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Marburg Auf guten Wegen durch Marburg radeln
Marburg Auf guten Wegen durch Marburg radeln
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11:58 17.05.2021
Boris Lang (von links), Professor Norbert Donner-Banzhoff und Dr. Ulrich Schu schufen eine Karte fürs Radfahren in Marburg auf guten Wegen.
Boris Lang (von links), Professor Norbert Donner-Banzhoff und Dr. Ulrich Schu schufen eine Karte fürs Radfahren in Marburg auf guten Wegen. Quelle: Gianfranco Fain
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Marburg

Drei passionierte Radfahrer, ein unerfüllter Wunsch: eine Radfahrkarte für die Stadt Marburg und das Umland. Lange trugen Boris Lang, Professor Norbert Donner-Banzhoff und Dr. Ulrich Schu diesen Gedanken in sich und beschlossen vor gut einem Jahr: Wenn’s die Stadtverwaltung nicht schafft, dann machen wir es eben selbst. Dies war aber aufgrund der Pandemie-Situation gar nicht so leicht, trafen sich die drei Fahrradbegeisterten bis zum Mittwoch doch noch nie persönlich.

So begann im Juli 2020 ein echtes „Corona-Projekt“, bei dem die gesamte Kommunikation über Telefon, E-Mail und Videomeetings erfolgte. Das Ziel – mit der Fahrradkarte sollen Radelnde gut durch Marburg kommen –, war klar, die Kriterien, die dahin führen sollten, bald festgelegt: sicher, also möglichst ohne Berührungspunkte mit dem motorisierten Verkehr, schnell, wobei nicht die kürzeste, sondern die fürs Radfahren von der Oberfläche oder dem Verlauf am besten geeigneten Varianten zählen, angenehm, was mit dem Genuss der Durchfahrt schöner Landschaften verbunden ist. 

„Um solche Strecken festzulegen, mussten wir natürlich Kompromisse bei den Kriterien eingehen“, bekennt Donner-Banzhoff. Der 64-Jährige nutzt das Familienauto seit Jahren nur für Großeinkäufe. Als Folge lassen sie ausgewiesene Radwege oftmals links liegen. „Auf den kombinierten Radwegen kommt es oft zu Konflikten mit den Fußgängern“, beschreibt Boris Lang einen Grund. Der 50-Jährige besitzt seit 25 Jahren kein Auto mehr und pendelt neuerdings täglich von Amönau nach Marburg zur Arbeit – allerdings mit einem E-Bike. In seiner Freizeit ist Lang auch für die „IG Mobilität – Interessengemeinschaft zur Förderung sanfter Mobilität“ aktiv, verfasst unter anderem Beiträge auf deren Homepage. Auch der 60-jährige Ulrich Schu ist täglich mit dem Rad unterwegs und meidet die markierten Fahrradstreifen auf den Straßen, da diese die Autofahrer dazu verleiten, ohne ausreichenden Sicherheitsabstand an ihm vorbeizufahren.

Die drei Radfahrer nutzten ihre Ortskenntnis, begannen Strecken abzufahren und erfassten die Geodaten in einer zentralen Cloud. So kamen 65 Routen mit insgesamt 130 Kilometern zusammen. Das Ergebnis bestätigt die Meinung Donner-Banzhoffs: „Man kann in Marburg auch für Alltagsfahrten gut radeln, aber die guten Wege sind nicht offensichtlich.“ Denn die Strecken führen nicht immer über ausgewiesene Radwege, es geht auch an der Lahn entlang, durch den Wald oder Wohnsiedlungen. Die Strecken sind zwar weitgehend ampelfrei, auf der Karte sind aber auch problematische Punkte wie Steigungen oder fehlende Querungen markiert.

Die interaktive Karte ist unter www.marburg-biedenkopf-mobil.de abrufbar, Ulrich Schu rät aber vor allem Marburg-Neulingen, diese aufs Navigationsgerät runterzuladen, da die Routen nicht ausgeschildert sind.

Auch die Stadt Marburg soll als Auslöser des Projekts der drei fahrradbegeisterten Männer profitieren, will die Universitätsstadt doch in die Bestenlisten im ADFC-Fahrradklimatest gelangen. Der Weg forthin ist schon lang. Erste Ansätze, den Radverkehr zu fördern, gab es nach Recherchen der drei Initiatoren zwar schon 1980, und eine Übersicht sollte schon 1998 im Zuge des Radverkehrsentwicklungsplanes erstellt werden, doch erst nach einem Antrag der Fraktionen B90/Die Grünen und SPD im Januar 2013 nahm das Anliegen Fahrt auf. Im Mai 2015 wurde der Plan veröffentlicht, ist heute aber weder bei der Stadt noch beim Touristikverband bestellbar und von einer digitalen Form gibt es keine Spur. „Deshalb schenken wir der Stadt unsern Plan zum 800-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr“, verspricht Ulrich Schu.

Von Gianfranco Fain

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