidt

Anzeige