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Marburg Aufholjagd am Arbeitsmarkt auch im November
Marburg Aufholjagd am Arbeitsmarkt auch im November
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20:19 30.11.2021
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist binnen Jahresfrist um 17,3 Prozent gesunken.
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist binnen Jahresfrist um 17,3 Prozent gesunken. Quelle: Foto: Sebastian Gollnow
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Marburg

„Das ist ein Riesenminus, das ich so nicht erwartet hätte“, kommentiert Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit, die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Denn: 4 553 Menschen im Landkreis waren ohne Arbeit – 952 weniger als vor einem Jahr, was einem Minus von 17,3 Prozent entspricht. Vor allem im Versichertenbereich – also der Zuständigkeit der Arbeitsagentur – habe es einen immensen Rückgang der Arbeitslosen gegeben. Dort seien 1 804 Menschen arbeitslos gewesen, „das ist ein Riesen-Minus von 29,1 Prozent gegenüber dem zugegeben schlechten Vorjahreswert“, so Breustedt. Denn: Vergangenes Jahr trat im November der Lockdown in Kraft und sorgte für eine immense Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt.

Auch die Arbeitslosenquote von 3,4 Prozent nach 4,1 Prozent im Vorjahr „hätten wir so nicht prognostiziert“, sagt Breustedt. In Marburg beträgt die Quote 3,8 Prozent. In Stadtallendorf liegt die Quote bei lediglich 2,9 Prozent, in Biedenkopf bei 3,0 – somit herrscht im Hinterland und im Ostkreis nominell Vollbeschäftigung. Doch werde die geringe Zahl der Arbeitslosen massiv durch die Kurzarbeit gestützt, „sonst sähe der Wert ganz anders aus“.

So gab es im Juli – dem letzten durch die Statistik greifbaren Wert – konjunkturelle Kurzarbeit bei 1 840 Personen in 329 Betrieben. Zum Vergleich: Im Juni waren es noch 3 075 Personen in 484 Betrieben, im April 5 007 Personen in 759 Betrieben. „Es gab also mit sinkender Kurzarbeit eine sehr gute Entwicklung in den Sommer hinein“, sagt Breustedt.

Abgesagte Feiern treffen die Gastronomie hart

Doch mit Blick auf die wieder stark gestiegenen Infektionszahlen warte man nun darauf, „welche Betriebe eventuell welche Einschränkungen bekommen“ – Stichwort Corona-Gipfel. Unabhängig von noch ausstehenden Beschlüssen gebe es jedoch „auch jetzt schon wieder die Signale, dass der ein oder andere Betrieb wieder Kurzarbeit anmelden will, weil beispielsweise im Gastgewerbe Weihnachtsfeiern ausfallen“, verdeutlicht der Agentur-Chef.

Als positiv bewertet er die 3G-Regelung am Arbeitsplatz, „das ist das Beste seit der Erfindung von geschnittenem Brot. Denn dadurch hält man die Infektionszahlen im Griff und kann weiter produzieren. Außerdem gibt es für die Unternehmen eine gewisse Sicherheit.“

An der insgesamt positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt konnten auch die eher schwierig zu vermittelnden Personengruppen teilhaben, wie Breustedt erläutert. So sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 4,7 Prozent gesunken, die Schwerbehindertenarbeitslosigkeit sank um 8,8 Prozent.

Die Zahl von Menschen, die direkt aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos wurden, sank um ein halbes Prozent auf 381 Personen, außerdem „schwächeln auch die Abgänge in Erwerb mit 361 Personen – das ist ein Minus von 12,8 Prozent“. Dem gegenüber wurden der Arbeitsagentur im November 686 neue Arbeitsstellen gemeldet, 215 oder rund 46 Prozent mehr als vor einem Jahr und 32 oder rund 5 Prozent mehr, als im Oktober. Stelle man die Abgänge in Erwerb und die gemeldeten Stellen gegenüber, dann zeige dies, „dass wir erhebliche Schwierigkeiten haben, manche Personengruppen in Arbeit zu bringen – und auf der anderen Seite haben wir Arbeitgeber, die Qualifikationen suchen, die schwer zu finden sind“. Auch das habe damit zu tun, „dass die Betriebe ihre gut qualifizierten Menschen über das Kurzarbeitergeld gehalten haben“.

Es gebe also eine Qualifikationslücke. Die Situation werde auch dadurch verschärft, „dass wir kaum Menschen für eine berufliche Weiterbildung motivieren können“ – deren Zahl sei im Vergleich zum Vorjahr um 73 Personen oder nahezu 16 Prozent gesunken. Dabei sei die Chance für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht oder gar arbeitslos seien, derzeit sehr gut, mit einer Weiterbildung einen Job zu finden.

1 006 Personen meldeten sich arbeitslos; das waren 104 Menschen oder 9,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Parallel dazu meldeten sich 1 167 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab – 224 Personen oder rund 16 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Positive Entwicklung auch bei den Langzeitarbeitslosen

Im Vergleich zum Vormonat sinkt die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis Marburg-Biedenkopf deutlich. Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises Marburg-Biedenkopf meldet 2 749 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die arbeitslos sind. Das ist ein Rückgang von 96 Personen oder 3,4 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr gibt es einen Rückgang der Arbeitslosen in der Zuständigkeit des KJC um 213 Personen oder 7,2 Prozent. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt in diesem Monat bei 2,1 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 2,2 Prozent.

„Bisher hält der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt an. Dennoch müssen wir damit rechnen, dass die positive Entwicklung gedämpfter verlaufen wird, als es noch vor ein paar Wochen der Fall war. Die Situation ist fragil“, ordnete der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) die Situation ein.

Von Andreas Schmidt