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Marburg Großer Sportmakler oder Betrüger?
Marburg Großer Sportmakler oder Betrüger?
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18:57 12.10.2019
Laut den Aussagen des angeklagten Sportmaklers waren auch zahlreiche Bundesliga-Spieler seine Kunden. Quelle: Oliver Acker/dpa
Marburg

Am zweiten Verhandlungstag um den mutmaßlichen Betrugsfall mit Lastschriften auf ein verzweigtes Kontengeflecht verteidigte sich der Angeklagte aus dem Hinterland mit seiner Aussage erstmals gegen das bisher Gehörte.

Zunächst sagte aber ein Kommissar aus, der mit diesen Ermittlungen umfassend betraut war. Er berichtete von Wohnungsdurchsuchungen.

„Es war ein einziges Durcheinander“, so der Zeuge über den Zustand des Büros, Belege hätten lose auf einem Haufen gelegen. „Ich konnte nichts erkennen, was auf eine aktuelle Geschäftstätigkeit hingewiesen hätte.“

Polizei war schon einmal bei ihm

In einer anderen Sache habe dieser Ermittlungsbeamte die Wohnung des Angeklagten bereits vor Jahren einmal durchsucht – und auch damals habe der heute 69-Jährige behauptet, als Sportvermittler im Profi-Fußball weltweit tätig zu sein.

Auch jetzt nannte der Angeklagte vor Gericht große internationale Vereine als Kunden. Der Beamte habe bei der jüngsten Durchsuchung auch ein Notizbuch mit Namen von Profi-Fußballern gefunden. Er habe weiter einen Computer beschlagnahmt, auf dem Hinweise von den aktenkundigen Bankverbindungen und der Online-Banking-Tätigkeit gefunden worden seien.

Bank: Täglich bis zu 500.000 Euro bewegt

In den zahlreichen angeklagten Fällen geht es um Konten bei mehreren Banken. Bei einer der Banken habe der Angeklagte etwa ein Konto mit einer Lastschrift-Inkassovereinbarung eröffnet. Aufgrund der vertraglich festgelegten Ermächtigungen sei wohl diese Bank laut einer späteren Stellungnahme bei jeder Lastschrift davon ausgegangen, dass das entsprechende Mandat vorliege.

Die Verfahrensbeteiligten zeigten sich sehr verwundert über ein Schreiben bezüglich der Kontoeröffnung seitens dieser Bank. Darin heißt es, dass der Angeklagte von diesem Konto täglich eine Summe von bis zu 500.000 Euro bewegen könne. Der 69-Jährige hatte dazu eine Erklärung: „Mein Name hat den Verein dieser Stadt in die erste Fußball-Bundesliga gebracht. Man kennt meinen Namen dort und die Bank witterte Geld.“

Jeden Tag 15 Anrufe von Profis

Zu seinen Erfahrungen mit der Bank sagte er weiter: „Die machen nur Kauderwelsch. 500.000 Euro täglich sind nach meiner Rechnung 15 Millionen im Monat! Die Arbeit dort funktioniert wie in Call-Centern. Wer an einem Tag da ist, ist am nächsten Tag nicht mehr da.“

Und auch auf den vorgehaltenen Zustand seines Büros reagierte er: „Wenn ich Profi-Fußballer vermittle, brauche ich keine Akten oder Laptop. Ich brauche die Handynummern und die rufe ich an. Ich habe jeden Tag 15 Anrufe von Profis, die alle in höheren Ligen spielen wollen. Die kann ich gar nicht alle bedienen.“

„Ich habe meine Dienstleistung erfüllt“

Richter Dominik Best hakte nach: „Der Profi-Fußballer, der am ersten Verhandlungstag ausgesagt hat, war nicht sehr erbaut, nachdem Sie mit ihm gearbeitet haben.“ Dazu entgegnet der Angeklagte: „Der war begeistert, mit mir nach Dubai zu fliegen. Aber der Scheich war von ihm nicht begeistert, deswegen hat es nicht geklappt. Ich habe meine Dienstleistung erfüllt.“

Auch berichtet der 69-Jährige, dass er bei einem perfekten Transfer sechsstellige Summen im Jahr einnehme, so auch zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt 2016.

Dreiwochenfrist wird verstreichen

Die Geldtransaktionen bei einer anderen Bank soll der Angeklagte laut Zeugen über ein bei einem Zahlungsdienstleister gemietetes PC-Cash-Terminal vorgenommen haben. Damit seien eben auch Lastschriften möglich gewesen. Einer der Zeugen hatte bei der Vertriebsfirma des Terminals gearbeitet. Er sagte: „Für die Geräte wurde keine einzige Rechnung bezahlt. Dem Angeklagten wurde nach drei bis vier Monaten fristlos gekündigt.“

Auf Anfrage des Gerichts zeigten sich der Angeklagte und sein Verteidiger Sascha Marks bereit, den Steuerberater des 69-Jährigen von seiner Schweigepflicht zu entbinden. Da die Verfahrensbeteiligten aber innerhalb der Dreiwochenfrist keinen Fortsetzungstermin fanden, wird das Verfahren ausgesetzt. Es beginnt also zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt von vorn.

von Beatrix Achinger