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Marburg Künstlerischer „Blick auf Marburg“
Marburg Künstlerischer „Blick auf Marburg“
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18:00 25.07.2022
Die Kunsthistorikerin Dagmar Fehrenbacher hat die Ausstellung mit Marburger Stadtansichten konzipiert.
Die Kunsthistorikerin Dagmar Fehrenbacher hat die Ausstellung mit Marburger Stadtansichten konzipiert. Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

Marburg ist eine schöne alte Stadt und ein sehr begehrtes Motiv. Sowohl bei heutigen Fotografinnen und Fotografen als auch bei Künstlerinnen und Künstlern. Anlässlich des Stadtgeburtstags Marburg800 präsentiert das Kunstmuseum der Philipps-Universität nun eine Ausstellung mit ausgewählten Stadtansichten aus seinem großen Depot: „Blick auf Marburg – Porträts einer Stadt“ ist die Schau betitelt, die von der Kunsthistorikerin Dagmar Fehrenbacher zusammengestellt wurde.

34 grafische Arbeiten und zwei Gemälde hat sie für die Ausstellung ausgewählt aus einem riesigen Bestand des Kunstmuseums. Gezeigt wird sie in dem neuen Raum, der der grafischen Sammlung gewidmet ist. Allein die grafische Sammlung des Kunstmuseums umfasst rund 10 000 Werke, die selten oder auch noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden, wie Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck erklärte. Rund 300 Marburger Stadtansichten besitzt das Kunstmuseum aus der Zeit vom 16. bis ins 20. Jahrhundert.

Älteste Ansicht stammt aus dem Jahr 1550

Die Ausstellung „Blick auf Marburg – Porträts einer Stadt“ ist bis zum 30. September zu sehen. Sie bietet ungewöhnliche Blicke auf die Stadt. Die älteste Ansicht stammt aus dem Jahr 1550. Es handelt sich um einen Holzschnitt auf Papier, der in einem sogenannten Städtebuch abgedruckt war – der „Cosmographey oder Beschreibung aller länder, herrschaften, fürnemste stetten, geschichten, gebreüche[n], hantierungen …“ von Sebastian Münster. Es war eine Art Reiseführer und Lexikon. Derartige Bücher waren damals populär und konnten 1 000 Seiten dick sein, weiß die Kuratorin Dagmar Fehrenbacher. Daneben hängt eine colorierte Radierung aus dem Jahr 1572 und schließlich eine Grafik von Matthias Merian aus dem Jahr 1646, der mit seinen Landkarten und Stadtansichten berühmt wurde.

Diese alten Grafiken zeigen ein mittelalterliches Marburg, dessen wichtigste Sehenswürdigkeiten wie Elisabethkirche, Schloss und Altstadt schon standen. Es sind aber keine rein dokumentarischen Arbeiten, sondern Interpretationen der Künstler, die das aus ihrer Sicht Wichtige betonen: Stadtmauern, Türme, Kirchen, Schloss und auch mal einen Galgen. Stadtmauern und Galgen signalisierten den damaligen Betrachtern, dass die Stadt sicher und wehrhaft ist, dass Diebe, Räuber oder Mörder bestraft werden.

Spannende Reise durch die Marburger Geschichte

Die Ausstellung bietet eine spannende Reise durch die Marburger Geschichte aus der Sicht von Künstlerinnen und Künstlern wie Paul Baum, Otto Ubbelohde oder Maria La Roche. Und sehr ungewöhnliche Darstellungen wie Tichy Bocks (1894–1976) Grafik „Baustelle Marburg 1964“. Die Künstlerin zeigt im Hintergrund die Stadt, die von riesigen Baukränen im Vordergrund überragt wird. Es könnte die Baustelle der Phil-Fak sein, vermutet Fehrenbacher.

Faszinierend sind die Blicke in die Gassen der Marburger Oberstadt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Sie zeigen: Marburg hat sich im Vergleich zu vielen anderen Städten nur wenig verändert.

Ganz ungewöhnlich ist das Gemälde „Marburg von Nordosten“ des Malers Domenico Quaglio (1787–1837). Er war einer der bedeutendsten Architektur- und Theatermaler der Romantik. Sein Bild aus dem Jahr 1828 zeigt eine Stadt als Kulisse für ein mittelalterliches Ideal. Elisabethkirche und Schloss sind zu erkennen, im Rest des großformatigen Gemäldes werden sich Marburg-Kenner verirren..

Die Ausstellung „Blick auf Marburg – Porträts einer Stadt“ ist bis zum 30. September im Kunstmuseum zu sehen; geöffnet Montag sowie Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, jeweils am letzten Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr.

Von Uwe Badouin

15:10 Uhr
17:46 Uhr