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Marburg Ausstellung arbeitet Hexenverfolgung künstlerisch auf
Marburg Ausstellung arbeitet Hexenverfolgung künstlerisch auf
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15:55 05.10.2020
Michael Bartsch (von links), Helga-Katharina Berndt und Burgi Scheiblechner gehören zum Künstler-Team der Ausstellung „Will meinen Frieden finden ...“ Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

„Will meinen Frieden finden ...“ heißt eine Ausstellung im Marburger Rathaus, die sich künstlerisch mit der Hexenverfolgung auseinandersetzt und bis zum 21. Oktober zu sehen ist. Die Ausstellung ist Teil des Marburger Themenjahres „Andersartig – Hexen, Glaube, Verfolgung“. Ursprünglich sollte sie im April und Mai gezeigt werden – die Ausstellungspläne wurden damals jedoch wegen des Corona-Lockdowns abgesagt. Veranstaltet und organisiert wird die Ausstellung vom Verein Frauen-Kunst-Geschichte. Zehn heimische Künstlerinnen und der Marburger Künstler und Kurator der Schau, Michael Bartsch, wollen den wegen Hexerei unschuldig verfolgten, gefolterten und ermordeten Frauen und Männern ein „Gesicht“ geben.

Die Künstlerinnen Angelika Bernhammer, Helga-Katharina Berndt, Iris Kramer, Anne Heidenreich, Sibylle Markl, Sandra Ritter, Burgi Scheiblechner, Ilse Seidel-Schmalenbach, Elke Therre-Staal und Gerda Waha sowie Michael Bartsch haben ihr Ausstellungsprojekt seit Herbst 2018 vorbereitet. Zwei zentrale Projekte stehen im Mittelpunkt der Ausstellung: Zum einen sind dies fiktive Frauenporträts, zum anderen Tonköpfe. „Wir wollten den unbekannten Frauen ein Gesicht geben. Die Porträts stehen symbolhaft für die gefolterten und hingerichteten Frauen“, betont Bartsch.

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Ursprünglich sollte jede Künstlerin zwei dieser Porträts malen, aber es wurden mehr. Rund 70 dieser Bilder wurden zu Tableaus mit dem Titel „in memoriam“ zusammengefasst. Die Porträts sind in unterschiedlichsten Stilen gemalt oder gezeichnet worden, sie tragen die Handschriften der jeweiligen Künstlerinnen. Gleiches gilt für die etwa handgroßen Tonköpfe. Ergänzt werden die Porträts und Tonköpfe durch freie Arbeiten der beteiligten Künstlerinnen und Künstler, die sich ebenfalls sehr individuell mit dem Thema Hexenverfolgung auseinandersetzen.

„Man hat das Geständnis aus ihnen herausgepresst“

Der Titel „Will meinen Frieden finden ...“ nimmt ebenfalls direkt Bezug auf die grausame Verfolgung vor allem von Frauen. Es ist die Aussage einer als Hexe angeklagten Frau während einer sogenannten „peinlichen Befragung“, also der Folter. „Man hat das Geständnis aus ihnen herausgepresst“, sagt Helga-Katharina Berndt, die auch darauf verweist, dass einer der Kerker, in denen als Hexen angeklagte Menschen eingesperrt wurden, direkt unter dem Ausstellungssaal liegt.

Als das Team sein Projekt startete, gab es noch keine genauen Zahlen darüber, wie viele Menschen in Marburg und Umgebung und der Verfolgung als Hexe oder Hexer leiden mussten, erklärt Bartsch. Im Auftrag der Universitätsstadt Marburg hat der Historiker Dr. Ronald Füssel inzwischen die Marburger Hexenprozesse aufgearbeitet und seine Ergebnisse als Stadtschrift veröffentlicht. Seiner Untersuchung zufolge wurden in Marburg 22 Frauen und zwei Männer in der Zeit von 1517 bis 1688 wegen angeblicher Hexerei hingerichtet.

Die Ausstellung

Die Ausstellung ist bis zum 21. Oktober im unteren Rathaussaal zu sehen; geöffnet Dienstag bis Freitag von 13 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Wegen der Corona-Abstandsregeln dürfen maximal 15 Personen gleichzeitig die Ausstellung betrachten. Zu der Ausstellung ist ein informativer Katalog erschienen.

von Uwe Badouin

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