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Marburg Auf den Spuren der 68er-Bewegung
Marburg Auf den Spuren der 68er-Bewegung
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00:17 22.06.2018
Während der Stadtführung „68er Spätlese“ trafen sich diese Teilnehmer. Quelle: Felix Busjaeger
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Marburg

Anlässlich dieses Jubiläums zogen die Marburger Gästeführer mit Interessierten durch die Straßen und erlebten die Geschichte. Als in westdeutschen Städten in den 60er-Jahren die Studenten auf die Straßen gingen, machten sie sich stark für eine umfassende Demokratisierung und Emanzipation aller Menschen sowie gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Die junge Generation rebellierte gegen die Prinzipien der Elterngeneration, strebte nach neuen Idealen und sprach sich für eine Ent­tabuisierung der Sexualität aus.

In der Universitätsstadt Marburg war es anfangs noch friedlicher als in den Ballungszentren der Proteste, doch nach und nach formierte sich der ­Widerstand mit ausgedehnten Protestaktionen.

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Mit Theaterszenen und Humor

Ausgangspunkt der Stadtführung war der Wilhelmsplatz, wo sich in den 60er-Jahren der „Club Voltaire“ befand. Dort nahm Michael Heiny die Teilnehmer mit in eine Zeit der rebellischen Meinungsäußerung. Mit einer Auswahl an schriftlichen Dokumenten aus Tagungsprotokollen, Flugblättern und offenen Briefen wurde die Geschichte rund um die Studentenproteste humorvoll aufgearbeitet und mit zwei Theaterszenen ergänzt. In zwei Stunden führte Heiny die Gruppe durch mehrere Stadtteile und erklärte wichtige Zusammenhänge.

Studenten wollten mitbestimmen

Ein Höhepunkt der damaligen Proteste war die Schlacht auf den Lahnbergen. Rund 300 Studenten versammelten sich am 19. Dezember 1968 auf den Lahnbergen, um die Sitzung des Senats zu stören. Aufgehalten von der Polizei entwickelte sich eine aufgeladene Stimmung und es kam zu Steinwürfen und zum Einsatz von Wasserschläuchen seitens der Polizei. Auslöser dieser Proteste waren Diskussionen über eine Hochschulreform, die Veränderungen am Numerus clausus enthalten sollte. Die Studenten fühlten sich von diesem Prozess ausgeschlossen und verlangten die Möglichkeit, in die Diskussionen einbezogen zu werden.

Die größten Auseinandersetzungen gab es im Frühling 1968 bei den Protesten gegen die Verabschiedung der Notstandgesetze. Der zweistündige Rundgang zeigte eindrucksvoll die Bestrebungen der Studenten und lieferte einen interessanten Einblick auf bewegende Marburger Geschichte. Besonders die szenischen Rollenspiele versetzten die Gäste in die damalige Zeit und verdeutlichten die Missstände, gegen die sich die junge Generation stark machte.