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Marburg Die Verfolgung der Hexen in Hessen
Marburg Die Verfolgung der Hexen in Hessen
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12:57 13.09.2020
Professorin Marita Metz-Becker präsentiert die Hexenausstellung im Haus der Romantik am Markt 16. Foto: Tobias Hirsch
Professorin Marita Metz-Becker präsentiert die Hexenausstellung im Haus der Romantik am Markt 16. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

„… die Zauberinnen mögen verbrennet werden“ ist der Titel einer Ausstellung über „Hexenverfolgung in Hessen“, die zwar im Marburger Haus der Romantik zu sehen ist, aber wegen der Corona-Abstands- und Hygieneregeln am Donnerstag, 17. September, um 19 Uhr in den Räumen des Kunstvereins am Gerhard-Jahn-Platz eröffnet wird.

Den Eröffnungsvortrag hält Gunilla Rising Hintz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Marburger Hauses der Romantik zum Thema: „Hexenverfolgung in Schweden im 17. Jahrhundert. Ein Kampf zwischen überlieferten Traditionen und Protestantismus“.

Die vom Haus der Romantik in Kooperation mit der Universitätsstadt Marburg und der Geschichtswerkstatt Büdingen veranstaltete Sonderausstellung zeigt auf, wo und wann die Hexenverfolgungen in unserer Gegend stattfanden, wie die damalige Rechtsprechung aussah und wie die frühneuzeitliche Gesellschaft mit dem Delikt „Hexerei“ umging.

Im Mittelpunkt stand meist der Schadenszauber, denn für die Menschen jener Zeit war es überlebenswichtig zu erkennen, warum ein Kind starb, die Kuh erkrankte oder die Ernte verfaulte.

Selbst Angehörige wurden denunziert

Zu den frühneuzeitlichen Vorstellungswelten gehörte magisches Denken, Zauberglauben und der Glaube an einen Pakt mit dem Teufel. Allerdings waren die Ansichten über das Hexenverbrechen nie einheitlich. Immer gab es auch Stimmen, die die Existenz des Deliktes bestritten. Auch die Verfolgungen gestalteten sich in den hessischen Territorien unterschiedlich intensiv.

Die Ausstellung thematisiert ein „Hexendeutungsmuster“, das an das traditionelle magisch geprägte Weltbild der Bevölkerung anknüpfte und Elemente der kirchlichen Hexenlehre übernahm. Vor diesem Hintergrund schreckten viele Zeitgenossen nicht davor zurück, als Zeugen, Kläger oder Denunzianten auszusagen und damit Nachbarn und selbst nächste Angehörige, wie im Fall der Ännchen Schnabel, einer Enkelin der der Hexerei angeklagten Katharina Lips aus Betziesdorf, der „peinlichen Befragung“ (Folter) zu überantworten. Es werden auch aus anderen hessischen Territorien Fälle vorgestellt, etwa aus dem Büdinger und Ysenburger Raum.

Neben den 24 großformatigen Text- und Bildtafeln für Erwachsene findet sich ein sogenanntes „Märchenzimmer“ in der Ausstellung, in dem Kinder mit Märchenfiguren der Brüder Grimm spielen können und die Figur der Hexe in einem kindlichen Kontext behandelt wird. In den Vitrinen werden zahlreiche Bücher und Dokumente zur Hexenverfolgung in Deutschland und speziell auch in Hessen präsentiert.

Die Ausstellung ist bis 24. Januar 2021 zu sehen; geöffnet Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 13 und 14 biss 17 Uhr.

 

Programm

Das Haus der Romantik veranstaltet zusätzlich ein interessantes Begleitprogramm zur Ausstellung:
Vortrag von Dr. Elke Therre-Staal am 25. Oktober um 17 Uhr, Historischer Rathaussaal: „Das Bild der bösen Frau in den Märchen der Brüder Grimm.“
Führung am 7. November mit Professorin Dr. Marita Metz-Becker: „Von Hexen und Hebammen“ um 10 Uhr (gemeinsame Veranstaltung mit der VHS), Treffpunkt Hexenturm.

Exkursion zum Marburger Hexenturm am 8. November um 11.30 Uhr, Treffpunkt Haus der Romantik.
5. Dezember (Adventssamstag), 15 Uhr, Märchennachmittag für Kinder zum Thema „Hexen“ im Marburger Haus der Romantik.
Vortrag am 24. Januar 2021 von Professorin Dr. Eva Labouvie (Magdeburg): „Hexenglaube und Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit“.