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Marburg Auf die Plätze, fertig, Schulstart!
Marburg Auf die Plätze, fertig, Schulstart!
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20:59 12.08.2019
Jeder Stift, jedes Heft, jede Mappe will beschriftet werden. Janne ist stolz, das er das selbst machen kann. Auch seine erste Hausaufgabe, die ihm die Klassenlehrerin per Post zugeschickt hat, hat er bereits erledigt und im Ranzen verstaut. Quelle: Katharina Kaufmann-Hirsch
Kirchhain

„Ich bin erstklassig“ steht auf Jannes T-Shirt. Er hat es zum Abschied aus dem Kindergarten bekommen und will es auch heute – an seinem ersten Schultag – tragen. Was erstklassig bedeutet, hat die Mama ihm erklärt: „Das bedeutet, ich bin ein Erstklässler, ein Kind, das in die erste Klasse kommt“, sagt er voller Stolz.

Darauf hat er sich mächtig gefreut. Das letzte Jahr in der Kindertagesstätte war er ein sogenannter „Schulanfänger“ – in verschiedenen Projekten wurden die Kinder dabei auf den Schulstart vorbereitet. Während der Bücherwochen lernten sie wie Bücher und Geschichten funktionieren, im Zahlenland den Umgang mit Zahlen, während der Verkehrswochen stand die Sicherheit auf und an der Straße im Mittelpunkt und zu guter letzt wurde sogar die Grundschule besucht und erkundet.

Lehrerin hat sich im Kindergarten vorgestellt

Janne ist bereit – und sehr aufgeregt. Seit Tagen dreht sich für ihn alles um diesen ersten Schultag heute. Der Ranzen, den er sich ausgesucht hat, steht bereit. X-mal wurde er bereits aus- und wieder eingeräumt.

Die Hefte und Stifte sind beschriftet, Wasserfarben, Pinsel und Knete bereits im Klassenraum abgegeben. „Das hab ich mit der Mama schon erledigt“, erklärt der Sechsjährige und ergänzt: „Nur was in der Schultüte, die die Mama gebastelt hat, drin ist, weiß ich nicht. Das ist eine Überraschung.“

Neben einem Wecker, einem SOS-Armband, einem Kartenspiel und mehreren Stickerbögen enthält Jannes Schultüte ein zum Schulranzen passendes Schlampermäppchen und einen Turnbeutel. Auch ein paar Süßigkeiten stecken darin.

Die Landeszahnärztekammer Hessen empfiehlt, beim Füllen der Schultüten auch an die Zahngesundheit der Kinder zu denken. „Im Übrigen schadet Zucker nicht nur den Zähnen, sondern auch der Figur. Aus dicken Kindern werden oft chronisch kranke dicke Erwachsene“, warnt Dr. Alfons Kreissl, stellvertretender Vor­standsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen.

Janne ist das egal – er ist aufgeregt. Sehr aufgeregt. An Essen kann er jetzt sowieso nicht denken. Um 9 Uhr startet für ihn der „Ernst des Lebens“ mit einem Einschulungsgottesdienst in der Kirche, gefolgt von der Einschulungsfeier in der Grundschule und schließlich der allerersten Schulstunde. „Meine Klassenlehrerin kenne ich schon. Sie hat mich nämlich im Kindergarten besucht“, berichtet der Sechsjährige: „Ich glaube, sie ist ganz okay.“

In der vergangenen Woche hat sie Janne und seinen Klassenkameraden zudem einen Brief geschrieben. Darin stellt sich die Lehrerin schon mal vor und stellt eine erste Aufgabe. „Male und fülle den Steckbrief über dich gemeinsam mit deinen Eltern aus und bringe ihn zu unserer ersten Schulstunde mit“, hat sie geschrieben. Janne hat das gleich am selben Tag noch erledigt.

Mit großer Genauigkeit und Akribie hat er einen Fußballer gezeichnet, weil er gerne Fußball spielt, hat seinen Namen und sein Geburtsdatum eingetragen. „Meine Lieblingstiere hat die Mama aufgeschrieben. Weil ich ja noch nicht schreiben kann“, erklärt er und verkündet voller Aufregung: „Das lerne ich ja erst heute in der Schule.“

Auftakt ohne zwei Zähne aber mit vier Freunden

Am anderen Ende des Landkreises ist die Anspannung ebenfalls groß. Obwohl sich der kleine Nils betont lässig gibt. „Nur ein bisschen“, antwortet er auf die Frage, ob er denn nicht aufgeregt sei vor seinem allerersten Schultag. Aber egal wie cool der kleine Wallauer tut – dass da etwas Besonderes auf ihn zukommt, weiß der Sechsjährige natürlich ganz genau.

Immerhin hat er auch schon erfahren, dass die „Großen“ aus der vierten Klasse heute ab 10 Uhr etwas in der Wallauer Sporthalle aufführen. Und natürlich ist da die Sache mit der Schultüte, die er zusammen mit Mama Angela ausgesucht hat. Deren Inhalt wird der Sechsjährige heute noch ausgiebig begutachten – mit besonderem Augenmerk auf den Süßigkeiten. Wobei ihm gerade in dieser wichtigen Phase zwei Schneidezähne abhanden gekommen sind.

Aber so ist das eben in dem Alter. Trotzdem alles besser, als bisher, findet Nils. Denn die „Kleinen“ im Kindergarten haben ihn jetzt sowieso lange genug genervt. Auch deswegen freut er sich umso mehr auf die neue Welt. Und das Wichtigste für einen gelungenen Schulstart hat er auch schon: „Vier gute Freunde sind in meiner Klasse“, sagt er. Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

von Katharina Kaufmann-Hirsch
 und Dennis Siepmann