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Marburg Hexentanz in Erbenhausen
Marburg Hexentanz in Erbenhausen
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11:00 30.05.2020
In Vitrinen liegen die historischen Dokumente. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Ausstellung „Zauberei ist des Teufels selbs eigen Werk – Hexenverfolgung und Hexenglaube in Hessen“ im Staatsarchiv am Friedrichsplatz war aufgrund der Corona-Einschränkungen zuletzt nicht zugänglich und wurde jetzt bis zum Jahresende verlängert.

Die aktuellen Regeln für den Besuch der Ausstellung: Es dürfen maximal fünf Besucher gleichzeitig kommen, die sich an die geltenden Regeln (Abstand, Hygiene und Alltagsmasken) halten müssen. Führungen sind momentan leider noch nicht möglich.

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Ausstellungsmacherin Eva Bender präsentiert ein Fundstück aus der Ausstellung, mit der das Marburger Hexenjahr eröffnet wurde. Die Akte behandelt den Prozess gegen Anna Dörr, der 1655 stattfand.

Die Frau war wegen Schadenzauber gegen Vieh und Mensch angeklagt worden. Gegen Ende der Verhöre, die unter Anwendung der Folter ein Geständnis erzielen wollten, gestand sie tatsächlich die Taten und schilderte dabei sehr anschaulich eines der Vergehen der "Hexerei": den Flug zum Hexensabbat oder im Wortlaut der Quelle: „zu den Tänzen“.

Verfolgungswelle in Kirchhain

Nachdem sie bereits in Erbenhausen auf einem Tanz gewesen war, hatte sie sich mit einer gelben Salbe an Beinen, Armen und dem gesamten Körper einschmieren müssen und konnte daraufhin mit ihrer Mutter, die ihr das Zaubern angeblich beigebracht hatte, zum Schornstein hinausfahren, also fliegen. Mit dabei waren die sogenannte Happelsche und die „Kirchhainer Weiber“, die schon vor Anna Dörr als „Hexen“ hingerichtet worden waren.

Neben der lokalen Verortung der heute noch gängigen Flurnamen wie Cappeler Feld und gebrannter Berg ist die Verknüpfung von Anna Dörrs Fall mit der Verfolgungswelle von „Hexen“ in Kirchhain aufschlussreich, die erst kurz zuvor eingesetzt hatte.

Kunst beschäftigte sich mit Hexen

So nannte (besagte) Anna bereits hingerichtete „Hexen“ und präsentierte sehr anschaulich die in den Urgichten, wie die Geständnisse zeitgenössisch genannt wurden, erwarteten Elemente der Hexerei wie den Teufelspakt, der durch die Teufelsbuhlschaft besiegelt wurde, und den Flug zum Hexensabbat. Der Schaden gegen Mensch und Vieh, den sie zaubernd erwirkte, gehörte auch dazu. Er war konkret greifbares Beiwerk zu den plastischen Schilderungen des Hexenwerks.

Die Dramatik der im Hexenkosmos verkehrten Welt wurde auch in illustrierenden Holzschnitten und Kupferstichen zu Publikationen über die Hexerei aufgegriffen. In dem Holzschnitt zu Johannes Praetorius‘ „Blocks Bergs Verrichtungen“ von 1668 wird der Hexentanz auf dem Brocken in der Walpurgisnacht dargestellt:

„Hexen“ beiderlei Geschlechts amüsieren sich mit dem Teufel in vielfältiger Gestalt, fliegen durch die Luft zum Tanzplatz, wo sich der Teufel als schwarzer Ziegenbock mehrfach zeigt und verehrt wird. Die Abkehr von Gott und die damit verbundene Hinwendung zum Teufel war das eigentliche Verbrechen der „Hexen“, das die Obrigkeit verfolgte.

Von Manfred Hitzeroth

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