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Marburg Freundliche und hilfsbereite Nachbarn geehrt
Marburg Freundliche und hilfsbereite Nachbarn geehrt
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16:18 04.09.2020
Ernst Zeppel (von links) und seine Frau Helga Zeppel sowie Helga Burlon und Beatrix Stegmann erhielten den Nachbarschaftspreis des Stadtteils Richtsberg. Darüber freuten sich Ortsvorsteherin Erika Lotz-Halilovic und Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der die Auszeichnungen übergab. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Freundliche und hilfsbereite Nachbarn sind eigentlich in allen Lebenslagen wichtig. Das gilt umso mehr am Richtsberg, wo das Wohnumfeld mit einer Vielzahl von Hochhäusern soziale Isolation befördern könnte.

Dass dieses aus Sicht der Stadtverantwortlichen zum Glück im Stadtteil Richtsberg nicht so sei, liege daran, dass die Gemeinschaft seit Jahren gepflegt werde, betonte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bei der Übergabe der Nachbarschaftspreise im Gemeinschaftszentrum Richtsberg.

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Aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen waren drei Geehrte nicht anwesend. Dafür war die Stimmung aber bei den übrigen Preisträgern gut, auch wenn dieses Mal coronabedingt im kleinen Kreis gefeiert werden musste. 

Ortsvorsteherin Erika Lotz-Halilovic (SPD) berichtete, dass ansonsten bei den Feierlichkeiten für den alle zwei Jahre verliehenen Nachbarschaftspreis der Raum häufig aus allen Nähten platze. So seien beispielsweise vor zwei Jahren viele Kinder mit dabei gewesen, als auch einige Mütter geehrt wurden. Dieses Mal gab es für die Preisträger Urkunden, Blumen und jeweils eine kleine Geldsumme.

„Einmal Hausmeister, immer Hausmeister“

Eine doppelte Auszeichnung gab es in diesem Jahr für ein Ehepaar. „Helga und Ernst Zeppel zeichnen sich dadurch aus, dass sie aufmerksame Nachbarn sind. Vielen Neubürgern, die mit vielseitigen Problemen hier am Richtsberg ihr erstes Zuhause in Deutschland gefunden haben, stehen sie gerne mit ihrer freundlichen und hilfsbereiten Art zur Seite“, sagte OB Spies. Ernst Zeppel war in seiner Berufstätigkeit als Hausmeister der Gewobau auch im Stadtteil tätig und kennt deswegen viele Gebäude auch von innen.

„Einmal Hausmeister, immer Hausmeister“, erzählte Zeppel im Gespräch mit der OP. Und so hilft er auch heute noch bei kleineren Reparatur-Arbeiten im Stadtteil, wenn es beispielsweise um kaputte Zäune geht. Ausgezeichnet wurde aber genauso seine Ehefrau Helga. „Wir machen alles zusammen“, sagt Ernst Zeppel. Das gilt auch für die täglichen Rundgänge des Ehepaars am Richtsberg, bei denen sie beispielsweise im Wald auch viel Unrat entdecken und einsammeln.

Freude an Arbeit mit Blumen

Auch Beatrix Stegmann achtet darauf, dass ihr Wohnumfeld sauber ist. Als Fürsprecherin ihrer Nachbarschaft trägt die pensionierte Krankenschwester im Ortsbeirat oft deren Sorgen und Beschwerden vor. „Die wissen, dass ich gerne rede“, sagt sie der OP. Zudem hat Stegmann jahrelang im Kirchenvorstand der Emmauskirchengemeinde in der Leipziger Straße mitgearbeitet. Im Rahmen dieser ehrenamtlichen Tätigkeit arbeitet sie unter anderem im Kindergarten Berliner Straße mit. Gemeinsam mit den Kindern bestückt sie den Schaukasten je nach Jahreszeit. Derzeit geht es um das Herbst-Thema Drachen.

Helga Burlon ist mittlerweile 80 Jahre alt und schon seit Jahrzehnten am Richtsberg ansässig. Mittlerweile wohnt sie in einem Haus speziell für ältere Menschen. Zusammen mit zwei Mitbewohnerinnen pflegt sie die Blumenkästen vor dem Haus und Hochbeete im Garten. Unter Einhaltung der Abstandsregeln organisiert Helga Burlon seit dem Corona-Lockdown auch Spielenachmittage in ihrem Garten und schreibt leidenschaftlich über ihren Stadtteil Gedichte. Gute Nachbarschaft ist ihr wichtig. „Ich brauche den Kontakt zu den Menschen“, sagte sie.

Expertin für Mülltrennung

In Abwesenheit wurden auch drei weitere Richtsberger geehrt: Otfried Winkel, Elita Zimmermann und Sigrid Wagenknecht. Otfried Winkel ist als Architekt und Baugutachter im Alter von mehr als 90 Jahren mittlerweile ein Richtsberger Urgestein. „Winkel ist für die Anwohner der Erfurter Straße ein wesentlicher sozialer Mittelpunkt, nicht nur in der Kirchengemeinde, sondern auch bei vielen privaten Anlässen wie Straßenfesten. Er gehört immer dazu am Richtsberg“, sagte der Oberbürgermeister.

Elita Zimmermann hält die große Grünfläche um das Haus Am Richtsberg 10 sauber. Außerdem sorgt sie dafür, dass der Hausmüll in den Mülltonnen im dafür vorgesehenen Abstellbereich landet. „Sie ist immer freundlich und pflegt auch den Hauszugang und -eingang. Dank ihres Einsatzes sieht es dort sehr ordentlich und gepflegt aus“, sagte OB Spies.

Sigrid Wagenknecht lebt seit 1969 auf dem Richtsberg. Mit ihren Eltern und Geschwistern zog sie in einen Neubau in die Leipziger Straße. 1978 bezog sie mit ihrem Mann eine eigene Wohnung im Viertel, wo sie bis heute noch wohnt. Wagenknecht bereichert das tägliche Leben auf dem Richtsberg durch ihr soziales Engagement – ob Erzählcafé oder regelmäßige Flohmärkte. Sie war auch Ideengeberin des Kaffeeklatsches mit Sammeltassen für Senioren. Seit Jahren ist sie eine große Hilfe für die Brotbackgruppe und ehrenamtlich tätig im Gesundheitsgarten.

Von Manfred Hitzeroth