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Marburg Ex-Sportmakler wegen Betrugs vor Gericht
Marburg Ex-Sportmakler wegen Betrugs vor Gericht
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09:58 23.09.2019
(Symbolfoto) Mit seiner Betrugsmasche soll ein Hinterländer mehrere Zehntausend Euro ergaunert haben. Quelle: Daniel Reinhardt
Marburg

In Dutzenden Fällen soll der Mann aus dem Hinterland mit verschiedenen betrügerischen Maschen versucht haben, sich zu bereichern. Von Juni bis Dezember 2016 soll er laut Anklage in 36 Fällen den Betrug auf folgende Weise versucht haben: Über sein Unternehmen soll er im Laufe der Zeit bei mehreren Banken Konten mit einer Lastschrift-Inkassovereinbarung eröffnet haben.

Laut eines Zeugen sollen dort zunächst normale Bareinzahlungen und Rentenzahlungen eingegangen sein. Doch dann habe der Angeklagte bei Konten anderer Sportvermittlerfirmen im Lastschriftverfahren Beträge abgebucht – mit der Absicht, diese schnell in einem unübersichtlichen Geflecht eigener Konten zu transferieren oder rasch abzuheben, bevor die geschädigten Firmen den Betrug bemerkten und Rückbuchungen auslösen konnten.

Dabei habe der Mann dubiose Verwendungszwecke wie „Dubai Transfer“ angegeben. Eine Bank, der die Geldtransaktionen laut Zeugen als suspekt aufgefallen war, habe irgendwann von dem Angeklagten verlangt, die Rechtmäßigkeit der Lastschriften nachzuweisen. Daraufhin habe er handschriftliche Rechnungen aus angeblichen Spielervermittlungen vorgelegt. Diese seien laut Zeugen „nicht glaubwürdig“ gewesen.
Auch habe der 69-Jährige ­teilweise SEPA-Lastschriftmandate eingereicht, die die betreffende Bank laut Zeugen aber nicht ausgeführt habe, da die Firma nach Hörensagen schon anderen Banken aufgefallen war.

Im genannten Zeitraum soll der Angeklagte versucht haben, insgesamt rund 200.000 Euro zu ergaunern. Bis zu 92.000 Euro seien zeitweise auf das Konto gelangt. In einem weiteren Betrugsversuch soll der Angeklagte Lastschrifteinzüge, insgesamt im Wert von mindestens 50.000 Euro, zulasten eines eigenen Kontos vorgenommen haben, das keine Deckung aufwies – er habe also versucht, Geld zu erlangen, das nicht existierte.

Dem 69-Jährigen wird außerdem vorgeworfen, dass er 2018 in der Filiale einer Bank, bei der er zuvor ein Konto eröffnet hatte, zwei Schecks im Wert von jeweils gut 5.000 Euro vorgelegt habe – und das, obwohl er gewusst habe, dass sein Pfändungsschutzkonto nicht über ausreichende Deckung verfügt habe. Der Bank seien die Transaktionen schon vorher als suspekt aufgefallen, weshalb eigentlich eine Sperre auf dem Konto lag.

Jedoch hätten die Mitarbeiter in der Filiale dies laut eines Zeugen wohl übersehen. Der Angeklagte sei also auf diese Weise an einen Betrag von mehr als 10.000 Euro gelangt. Der 69-Jährige selbst schwieg am ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen. Wie sein Pflichtverteidiger Sascha Marks sagte, könne sich dies im Laufe des Verfahrens noch ändern. 

Einen der Zeugen hatte der Angeklagte selbst benannt. Durch seine Aussage sollte gezeigt werden, dass ein Teil der Zahlungseingänge rechtmäßig war. Also sagte ein 44-jähriger ehemaliger Profi-Fußballer aus. Der Angeklagte habe ihm ein schmackhaftes Angebot in Aussicht gestellt: Trainer eines hochklassigen Fußball-Vereins in Dubai. Dabei sei die Rede von Millionen-Gehältern gewesen. Man könne vor Ort alles regeln, er brauche dafür aber eine Vorauszahlung.

Diese habe der Fußball-Profi überwiesen und sei mit nach Dubai geflogen. Man habe sie abgeholt und in ein „hohes Gebäude mit edlen Büros“ gebracht. „Unter‘m Strich war‘s ‘ne Ente. Auf diese Art und Weise bin ich noch nie verarscht worden“, so der 44-Jährige.

Die Verhandlung wird am Dienstag, 8. Oktober, um 10 Uhr fortgesetzt.

von Beatrix Achinger