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Marburg Austausch mit Südafrika bleibt für immer präsent
Marburg Austausch mit Südafrika bleibt für immer präsent
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10:58 11.09.2021
Karl-Günter Balzer blickt auf ein erfülltes Berufsleben zurück.
Karl-Günter Balzer blickt auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Quelle: Tobias Hirsch
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Niederwetter

Für Karl-Günter Balzer geht ein langes, bewegendes, ereignisreiches und spannendes Berufsleben zu Ende. Am Samstag (11. September) wird der 65-jährige Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder aus erster Ehe offiziell mit einem Gottesdienst um 17 Uhr in der Stiftskirche in Wetter verabschiedet. Der gebürtige Brachter lebt heute mit seiner Frau Sabine Schönfeld in Niederwetter.

Zwischen Bracht und Niederwetter liegen einige Lebensstationen, die ihm viele interessante Begegnungen, Einblicke und Erfahrungen schenkten, insbesondere durch ein intensives Austauschprogramm mit Südafrika. Aber der Reihe nach. Balzer verwirklicht zum Start seiner beruflichen Karriere direkt seinen Berufswunsch Nummer eins. „Ich wollte Pfarrer werden und in einer Gemeinde wirken“, sagt er.

Beginn war 1985 in Schweinsberg

Und so startet er im Mai 1985 in der evangelischen Kirchengemeinde Schweinsberg als Pfarrer, und dies gleich mit zwei Zusatzaufträgen. Zum einen übernahm er in der Schule Religionsunterricht, zum anderen Landvolk-Arbeit unter dem Titel „Kirche und Arbeitswelt“. Nach fünf Jahren war er dann aber bereit für eine andere Aufgabe als Pfarrer. Er übernahm im Januar 1991 die Stelle des Stadtjugendpfarrers in Marburg. „Als mir diese Stelle angeboten wurde, fand ich es einfach spannend. Dass daraus 16 Jahre werden würden, hatte ich mir zum Start nicht ausgemalt.“

Diese Zeit war wohl sehr spannend, erlebnis- und abwechslungsreich. Er arbeitete mit einem Team von acht hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und rund 40 nebenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Es gab viel zu organisieren, beispielsweise Großveranstaltungen wie das Sommerfest der evangelischen Jugend, das Schülerband-Festival, Jugendgottesdienste auf Kirchenkreisebene, Andachten und Meditationen mit kleinen Gruppen.

Aufbau einer Jugendpartnerschaft

Und dann gab es da den Aufbau einer Jugendpartnerschaft mit dem Kirchenkreis Moretele in Südafrika. „Während einer Jugendfreizeit haben wir dort mitgeholfen, eine Kirche zu bauen. Wir waren sehr beeindruckt von den Menschen in Südafrika, von der Frömmigkeit und der Freundlichkeit. Und wir wollten die Menschen dort auch unbedingt zu uns einladen. Aber wie sollte das finanziert werden? Da kam mir eine wilde Idee. Weil die Südafrikaner alle so gut singen konnten, organisierte ich für sie einfach eine Tournee mit 15 Konzerten in vier Wochen.

Die Flugtickets wurden so vorfinanziert, und nach den Konzerten hatten wir einen deutlichen Überschuss, den wir dann noch als Südafrika-Hilfe zur Verfügung stellten“, schwärmt Balzer noch von dieser Zeit. Dann ging es in den Folgejahren tatsächlich jährlich hin und her zwischen Marburg und Moretele. Es entstanden nicht nur gute Kontakte, sondern richtige Freundschaften. „Das ist der beste Weg, Vorurteile erst gar nicht aufkommen zu lassen, die beste Prävention gegen Rassismus“, sagt Balzer.

Balzer entdeckte den Journalismus

Als er ab 2001 Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Marburg wird, entdeckt er eine neue Seite an sich selbst: den Journalismus und seine Möglichkeiten, Nachrichten und Themen umzusetzen. 2004 übernahm er als Chefredakteur ehrenamtlich die ökumenische Zeitschrift „Kirche in Marburg“. Schreiben, fotografieren, berichten – das machte ihm Spaß und macht ihm Spaß bis heute. Deshalb wird er nach dem offiziellen beruflichen Ende nicht wirklich mit allem einfach aufhören.

Er will dann nach seinen Vorstellungen weiter produktiv bleiben, gerne mit dem Fotoapparat, aber noch viel lieber mit einer Filmkamera. Eine entsprechende Homepage als Journalist (kgbalzer.net) ist schon längst vorhanden.

Halb Pfarrer, halb Medienbeauftragter

Aber jetzt noch einmal zurück. Als Karl-Günter Balzer 2007 wieder als Pfarrer in einer Gemeinde wirkte, in diesem Fall in der Lukasgemeinde Marburg, begann seine Zeit der halben Stellen, die bis heute andauert. So war er also nur auf halber Stelle Gemeindepfarrer, die zweite halbe Stelle ließ ihn zum Medienbeauftragten im Sprengel Waldeck und Marburg werden.

Nach einer kurzen Zeit als landeskirchlicher Pfarrer im Kirchenkreis Ziegenhain arbeitete er zuletzt seit 2013 als Öffentlichkeitsbeauftragter des Sprengels Waldeck und Marburg beziehungsweise nach Vergrößerung des Sprengels nur noch Marburg und als Pfarrer in der Fachstelle „Kirche im ländlichen Raum“ im Referat Wirtschaft, Arbeit, Soziales. „In der Schwalm hatte ich eine richtig gute Zeit, aber ich hatte mich da schon auf die beiden halben Stellen beworben, die ich dann auch bekam“, erklärt er die kurze Zeit in Ziegenhain.

Ein Büro muss er nicht räumen

Die neuen Aufgaben forderten ihn noch einmal. „Ich habe sie beide sehr gerne gemacht“, sagt er, wohl wissend, dass es keinen Nachfolger mehr geben wird. Die Sparbeschlüsse der Kirche wirken auch hier, und so fallen beide halben Stellen direkt nach ihm weg.

Ein Büro muss er nicht räumen, Balzer arbeitet bereits seit vielen Jahren im Homeoffice in Niederwetter, fährt nur zu Konferenzen und Besprechungen nach Kassel. Als Pfarrer ist Homeoffice für ihn kein Neuland gewesen, er hatte sich schon immer selbst zu organisieren. Dass es seine Arbeit nicht mehr geben wird, kann er verstehen, bedauert es aber auch. Denn so wirkte er für die Kirche in einem ganz anderen Umfeld, in der direkten Erlebenswelt der Menschen auf dem Lande auf beruflicher Ebene, aber auch auf sozialer Ebene in der Dorfgemeinschaft. Jetzt freut er sich, bald als freier Journalist auf Auftragsarbeiten und neue Herausforderungen.

Von Götz Schaub

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