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Marburg Ausatmen zum Schutz vor Corona
Marburg Ausatmen zum Schutz vor Corona
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08:29 29.03.2021
Dr. Gerhard Scheuch (links) erläutert Sabine Patounis vom DRK-Altenheim Gemünden und DRK-Kreisgeschäftsführer Christian Peter (rechts) den geplanten Atemtest. Mit dabei Scheuchs Kollegen Axel Fischer (2. von links) und Rolf Naumann. Scheuch und Patounis hatten vorm Fototermin sowohl bei einem Corona-Schnelltest als auch bei einem Atemtest negative Ergebnisse, so dass sie hier keine Maske tragen.
Dr. Gerhard Scheuch (links) erläutert Sabine Patounis vom DRK-Altenheim Gemünden und DRK-Kreisgeschäftsführer Christian Peter (rechts) den geplanten Atemtest. Mit dabei Scheuchs Kollegen Axel Fischer (2. von links) und Rolf Naumann. Scheuch und Patounis hatten vorm Fototermin sowohl bei einem Corona-Schnelltest als auch bei einem Atemtest negative Ergebnisse, so dass sie hier keine Maske tragen. Quelle: Foto: Martina Biedenbach
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Gemünden

Es sind nur wenige 100 Partikel pro Minute. „Das ist vollkommen okay“, sagt Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch.

Ab zirka 5 000 Partikeln wäre die Gefahr, dass sie einen Infekt hat und andere ansteckt, sehr wahrscheinlich. Das haben mehr als 1 000 Messungen des Gemündener Wissenschaftlers und seiner Mitstreiter ergeben. Nun wollen sie den Zusammenhang zwischen der Anzahl ausgeatmeter Aerosole und der Infektionsgefahr wissenschaftlich einwandfrei beweisen mit einer groß angelegten Studie in 100 Altenheimen.

„Altenheime eignen sich dafür, weil sie geschlossene Systeme sind“, erläutert Scheuch. Es werde, anders als etwa in Schulen, genau erfasst, wer wann Zugang zum Heim hat. Der Plan ist nämlich, dass jeder, der hineingeht, egal ob Mitarbeiter, Besucher oder Lieferant, sich zunächst dem Atemtest unterzieht, der bei routinemäßiger Handhabung 30 Sekunden dauert. Weist jemand eine Aerosolkonzentration von über 5 000 Partikeln pro Liter Luft auf, sollte er die Einrichtung nicht betreten.

Scheuch: Luftfilter sind für Altenheime besonders wichtig

Da in allen Altenheimen derzeit auch Corona-Schnelltests erfolgen, können die Forscher ihr Ergebnis mit dem Schnelltestergebnis vergleichen. Aber auch alle anderen ähnlichen Infektionen, zum Beispiel Influenza, werden protokolliert. Denn all diese Viren verbreiten sich laut Scheuch über die Atemluft, und das ist in Einrichtungen wie Altenheimen, wo viele Menschen leben und sich rund um die Uhr aufhalten, besonders gefährlich.

„Solche Cluster-Infektionen haben wir gerade in Altenheimen beobachtet. Und Forschungen haben ergeben, dass bisher die Hälfte aller in Deutschland mit oder an Corona Verstorbenen Altenheimbewohner waren.“ Deshalb sei es auch besonders in Altenheimen nötig, Hepa-Luftfilter aufzustellen. „Entsprechende Geräte gibt es für 300 bis 500 Euro. Die müssen nicht mehrere 1 000 Euro kosten“, sagt der Experte.

Bei der geplanten Atemtest-Studie sollen den Altenheimen weder zusätzlicher Aufwand noch Kosten entstehen. Ein geschultes Team wird die Messungen am Eingang der Altenheime vornehmen; in Gemünden wird das von der Frühschicht um 7 Uhr bis zur Nachtschicht um 21 Uhr sein. Die üblichen regelmäßigen Schnelltests der Mitarbeiter und Besucher nimmt das Heim, entsprechend den Vorschriften, natürlich genau so weiter vor wie bisher. „Wir sind dabei“, sagt die Gemündener Heimleiterin Sabine Patounis begeistert ihre Bereitschaft, an der Studie mitzumachen. Ihr Chef Christian Peter, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Frankenberg, erweitert die Zusage auch auf die DRK-Heime in Battenberg und Sachsenhausen sowie das neue Heim in Frankenberg, das im Mai eröffnet wird. „Die Studie klingt erfolgversprechend und sie bietet zusätzlichen Schutz für die Heime“, sagt Peter.

Vielleicht werden solche Atemtests einmal Standard beim Zugang zu gefährdeten Einrichtungen. Derzeit kostet ein Resp-Aer-Meter allerdings noch 15 000 Euro. Er könnte aber vielleicht andere Sicherheitsmaßnahmen wie Schnelltests überflüssig machen, wenn die Studie Scheuchs Annahme bestätigt.

Ansprechpartner: Firmen oder Altenheime, die die Studie unterstützen wollen, wenden sich an: Dr. Gerhard Scheuch, GS Bio-Inhalation GmbH, Wohraer Straße 37, 35285 Gemünden Telefon 0 64 53 / 58 53 03 0, E-Mail: info@bio-inhalation.com; oder an Axel Fischer, Activoris Medizintechnik GmbH, ebenfalls Gemünden, Telefonnummer 0 66 91 / 97 99 00, E-Mail: axel.fischer@activoris.com

Das sind die Ziele

Die Studie hat laut Dr. Gerhard Scheuch mehrere Ziele:

Kurzfristiges Ziel: Zunächst soll wissenschaftlich geklärt werden, ob die Messung ausgeatmeter Aerosole hilft, Superemitter zu erkennen und somit Cluster-Infektionen zu reduzieren.

Langfristiges Ziel: Die Corona-Mutanten können weiterhin starke Ausbrüche in der besonders gefährdeten Gruppe der älteren Menschen verursachen und dies insbesondere, wenn diese enger zusammenleben. Sollte die Impfung
keinen oder nur wenigen Schutz bei manchen Bewohnern bieten, hätte man eine
Möglichkeit, mit sehr geringem zeitlichem Aufwand eine Schutzwand vor den vulnerablen Gruppen aufzubauen. Zudem würden die Ergebnisse auch bei anderen Viruserkrankungen wie Influenza oder Erkältungskrankheiten helfen,
denn da gibt es auch Superspreader.

Breite Anwendung: Die Ergebnisse wären richtungsweisend auch für den Einsatz der Methode an Flughäfen, in Krankenhäusern, öffentlichen
Einrichtungen, Industrie etc. Die MT Melsungen testet mit dem Gerät derzeit ihre Handballspieler. mab

Von Martina Biedenbach

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