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Marburg Problemfall Erdbeere?
Marburg Problemfall Erdbeere?
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20:03 08.06.2022
Das Bio-Erdbeerfeld zum Selberpflücken vom Laggels Hof in Leidenhofen ist dieser Tage sehr gut besucht.
Das Bio-Erdbeerfeld zum Selberpflücken vom Laggels Hof in Leidenhofen ist dieser Tage sehr gut besucht. Quelle: Ina Tannert
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Sie sind süß, saftig und einfach zum Anbeißen – die Erdbeere ist eine der liebsten Früchte der Deutschen und hat gerade Hochsaison. Wettertechnisch läuft es eigentlich gut, doch manche Erdbeerbauern ächzen unter Absatzproblemen, der Druck steigt, und das hat gleich mehrere Ursachen.

Da ist einmal das gute Wetter im Mai, das den Erdbeeren gut getan hat – damit steigt aber auch das Angebot stark an, nur kommt die Nachfrage nicht nach. Das bedeutet Preisverfall. Die Inflation und höhere Preise, ob bei Nahrungsmitteln oder Energie, führen zu mehr Zurückhaltung beim Verbraucher – die Kunden langen weniger zu am Obstregal. Hinzu kommt die Konkurrenz für heimische Anbauer, sowohl im Ausland wie auf dem Deutschen Markt.

Darüber berichten die Bauernverbände in Hessen und Rheinland-Pfalz, die sich gerade um die Angebotspreise sorgen. Die Angebote aus dem Einzelhandel seien nicht kostendeckend, so dass sich eine Ernte teils nicht lohne: „Bei der Vermarktung über den Großmarkt liegen die Preise, die pro Schale geboten werden, teilweise unter einem Euro. Daher bleiben die Beeren zum Teil hängen“, sagt Marie-Claire von Spee, Sprecherin des Hessischen Bauernverbandes. Druck kommt auch von der im Vergleich billiger produzierten Importware. Günstigere Erdbeeren aus dem Ausland, vor allem aus Spanien, seien die größte Konkurrenz für die deutschen Früchte.

Direktvermarkter im Vorteil

Eine verspätete Saison in den Niederlanden habe zudem für ein größeres Angebot gesorgt. Unterschiede gebe es jedoch je nach Vertriebsart. Erdbeerbauern, die ihre Ware direkt an Verbraucher verkaufen, verzeichnen den Verbänden zufolge bessere Absätze.

Das zeigt sich auch auf dem Erdbeerfeld vom Hof Laggels in Leidenhofen, wo die Stimmung nicht getrübt wird, berichtet Landwirtin Ute Gerhardt, die seit 22 Jahren Erdbeeren anbaut. Auf ihrem Biofeld kommen die Kunden zum Selberpflücken. Selbst bei Nieselregen sind Erdbeerfans jeden Alters am Dienstag fleißig am Pflücken. Das bringt Spaß für die Kinder und schont zugleich den Geldbeutel, auf den gerade Familien derzeit besonders achten, erzählt eine Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter zwischen langen Reihen Erdbeerpflanzen unterwegs ist.

Hier wie auch auf anderen Selbstpflücker-Feldern im Landkreis ist die Nachfrage groß. Im Handel sieht das stellenweise anders aus – was also, wenn die Früchte auf den Feldern bleiben? Dann müsste die süße Ernte vernichtet werden. Fälle, in denen das bei hessischen Obstbauern vorgekommen ist, seien dem Bauernverband bislang aber nicht bekannt.

Beliebte Frucht

Die Erdbeere ist keine Beere, sie zählt zu den Rosengewächsen, und zu den beliebtesten Früchten der Deutschen, wobei der Apfel (Platz 1) und die Banane die Rangliste anführen. Der bundesweite Pro-Kopf-Verbrauch von frischen Erdbeeren einschließlich Verarbeitungserzeugnissen lag in Deutschland laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Wirtschaftsjahr 2017/18 bei drei Kilogramm. Zum Vergleich: Jeder Bundesbürger verbrauchte in der gleichen Zeit 69 Kilogramm frisches Obst, davon 21 Kilogramm Äpfel und 12 Kilogramm Bananen.

Es gibt dabei zahlreiche verschiedene Erdbeersorten, von denen so einige nach Tänzen benannt sind oder einen musikalischen Bezug haben: Von der Sorte Polka, Rumba oder Salsa, bis zu Allegro oder Sonata. Es gibt aber auch die Sorten Mieze Schindler, die in etwa auf dem Feld in Leidenhofen besonders beliebt ist, die Malwina oder Maxim, Letztere bekannt als Riesenerdbeere.

Die Nachfrage ist gut

Ute Gerhardt

Stellenweise leiden Landwirte im Land unter den Erdbeerpreisen oder bekommen die Ernte nicht los. „Das ist aber nicht überall so, die Nachfrage ist gut, die Kunden kommen gerne zum Pflücken“, erzählt Ute Gerhardt von Laggels Hof in Leidenhofen. Dass auf dem Feld am Ende die Früchte hängen bleiben werden, glaubt sie nicht. Das Selberpflücken ist sehr beliebt und durch die Eigeninitiative – trotz Bioqualität – günstiger als im Handel zu kaufen. Für sie lohnt es sich trotzdem, beide Seiten könnten also zufrieden sein, „es läuft im Moment gut, das freut mich sehr, ich mache das immer schon mit Herzblut“.

"Unsere Preise werden gezahlt"

Helfried Eden

Es gibt zwar sehr viele Erdbeeren im Moment, das Hofgut Dagobertshausen kann die Ernte aber wie sonst auch an den Mann, an Händler wie Selberpflücker bringen. „Wir haben im Moment keine Probleme und kommen gut zurecht, wir haben unsere Qualität und unsere Preise, und die werden auch gezahlt“, sagt Helfried Eden, Betriebsleiter Landwirtschaft. Gerade bei den süßen Früchten spielt für Verbraucher auch der regionale Bezug eine Rolle: „Bei Erdbeeren ist den Leuten die Regionalität besonders wichtig, weil es eben auch ein Frischeprodukt ist. Außerdem finden viele das Selberpflücken toll, das hat schon richtig Eventcharakter.“

Für Selberpflücker stehen in Marburg-Biedenkopf gleich mehrere Felder zur Verfügung.

Von Ina Tannert und unserer Agentur

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