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Marburg Backhaus Horst ist insolvent
Marburg Backhaus Horst ist insolvent
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00:22 24.11.2018
Die Filiale des insolventen Backhauses Horst in der Marburger Gutenbergstraße hätte laut Insolvenzverwalter Dr. Michael Lojowsky „schon mehrfach verkauft“ werden können. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Ende vergangenen Monats meldete das Oberhessische Backhaus Horst Insolvenz an (die OP berichtete). Der Verkauf in den Filialen läuft dessen ungeachtet weiter. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Michael Lojowsky erläuterte nun im Gespräch mit der OP, wie weit der Investorenprozess fortgeschritten ist.

„Meine Idealvorstellung ist, dass ich alle Filialen verkauft bekomme – und darüber hinaus dann auch alle Mitarbeiter übernommen werden, auch die Mitarbeiter aus der Backstube“, so Lojowsky.

Wichtig sei es ihm, die laufenden Kosten wie Löhne, Gehälter, Mieten und Leasingverträge des Betriebs zu reduzieren – am liebsten zum 1. Januar kommenden Jahres, „was auch das Ende des Wirtschaftsjahres wäre“. Dann könne man einen reibungslosen Übergang darstellen. Beim Investorenprozess sieht sich der Jurist auf einem guten Weg, es hätten sich bereits „zahlreiche Bäcker“ bei ihm gemeldet, „es gibt großes Interesse daran, Filialen zu übernehmen“, sagt er.

Er gehe durchaus davon aus, „den Geschäftsbetrieb im Ganzen übertragen zu können – das ist zumindest das Ziel.“ In puncto Backstube sei für den Juristen auch denkbar, eine „Einzelverwertung“ vorzunehmen – also die Gerätschaften sukzessive zu verkaufen. Denn: Die Backstube stehe im Eigentum von Andrea Horst, „somit haben wir dort zumindest keine laufenden Massekosten“.

Acht Filialen hat das Backhaus derzeit noch: Jeweils eine im „Kaufland“ in Treysa und Korbach, zwei in Fronhausen, zwei in den Gießener Obi-Märkten sowie eine weitere in Gießen, eine in Sterzhausen und eine weitere in der Marburger Gutenbergstraße.

Filiale in Korbach muss täglich beliefert werden

„Die Marburger Filiale hätte ich schon mehrfach verkaufen können“, sagt Lojowski. Doch sei es nicht das Ziel, die lukrativen Geschäftsstellen zu veräußern und auf den anderen sitzen zu bleiben. Gerade Korbach sei dabei nicht wirklich wirtschaftlich zu betreiben, „denn die muss ja jeden Tag mit frischer Ware beliefert werden“ – das sei nur sehr schwer wirtschaftlich darzustellen, verdeutlicht Lojowsky.

Doch wie kann es sein, dass das Backhaus Horst, das Anfang des Jahres noch sämtliche Filialen der insolventen Bäckerei Jungclas in der Schwalm übernehmen wollte, plötzlich zahlungsunfähig ist?

„Letztlich war das Filialnetz zu klein“, sagt Michael Lojowsky. Denn: „Wenn ich eine Bäckerei habe, habe ich auch enorme Overhead-Kosten – nämlich massive Energiekosten, Personalkosten und einiges mehr.“

Je weniger Filialen eine Bäckerei habe, desto teurer werde letztlich auch der Herstellungsprozess. „Deshalb gab es Anfang des Jahres die Bemühungen, Jungclas zu übernehmen – das war auch ernst gemeint“, sagt Lojowsky. „Doch es hat nicht sollen sein.“

von Andreas Schmidt