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Marburg Hülsenfrüchte-Schaugarten und Knoblauchernte
Marburg Hülsenfrüchte-Schaugarten und Knoblauchernte
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08:00 15.07.2022
Tanja Neuschild.
Tanja Neuschild. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Auf dem Wehrdaer Acker ist schon einiges gewachsen. Stolz weist Tanja Neuschild auf die langen Reihen von Speisezwiebeln mit großen Lauchstangen. Die Vielfalt dieses Gemüsegartens ist schon jetzt beeindruckend: Da sieht man Zucchini neben Roter Bete, Mangold oder Rucola.

Doch wenn es nach der Initiatorin des Projektes geht, ist das noch lange nicht alles. So plant sie auf der bis jetzt noch nicht bewirtschafteten großen Ackerfläche in der Mitte den Aufbau eines Hülsenfrüchte-Schaugartens. Dort soll gezeigt werden, wie man Kichererbsen oder Linsen anbaut, die in Deutschland zugunsten von Fleisch mittlerweile vom Speisezettel verschwunden sind.

Froh ist Tanja Neuschild auch über die erfolgreiche Knoblauchernte. Die Koblauchknollen, die auf einem schmalen Streifen neben den Zwiebelgewächsen herangewachsen waren, wurden im Oktober 2021 gesteckt und konnten nun geerntet werden. Zunächst werden sie allerdings getrocknet, bevor sie verkauft werden. Auf die Idee, Knoblauch auch in Marburg anzupflanzen, kam die Marburgerin, als sie vor zwei Jahren beim Einkauf im Supermarkt auf keinen Knoblauch aus deutscher Produktion stieß.

“Wehrda isst gesund, ökologisch und fair“

Das ist der Titel des Pilotprojekts, das Tanja Neuschild vom Marburger Ernährungsrat seit Ende 2021 in dem großen Marburger Stadtteil aufbaut. Ihr Ziel ist es, den Zugang zu gesunden, klimafreundlichen und sozialen Lebensmitteln für die Menschen in Wehrda so einfach wie möglich zu machen. Bis 2030 soll Ernährungssouveränität hergestellt werden, und vielleicht in Zukunft auch in anderen Stadtteilen.

Um den Anbau der Pflanzen kümmert sich ein Team, zu dem neben Tanja Neuschild derzeit rund 15 Menschen gehören. Auf dem von einem der letzten Wehrdaer Nebenerwerbs-Landwirte gepachteten Acker befinden sich zusätzlich noch kleine Saisongärten, in denen Wehrdaer eigenes Gemüse anbauen können.

Schon angelaufen ist der zweite Baustein des Projektes „Lebensmittelpunkt“: der „Wehrdaer Markt“: Immer freitags von 16.30 Uhr gibt es auf dem Hof von Tobias Müller im Lärchenweg 1 die Chance zum Einkauf des in Wehrda produzierten Gemüses.

Zudem hat Tanja Neuschild die Idee, eine ökologische Tierhaltung auf der ehemaligen Weide neben dem Acker zu starten. Und die ehemaligen Fischteiche in dem angrenzenden Waldstück könnten vielleicht wieder wie früher genutzt werden.

Wenn die Lebensmittel geerntet werden, ist in dem künftigen Projekt „Lebensmittelpunkt“ noch nicht Schluss. „Man braucht auch Köche, die das verarbeiten können“, meint Neuschild. Die Weiterverarbeitung der Lebensmittel und vielleicht davon ausgehend eine Gemeinschaftsverpflegung für die älteren Mitbürger sind für das Jahr 2023 unter dem Stichwort „Wehrdaer Küche“ geplant ebenso wie der Aufbau eines Bildungshauses mit Workshops zur Ernährungsbildung.

Hintergrund

Der Ernährungsrat

Der im Oktober 2020gegründete Ernährungsrat Marburg und Umgebung  ist ein Zusammenschluss von Akteuren aus Land- und Ernährungswirtschaft, von Lebensmittelhandwerk und Gastronomie. Dazu gehören auch Vertreter von alternativen Erzeugungs- und Handelsmodellen, von Initiativen aus der Stadt wie „Urban Gardening“ oder „Food Saving“. Aber auch engagierte Bürger und Verbraucher sowie Vertreter aus Bildung und Wissenschaft gehören zu dem Gremium. Dessen erklärtes Ziel ist es, gemeinsam mit Politik und Verwaltung den Wandel des lokalen Ernährungssystems zu gestalten.

Von Manfred Hitzeroth