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Marburg Auto-Anmeldung wird zur Geduldsprobe
Marburg Auto-Anmeldung wird zur Geduldsprobe
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10:56 23.05.2020
Ein neues Autokennzeichen wird bedruckt, ein typisches Bild in der Zulassungsstelle. Dort hinein kommen die meisten Kunden aber nur mit Termin. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Das sonnige Wetter dieser Tage verlockt zu einem Ausflug, zum Sonnen, Spazierengehen und es lockt Biker zum Motorradfahren. Letzteres würde auch Matthias Jilg aus Gladenbach gerne, hat sich der Motorradfan doch vor zwei Wochen gerade erst eine neue Maschine zugelegt.

Doch die steht ungenutzt in der Garage, er darf im Moment noch nicht fahren. Der Grund: Die Zulassung fehlt, Jilg konnte sein neues Motorrad noch nicht auf der Zulassungsstelle des Kreises anmelden.

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Denn: Er wartet seit zwei Wochen auf seinen Termin, solange bleibt der Ofen aus. „Das macht mich wirklich sauer, dass das so lange dauert, ist für mich völlig unverständlich“, sagt Jilg im OP-Gespräch.

Am 8. Mai hatte er sich telefonisch bei der Zulassungsstelle gemeldet – wegen der Corona-Pandemie müssen Termine derzeit, wie in vielen Behörden, vorab telefonisch vereinbart werden. Dort wurde er gebeten, eine Anfrage per Email zu schicken.

Beschwerde-Mail an die Landrätin

Das tat er – und fiel aus allen Wolken, als ihm ein Besuch in der Marburger Zulassungsstelle zwei Wochen später angeboten wurde. „Der Motorradhändler hatte mich schon gewarnt, dass ich Probleme bei der Zulassung bekommen werde, erst habe ich ihm nicht geglaubt“, erinnert sich Jilg.

Wütend schrieb der Gladenbacher noch am selben Tag eine weitere E-Mail, wandte sich direkt an Landrätin Kirsten Fründt und bemängelt die Auflagen als „völlig unakzeptabel. „Es kann und darf nicht sein, dass es solche Einschnitte gibt, wo sie absolut nicht nötig sind und dem Bürger unnötig Schwierigkeiten bereitet werden“, findet der Gladenbacher. Generell sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Marburger Zulassungsstelle – und auch andere Ämter – nur nach Terminvereinbarung tätig werden dürfen.

Kritik an den Einschränkungen

Räumlich und personell könne die Behörde seiner Erfahrung nach „leicht und mit wenig Aufwand“ auch unter Corona-Auflagen normal weiterarbeiten. „Mit wenigen Regeln, Änderungen und kleinen baulichen Maßnahmen könnte ein Ansteckungsrisiko zu fast 100 Prozent ausgeschaltet werden“, schätzt er.

Wie die Pressestelle des Kreises auf OP-Anfrage mitteilt, seien bauliche Veränderungen auch vorgenommen worden, darunter die „Installation von Plexiglasscheiben und die Errichtung eines Zeltdaches zur Ausweitung der Wartezone“. Zugangsbeschränkung und Terminvereinbarung gelten aber weiterhin.

Kreis reagiert gelassen

Auf der Website der Kreisverwaltung heißt es, dass Kfz-Zulassungen und Fahrerlaubnisangelegenheiten nach Terminvereinbarung und „in akuten Fällen“ und nur für Kreis-Bewohner möglich sind. Laut Pressesprecher betreffen akute Fälle „Menschen in systemrelevanten Berufen, also Berufen gemäß des durch das Land vorgegebenen Kataloges. Diese Personen können den Service auch ohne Termin nutzen.“

Das trifft auf Jilg nicht zu, er muss warten und kritisiert, dass der Dienst der Behörde für ihn und andere dadurch eingeschränkt werde. Der Kreis sieht das anders: „Es wird wie gewohnt der komplette Service uneingeschränkt angeboten. Die Kreisverwaltung hatte zu keinem Zeitpunkt eingeschränkte Öffnungszeiten“. Nur die Umstände, wie „die Notwendigkeit von Terminvereinbarungen“, hätten sich geändert.

Online-Zulassung birgt andere Hürden

Die tägliche Öffnungszeiten sind zudem ausgeweitet worden. Allerdings entfällt „bis auf Weiteres“ die Öffnung an Samstagen, heißt es auf der Kreis-Homepage. Eigentlich wäre Jilg als Gladenbacher sowieso lieber zur Außenstelle in Biedenkopf gegangen, doch die ist wegen Corona geschlossen.

Doch es gibt noch die Möglichkeit der Online-Zulassung, auf die auch der Kreis verweist. Das hat Jilg versucht, mit dem elektronischen Personalausweis, nur tat sich da ein neues Problem auf: Das Motorrad hat er gebraucht gekauft, die Maschine ist vor 2018 erstmals zugelassen worden. Damit fehle auf dem Fahrzeugbrief der Sicherheitscode, den brauche er aber für eine Online-Zulassung auf Schein und Brief, „so konnte ich den Antrag nicht abschicken“.

Wer auf’s Auto angewiesen ist, hat ein Problem

Die Verzögerung betrachtet Jilg als „unnötige Einschränkung“. Auch ein Bekannter von ihm hatte sich um die Zulassung eines neuen Wagens bemüht, „sein Auto ist kaputt gegangen, er kaufte ein neues und hatte dasselbe Problem. Der Bekannte habe sich dann an einen Zulassungsdienst gewandt und zahlte für die Dienstleistung. „In zwei Tagen war sein Auto zugelassen, das hat ihn aber 150 Euro gekostet“, erzählt Jilg.

Das sehe er nicht ein. Er selber benötigt das Motorrad nicht beruflich, „ich hab da noch Glück, nutze das nur privat, da kann man ja noch ein Auge zudrücken bei der langen Wartezeit – aber wie machen das Familien, die auf ein Auto angewiesen sind? Die haben wirklich ein Problem“, findet er.

Von Ina Tannert

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