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Marburg Auf Verdichtung folgt Verkehr: Im Schulviertel wird es enger
Marburg Auf Verdichtung folgt Verkehr: Im Schulviertel wird es enger
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18:58 27.06.2021
Verkehr zum Unterrichtsende in der Leopold-Lucas-Straße.
Verkehr zum Unterrichtsende in der Leopold-Lucas-Straße. Quelle: foto: Thorsten Richter
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Marburg

Wie geht es weiter mit der Leopold-Lucas-Straße? Dass die Schulviertel-Strecke zumindest tagsüber oder stundenweise dichtgemacht werden könnte, ist seit Jahren im Gespräch. Mehr noch: Es ist eine im einst erstellten Klimaschutzteilkonzept genannte Option – und eine wiederkehrende und jüngst bei Demonstrationen mit Nachdruck gestellte Forderung speziell der Bürgerinitiative Verkehrswende. Die stärkste Fraktion im Stadtparlament, die Grünen, und ihr möglicher Koalitionspartner Klimaliste kommen in ihren jüngsten Wahlprogrammen auf die Vermeidung von „Elterntaxis“, auf den Willen zur Verkehrsberuhigung etwa durch Umwidmung in eine Fahrradstraße zu sprechen.

Auch der CDU-Vorsitzende Dirk Bamberger bezeichnete ein Aus für den Durchgangs-Verkehr im Sinne der Entstehung eines echten Schul-Campus – also Bewegungsfreiheit der Schüler und Lehrer auf dem gesamten Areal zwischen Gesundheitsamt und Georg-Gaßmann-Stadion – vor wenigen Monaten als „unausweichlich“.

Das Thema dürfte an Fahrt gewinnen, wenn es zu einem Neubau der Mosaikschule samt Umzug von 150 Schülern, Lehrern und Mitarbeitern aus der Großseelheimer Straße nach Ockershausen kommt. Nach OP-Informationen ist geplant, das ehemalige Parkdeck an den Kaufmännischen Schulen mit einem Gebäude zu überbauen. Auf OP-Anfrage bestätigt der Magistrat zumindest das KSM-Gelände als möglichen Standort – eine Entscheidung stehe allerdings noch aus. Bisher sei die Planung auf der Freifläche nur „auf fachlicher Basis der bisher beteiligten Fachdienste erfolgt“. Das KSM-Szenario hätte demnach laut Stadtverwaltung eine Verlagerung der Parkplätze auf eine zu errichtende weitere Parkdeckebene auf dem Parkplatz vor dem Georg-Gaßmann-Stadion zur Folge.

„Gefährliche Verkehrssituation“

Das sei nach den Standortuntersuchungen „eine Option“, heißt es auf OP-Anfrage. Die Fläche neben der Elisabethschule, die immer wieder als Bereich zum Bau einer Multifunktions- und vor allem Sporthalle gilt, spiele bei den Mosaikschul-Planungen indes „keine Rolle“. Doch wie schätzt der Magistrat die „gefährliche Verkehrssituation“, wie der Stadtverordnete Marco Nezi (Grüne) die Regelung im Schulviertel bezeichnet, ein?

Die Situation – ob beim fließenden Verkehr oder bei der Parkplatzfrage – sei schon jetzt „in der Tat verbesserungswürdig“ und die Ansiedlung einer weiteren Schule „erzeugt weitere Verkehrsbewegungen und trägt nicht unbedingt zur Entspannung der Situation bei“, heißt es in einer Stellungnahme auf OP-Anfrage. Doch trotz des seit langem hohen Verkehrsaufkommens vor Schulbeginn und nach 13 Uhr gebe es „keine bekannten Unfallpunkte“, auch Eltern-Taxis führten zu keinem auffälligen Unfallgeschehen, hieß es jüngst vom Magistrat.

Werben für den Umstieg 

Durch Umprogrammierungen der Ampeln an der Ecke Leopold-Lucas-Straße/Schwanallee sei die Situation inzwischen fußgänger- und radfahrfreundlicher, auch die Querungshilfe hinter dem Philippinum und der Ausbau der Bushaltestelle im Schulviertel hätten „positive Effekte“. Städtische Initiativen für das Werben für einen Umstieg auf Rad- oder Busverkehr liefen bereits. Eine Neuaufteilung des Straßenraums, vor allem der Gehweg-Breite, stellte Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) längerfristig in Aussicht. Bei einer auch nur temporären Sperrung des Schulviertels geht man in der Stadtverwaltung jedoch von „starken Verkehrsverlagerungen“ aus. Der Ortsbeirat Ockershausen sprach sich in der Vergangenheit jedenfalls immer wieder gegen Sperrung aus, erneuert seine Ablehnung gerade im Hinblick auf die schon seit langem bestehende Nadelöhr-Problematik im Bachweg und der Stiftstraße sowie der seit dem Parkdeck-Abriss geschrumpften Stellflächen-Zahl.

Von Björn Wisker